Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Leiter für den Notarztstandort

Treffpunkt Einsatzfahrzeug: Fabian Glantz (links) übernimmt die Aufgabe von Reinhard Wuttke und freut sich, dass Wuttke weiterhi
Treffpunkt Einsatzfahrzeug: Fabian Glantz (links) übernimmt die Aufgabe von Reinhard Wuttke und freut sich, dass Wuttke weiterhin für Notarzt-Dienste zur Verfügung steht.

Am Marienhaus Klinikum Hetzelstift hat Fabian Glantz die ärztliche Leitung des Notarztstandorts übernommen. Er muss dafür sorgen, dass in Neustadt rund um die Uhr immer ein Notfallmediziner verfügbar ist. Wie das gelingen kann – und welche Sorgen es gibt.

Seit eineinhalb Jahren ist Fabian Glantz als Anästhesist am Marienhaus Klinikum Hetzelstift tätig. Dass der 40-Jährige, der mit der Familie in Mußbach lebt, trotz seines Jobs als Oberarzt die Notfallmedizin als Leidenschaft bezeichnet, liegt an seinem beruflichen Werdegang. Denn schon nach dem Abitur in Kaiserslautern machte er erst einmal eine Ausbildung im Rettungsdienst. „Seither ist für mich klar: Ich will Notfallmedizin machen“, sagt Glantz.

Am Hetzelstift folgt er auf Reinhard Wuttke, der 30 Jahre lang als Hetzelstift-Mediziner den Notarztstandort betreute und seit ein paar Monaten im Ruhestand ist. Glantz spricht voller Hochachtung von seinem Vorgänger: „In seiner Zeit war in Neustadt immer ein Notarzt verfügbar, es gab nur an einem Tag für zwei Stunden mal einen Ausfall. Diese Leistung ist seinem unermüdlichen Engagement zu verdanken. Mein Anspruch ist ebenfalls, dass wir die Versorgung täglich 24 Stunden lang sicherstellen.“ Als Leiter des Standorts ist Glantz primär Organisator: „Ich bin personell und strukturell dafür verantwortlich, dass die notärztliche Versorgung gewährleistet ist.“

Immer mit Ultraschallgerät

Damit dies gelingen kann, stehen ihm insgesamt 25 Ärzte für die Dienste als Notarzt zur Verfügung. Jeder wird pro Monat für eineinhalb Tage für einen Dienst eingeteilt. Das Team, zu dem auch die Notfallsanitäter zählen, kommt auf rund 1200 Einsätze pro Jahr. Glantz ist sich sicher: „Die Zahlen werden zunehmen, alleine schon wegen der älter werdenden Gesellschaft.“ Daher werde eine zentrale Aufgabe sein, das Notärzteteam regelmäßig weiterzubilden, die Digitalisierung in die Versorgung einzubauen und verstärkt auf moderne Technik zu setzen. Glantz wünscht sich, dass bald in jedem Einsatzfahrzeug ein Ultraschallgerät zur Verfügung steht: „Damit können wir genauer abschätzen, was ein Patient hat.“ Auch der Faktor Telemedizin, bei dem ein Arzt über Video für medizinische Einschätzungen zugeschaltet wird, werde wichtiger. „Solche Hilfsmittel sind wichtig, dass wir frei sind für die Einsätze, bei denen wir vor Ort gebraucht werden“, sagt Glantz. Denn das Thema Personal sei auch in der Medizin knifflig. Die Motivation und Bereitschaft im Team sei unverändert hoch. Doch müsse man sich darauf einstellen, dass auch mal weniger Freiwillige zur Verfügung stehen.

Reinhard Wuttke hat den Notarztstandort von Anfang der 90er bis Ende 2023 verantwortet. Er würdigt insbesondere den großen Zusammenhalt: „Diese Verbundenheit sorgt dafür, dass die Versorgung immer aufrechterhalten werden kann.“ An den Werktagen ist es tagsüber Aufgabe des Hetzelstifts, mit eigenen Ärzten die Notarztversorgung sicherzustellen. Ab 17 Uhr und am Wochenende übernimmt dann das 25-köpfige Team unter der Leitung von Glantz, das diese Dienste zusätzlich zum eigentlichen Job im Krankenhaus oder in der Praxis macht. Die Ärzte bekommen dafür ein Honorar vom Hetzelstift, verzichten aber eben auf Freizeit. Große Krankenhäuser wie Ludwigshafen, Mannheim oder Karlsruhe können die Notarztteams komplett aus der eigenen Ärzteschaft bestücken. „Ein mittelgroßes Haus wie das Hetzelstift schafft das nicht, mit unserem Personalstamm ist die Dienstanzahl nicht machbar“, so Glantz.

Gespräche nach Einsätzen

Trotz des höheren Aufwands kommt es für die beiden Neustadter Ärzte nicht infrage, sich aus der Notfallmedizin und den Zusatzdiensten zurückzuziehen. „Man arbeitet als Notarzt komplett eigenverantwortlich und selbstständig. Dabei kommt man immer in neue Situationen. Anders als beim Blick auf einen OP-Plan kann man sich nicht auf die Patienten und Probleme vorbereiten“, sagt Wuttke. Glantz betont deshalb die Bedeutung des gesamten Teams, zu dem auch die Rettungssanitäter und auch Feuerwehrleute zählen. „Das Ehrenamt ist für unsere Gesellschaft so wichtig. Notärzte engagieren sich auch nicht wegen des Geldes, sondern aus Überzeugung“, sagt Glantz.

Über die Einsätze entscheidet die Integrierte Leitstelle in Ludwigshafen. Dort gehen die Notrufe ein, und je nach Information wird entschieden, ob nur ein Rettungswagen oder eben auch der Notarzt hinfahren soll. Das können alle möglichen Einsätze sein, von kranken Kleinkindern bis hin zu verunglückten alten Menschen. Man wisse nie, was wirklich kommt. Jüngere Kräfte würden an die Aufgaben herangeführt. Außerdem seien Gespräche nach Einsätzen wichtig. Damit jeder das Erlebte verarbeiten könne.

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