Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Straßennamen: Probleme bei der Adressänderung

Dass aus der Von-Wissmann-Straße in Neustadt die Leibnizstraße wurde, hat ein US-Software-Riese noch nicht mitbekommen.
Dass aus der Von-Wissmann-Straße in Neustadt die Leibnizstraße wurde, hat ein US-Software-Riese noch nicht mitbekommen.

Seit Jahresbeginn tragen fünf Neustadter Straßen neue Namen. Doch das ist noch nicht überall angekommen und verursacht Probleme bei der Adressänderung, wie ein Anwohner erfahren musste.

Manchmal reicht ein Mausklick und schon ist man unfreiwillig umgezogen – scheinbar. Das ist jüngst dem Neustadter Wilfried Dechau passiert. Seit Jahresanfang wohnt er in der Leibnizstraße. Genauer gesagt wohnt er dort schon länger, aber die Straße ist seither nach dem Gelehrten benannt; zuvor trug sie den Namen des Kolonialbeamten Hermann von Wissmann. Die Umbenennung dieser sowie vier weiterer Straßen (mit einer Ausnahme alle im Afrikaviertel) ist das Ergebnis eines längeren Prozesses unter Einbindung der Anwohner – Demokratiefeinde und Rassisten sollten nicht mehr mit Straßennamen geehrt werden.

Doch zurück zu Wilfried Dechau: Er freute sich, dass mit den neuen Straßennamen „endlich Klarschiff gemacht wurde“. Er sei jetzt stolzer Leibniz-Straßen-Bewohner. Dann musste er allerdings feststellen, dass es „ein dorniger Weg“ sei, die Adressänderung mitzuteilen. Auf privater Ebene sei das zwar einfach. Bei einer Versicherung aber scheiterte er – für die gibt es in Neustadt an der Weinstraße keine Leibnizstraße. Nach seiner Eingabe online änderte die Software der Versicherung deshalb Dechaus Wohnort in Neustadt am Rübenberge, wo es schon lange eine Leibnizstraße gibt. So schnell ist man also umgezogen. „Aber ich will nicht nach Rübenberge“, sagt Dechau. Das gleiche Theater habe er mit dem Versandhändler Amazon erlebt. Wer bei Google Maps Neustadt und Leibnizstraße eingibt, wird automatisch zu dem Neustadt in Niedersachsen geleitet. Wer hat denn da was verschlafen?, fragt sich Dechau daher.

Stadt: „Alles Mögliche unternommen“

Die Stadtverwaltung sieht sich hier nicht in der Verantwortung. „Von städtischer Seite haben wir alles uns Mögliche rechtzeitig unternommen“, teilt eine Stadtsprecherin auf Anfrage mit. Bereits im August seien die sogenannten Träger öffentlicher Belange informiert worden. Dazu zählen unter anderem Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste, das Bundeszentralamt für Steuern, die Kirchen, das Kraftfahrtbundesamt, das Finanzamt, die Telekom, das Vermessungs- und Katasteramt sowie Stadtwerke und der Eigenbetrieb Stadtentsorgung.

Aufgabe der Anwohner sei es, Familie und Freunde ebenso zu informieren wie Geschäftspartner, Arbeitgeber, Krankenkasse, Banken, Behörden, Schule/Kita, Versicherungen und sonstige Stellen, mit denen man Verträge abgeschlossen hat. Wobei genau das Wilfried Dechau ja bei seiner Versicherung versucht hat.

Stadt hat Google längst informiert

Die Stadt vermutet, dass viele Dienstleister Google Maps als zentrale Plattform nutzen, mit entsprechenden Folgen, wenn die Änderungen dort nicht vollzogen werden. Die Stadtsprecherin erklärt, dass die Verwaltung die Änderungen auch schon bei Google Maps eingetragen und eine Bestätigung erhalten habe, dass dies geprüft werde. „Geändert wurde es aber seitens Google leider bisher noch nicht.“ Die Änderung könne aber auch jeder Betroffene selbst vornehmen. Dazu müsse man sich bei Google anmelden, entsprechende Anleitungen gebe es im Internet. „Es könnte hilfreich sein, wenn Google mehrere Änderungen/Nachrichten dazu erhält“, sagt die Sprecherin. Bei Openstreetmap wurden die Änderungen ihren Angaben zufolge bereits eingepflegt. Es wird also wohl noch etwas dauern, bis alle mitgekriegt haben, dass fünf Neustadter Straßen neue Namen haben.

Wilfried Dechau stellt derweil klar, dass er trotz der Probleme hinter der Umbenennung steht. Seine Frau sei seinerzeit während der Anwohnereinbindung mit einer Freundin durch die Straße gelaufen und habe für den Namen Leibnizstraße geworben. Dechau bedauert gleichwohl, dass man bei der Namensfindung keinen gemeinsamen Nenner im Afrikaviertel gefunden habe, etwa deutsche Gelehrte. Dann hätte man auch einen neuen Namen für das Wohnviertel gehabt, denn der Name Afrikaviertel passe jetzt nicht mehr.

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