Bad Dürkheim
Mit spitzem Strich unter Freunden: Deutsch-französische Karikaturen im Haus Catoir
Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler, und Präsident Charles de Gaulle, die sich bei ihren Treffen 1962 in Reims und Köln als Kirchtürme gegenüberstehen – das ist das Motiv, mit dem die Karikaturen-Ausstellung „Die deutsch-französische Freundschaft“ im Haus Catoir in Bad Dürkheim beginnt.
Auf vielen der ausgestellten Karikaturen sind stehen die jeweiligen Staatspräsidenten und Bundeskanzler als Symbolfiguren für ihre Nationen. Manchmal übernehmen auch die französische Marianne und die deutsche Germania in satirischer oder ironischer Form diese Funktion. Die Bürger der beiden Länder selbst schaffen es nur ganz selten auf Blatt. Eine dieser Ausnahmen ist eine Arbeit des Deutschen Jens Krücke, die es während der Pandemie zu einiger Bekanntheit gebracht hat. Die Zeichnung mit dem Titel „Es lebe der Unterschied“ zeigt einen „typischen“ Deutschen und sein französisches Pendant, jeweils mit vollem Einkaufswagen – in dem des Deutschen findet sich Toilettenpapier, in dem des Franzosen Vin Rouge und Kondome.
„Nicht so eng Chérie, er guckt schon wieder so eifersüchtig“
Während die Karikaturisten Adenauer auf die gleiche Ebene wie seinen französischen Kollegen stellten, gönnten sie Willy Brandt das – zumindest in den hier zu sehenden Werken – nicht. Der muss in der Karikatur „Tête-à-tête“ von Hans Bierbrauer von 1963 vom Berliner Funkturm zu Charles de Gaulle auf dem Eiffelturm hochschauen. Brandt war damals aber auch nur Regierender Bürgermeister von Berlin und stand damit protokollarisch unter de Gaulle, wie ja überhaupt die deutschen Kanzler – da nicht Staatsoberhaupt – nicht in der gleichen Liga spielen wie Monsieur le Président. Der Rangunterschied wird aber durch die ökonomische Macht der Deutschen zunehmend aufgehoben – so etwa in Ernst Maria Langs „Mars(c)hall-Plan 74“, wo der in Koblenz geborene französischen Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing in Napoleon-Kostüm ein mit DM gefülltes Zepter aus den Händen Helmut Schmidts entgegennimmt, der seinerseits sehr an den preußischen Marschall Blücher erinnert. Der besiegte Napoleon bekanntlich bei Waterloo.
Ansonsten wird Schmidt überwiegend wenig schmeichelhaft gezeichnet, obwohl sein Verhältnis zum Nachbarland und seinem Gegenüber Giscard d’Estaing ja recht gut war: In „Nicht so eng Chérie, er guckt schon wieder so eifersüchtig“ von Horst Haitzinger etwa wird Schmidt 1977 als etwas ungelenker Tänzer am Busen der französischen Marianne fast erdrückt. Der angesprochene „Er“ das ist der damalige englische Premierminister James Callaghan.
Helmut Kohl führt den kleinen François an der Hand
Karikaturen, die sich mit wenigen Strichen begnügen, sind in der Ausstellung selten. Oft sind die Personen sehr exakt dargestellt und finden sich viele kleine Details. Und mehrfach wird Farbe als Ausdrucksmittel eingesetzt. So auch in einer Arbeit des bekannten elsässischen Künstlers, Grafikers und Schriftstellers Tomi Ungerer. Der 2019 verstorbene Straßburger war bekannt für seinen Hang zum Lasziv-Frivolen. Dem frönte er auch in der Karikatur „Germania und Marianne: La grande valse“, wo die beiden weitgehend nackten Symbol-Frauen einen Versöhnungswalzer tanzen.
Helmut Kohl und Angela Merkel waren beide sehr beliebt bei Karikaturisten – wegen ihrer Physiognomie und wegen ihrer Politik. In der Darstellung „Und wann kommt die Wiedervereinigung Frankreichs?“ von Jean-Claude Morchoisne aus dem Jahr 1990 hat sich das Größenverhältnis gegenüber früheren Jahren umgekehrt: Jetzt führt der große, mächtige Helmut Kohl den kleinen François Mitterand an der Hand.
Unerwarteter Anreiz: „Auf zu neuen Freu(n)den“
Amüsant sind einige Arbeiten mit Angela Merkel als Motiv. So etwa „Oh, là là!“ des Franzosen Plantu. Da liegt der vor Angst schlotternde Nicolas Sarkozy mit Merkel im Bett, davor steht seine Ehefrau, die bekannte (und damals gerade schwangere) Sängerin und Schauspielerin Carla Bruni, und fragt „Wer ist die da?“ „Es ist für Europa“, lautet Sarkozys Antwort. Witzig auch „Muttis Liebling“ von Peter Muzenick, das die Kanzlerin mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „I love“ und einem Bild von Sarkozy zeigt.
Die neueste der Karikaturen ist von 2024, und sie beleuchtet einen neuen Aspekt der deutsch-französischen Beziehungen. Im Gegensatz zu Deutschland ist in Frankreich Cannabis verboten und so überlegt sich manch junger Franzose, der sich für Deutschland bisher nicht interessierte, unter dem Motto „Auf zu neuen Freu(n)den“ einen Sprachkurs im Nachbarland zu machen.
Die Ausstellung
Die Ausstellung „Die deutsch-französische Freundschaft. La caricade franco-allemand“ im Haus Catoir, eine Gemeinschaftsaktion des Partnerstädtevereins Bad Dürkheim und des Bad Dürkheimer Stadtmuseums, ist bis 30. Januar zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr.