Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Mit Freizeitschuhen auf der Überholspur

Anton Gartner (links) und Henning Staudt vor einer „Wand“ aus rund 200 Kartons mit selbstdesignten „Sneakertaschen“. Diese haben
Anton Gartner (links) und Henning Staudt vor einer »Wand« aus rund 200 Kartons mit selbstdesignten »Sneakertaschen«. Diese haben sie am Freitag innerhalb von fünf Minuten verkauft.

Sie selbst sind von ihrem Erfolg überwältigt: Sneaker, also Freizeitschuhe, Klamotten und Lifestyle sind für viele ein so interessantes Thema, dass der Neustadter Anton Gartner (23) und der Mußbacher Henning Staudt (23) mit ihrer jungen Firma unverhofft rasant unterwegs sind.

„Bitte keine Werbung – außer für Schuhe.“ Wer so einen Aufkleber auf seinem Briefkasten hat, der gehört ziemlich sicher zur Kern-Zielgruppe der Gartner und Staudt GbR mit ihrem Sneakerblog „Heat-MVMNT“ und ihrer neuen Klamotten- und Lifestyle-Marke Calor Clothing. Der Erfolg lässt die Jungunternehmer immer weiter in ihr Start-up investieren. Gerade bringen sie ihre vierte Calor-Kollektion auf den Markt: Streetwear wie T-Shirts, Hosen, Pullis, Hemden.

Sneaker als Gesprächsthema

Noch aber sind die Vermittlung von Sneakern und Werbung ihr Hauptgeschäft. Alles läuft übers Internet. Die beiden Betriebswirte, Gartner hat seinen Bachelor in Heidelberg gemacht und Staudt ist mit seinem Bachelor-Studium in Mannheim auf der Zielgeraden, erreichen über verschiedene Online-Kanäle mehr als 500.000 Kunden. Die meisten sind Schuhfreaks aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die beiden 23-Jährigen haben 140.000 Follower auf Instagram und 300.000 Nutzer ihrer Smartphone-App, zudem 35.000 Abonnenten ihrer Neuigkeiten-Zusammenfassung im Internet-Dienst Telegram.

Sie arbeiten mit Weltkonzernen wie Adidas sowie Nike zusammen und mit vielen Sneaker-Geschäften in Deutschland. Ist es nicht so, dass Männer einen noch viel größeren Schuh-Tick haben als Frauen? Dazu passt die Geschichte der Gründer. „Wir haben beide als Werksstudenten bei Engelhorn in Mannheim gearbeitet“, erzählt Gartner, der sich in der Firma, die mittlerweile neben den beiden Chefs sieben Mitarbeiter inklusive Teilzeitkräften, Werksstudenten und Praktikanten hat, vorwiegend um die App und die Technik kümmert. „So ist unser Interesse für Sneaker immer größer geworden. Wir haben uns in den Pausen fast über nichts anderes mehr unterhalten als darüber, wann welcher Schuh in welcher Farbe neu herauskommt.“

Aus Hobby wird Beruf

Staudt, der sich ums Marketing kümmert und in kurzen Videos selbst vor die Kamera tritt und Produkte präsentiert, ergänzt: „Einfach nur aus Spaß haben wir dann unsere eigenen Schuhe fotografiert, vielleicht so 15 Paar, und mit einem Sneakerblog, einer Sneakerseite auf Instagram, begonnen. Nur als Hobby. Das war Anfang 2018.“ Als die Resonanz unter Schuhliebhabern immer mehr zunahm, wurde aus dem Hobby langsam mehr. Mittlerweile leben Gartner und Staudt von den Erträgen ihrer Firma.

„Wenn jemand über einen Link auf unseren Kanälen zum Beispiel einen Schuh kauft, bekommen wir Provision von dem jeweiligen Sneakerstore“, sagt Staudt. So läuft das Geschäft, dazu kommen etwa Einnahmen aus Banner-Werbung.

Gewinne komplett investiert

Das größte Geheimnis der beiden findigen Freunde, die sich seit der ersten Klasse kennen? „Wir haben es uns verkniffen, die Gewinne für uns persönlich zu entnehmen“, erzählt Staudt. „Als wir Mitte 2018 zum ersten Mal 200, 300 Euro im Monat verdient haben, haben wir das Geld in die Firma investiert. Das war dann auch so, als wir Ende 2018 so 2000 bis 3000 Euro Monatsumsatz gemacht haben.“

Das junge Unternehmen wuchs immer weiter. „Im Oktober 2018 hat jeder von uns beiden von seinem Ersparten so 3000 bis 4000 Euro in die Firma investiert“, sagt Staudt. „Mit dem Geld haben wir Influencer engagiert, insbesondere einer von ihnen hat in seiner Internet-Gemeinde unsere Reichweite extrem gesteigert.“

Ziel: eigene Umsatz-Million

2019 hat die Firma rund 600.000 Euro Umsatz erzielt. Natürlich ist neben der Vermittlung von zehn Millionen Euro Außenumsatz nun die eigene Umsatz-Million ein Ziel, genau wie die Marke von einer Million App-Nutzern. Und der Schritt über den deutschsprachigen Raum hinaus. Die App soll es bald auf Englisch geben.

Die beiden Chefs bleiben der Region aber dennoch eng verbunden. So prangt der Schriftzug ihrer Marke Calor bald auf den Fußballtrikots der ersten Mannschaft des TuS Maikammer, für die Gartner selbst in der B-Klasse (Kreisliga) kickt.

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