Neustadt Mehrgenerationenhaus in Neustadt: „Ehrenamt ausbauen“
Die finanzielle Förderung des Mehrgenerationenhauses durch die Bundesregierung läuft Ende des Jahres aus, soll aber erneuert werden. Jedes Haus muss sich aber neu bewerben.
Mehrgenerationenhäuser sind so etwas wie „öffentliche Wohnzimmer“, offen für alle, in vielen Situationen eine Art „Familienersatz“. In dem Neustadter Haus gibt es 70 offene Angebote, vom Mittagessen mit Kinderbetreuung über das philosophische Café bis zum Hip-Hop-Tanz. Rund 350 Besucher kommen pro Woche. Im Gegensatz zu den meisten anderen Häusern ist das Neustadter Mehrgenerationenhaus eine kommunale Einrichtung, es hat sich aus einem kommunalen Jugendzentrum entwickelt. Ingo Röthlingshöfer, der heute als Sozialdezernent für das Haus zuständig ist, hat hier einst im Keller Partys organisiert. Seit dieser Zeit hat sich das Haus mehr als einmal sozusagen neu erfunden. In Zukunft wird es nach Auffassung Röthlingshöfers stärker noch als bisher um die Förderung des Ehrenamtes gehen: „Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass Ehrenamt immer völlig ohne Geld auskommt.“ Die Gesellschaft brauche „verlässliches Ehrenamt“. Das Mehrgenerationenhaus sieht er dabei in der Rolle des Koordinators. Das Ehrenamt müsse auch ausgeweitet und für Menschen attraktiv werden, die aus dem Raster „sozial und engagiert“ herausfallen, sagt Röthlingshöfer. Beispielsweise Manager, die sich in der Fortbildung oder der Organisation von Projekten einbringen könnten. Auch hier sieht er eine Aufgabe für das Mehrgenerationenhaus: die Akquise solcher Leute. Die Aufgaben werden also nicht weniger. Bei der Finanzierung geht Röthlingshöfer davon aus, dass die Stadt auch künftig auf einen Zuschuss des Bundes bauen kann. Zurzeit liegt der Gesamtetat des Mehrgenerationenhauses bei rund 100.000 Euro, davon zahlt der Bund 30.000, das Land 5000 Euro. Die Mittel der Bundesregierung sind bis Ende des Jahres zugesagt, dass es eine Fortsetzung des Programms geben wird, hat die große Koalition angekündigt. Allerdings müssen die Einrichtungen sich dafür neu bewerben. Zurzeit organisiere das Bundesfamilienministerium überall Regionalkonferenzen – für Röthlingshöfer ein Zeichen dafür, dass der Bund dabei ist, ein neues Förderprogramm vorzubereiten. Finanziert werden mit dem Etat zweieinhalb Stellen sowie eine 400-Euro-Kraft. Das Gros der Angebote sind offene Treffs: Spielgruppen, Tanzabende, eine Literaturgruppe, eine Theatergruppe. Es handele sich aber nicht um klassische Kurse, betont Annette Sperlich, die seit 2007 Leiterin des Hauses ist. „Wir stehen nicht in Konkurrenz zur Volkshochschule.“ Das Entscheidende beim Mehrgenerationenhaus sei die Begegnung. Bundesweit gibt es zurzeit 450 Mehrgenerationenhäuser. Die Bundesregierung bezuschusst die Einrichtungen seit 2006.