Kirrweiler
Mehr als Wein: Christian Hartmanns Weg zum Gesamtpaket
Gradlinig, rebsortentypisch, aromatisch – so bringt Christian Hartmann seinen Weinstil auf den Punkt. Der 37-jährige Winzer aus Kirrweiler legt Wert auf Klarheit im Glas und unkomplizierten Genuss. „Mir war der Trinkspaß immer sehr wichtig. Ich möchte keine zu komplizierten Weine, die zwar spannend sind, aber das Glas nicht leer wird“, sagt er über seine Philosophie.
Sein Wein soll vor allem schmecken – nicht nur Kennern, sondern möglichst vielen Menschen. Mit einer Preisspanne von 4,50 bis 13,70 Euro pro Flasche sei für jeden etwas dabei. „Ich möchte auch junge Menschen ansprechen. Man baut sich ja so ein bisschen Geschmack auf“, sagt Hartmann. Zu ausgefallene Stilistiken könnten dabei schnell abschrecken.
Neun Staatsehrenpreise in Serie
Das kommt nicht nur bei seinen Kunden gut an. Auch die Fachwelt hat den Pfälzer vielfach ausgezeichnet – vom Jungwinzerpreis bis hin zum Deutschen Staatsehrenpreis, den er bereits neunmal in Folge erhalten hat. Und das als einer der jüngsten Kellermeister in Eigenverantwortung. „Das ist natürlich auch Motivation und ein besonderer Moment, wenn man plötzlich mit Menschen auf der Bühne steht, zu denen man früher aufgeschaut hat und nie gedacht hätte, selbst einmal dort zu stehen.“
Mit seinen Erfolgen zu prahlen liegt dem bodenständigen Winzer fern. Einige Auszeichnungen hängen dezent im Verkostungsraum, der Rest lagert in einer Schublade. Im Mittelpunkt stehe für ihn die Qualität seiner Weine und die Zufriedenheit seiner Kunden. „Der Kunde ist meine größte Motivation. Gleichzeitig ist das auch ein gewisser Druck. Man kann nicht einfach irgendetwas abfüllen. Die Menschen wissen, was gut ist, und sie sagen es einem auch.“
Frühe Verantwortung im Familienweingut
Hinter dem 37-Jährigen liegen bereits mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Weinbranche. Er packte schon früh mit an und übernahm schließlich im Alter von 22 Jahren nach dem frühen Tod seines Vaters die Leitung des Familienbetriebs. Unterstützt wird er von seiner Mutter, die sich um den Hofverkauf kümmert, und seiner Schwester, die einmal pro Woche mithilft. Für alle anderen Arbeiten setzt das Weingut auf saisonale Kräfte.
Nach einer Ausbildung zum Weinbautechniker in Bad Kreuznach kehrte Hartmann mit klaren Vorstellungen in den elterlichen Betrieb zurück: Optik und Weinstil sollten moderner werden. Eine Designerin aus dem Ort gestaltete die Etiketten neu und der Hof in der Marktstraße in Kirrweiler bekam ein neues Erscheinungsbild. Auch das Familienwappen wurde in die Moderne übersetzt und einzelne Elemente zu einem neuen Logo kombiniert. Ein Ritter mit Brille soll nicht nur optisch eine Verbindung zum bebrillten Winzer schaffen, sondern auch für den Wiedererkennungswert sorgen. „Ab und zu sagen die Leute: Du bist doch der mit dem Ritter“, erzählt Hartmann. Das freue ihn ganz besonders. „Ein Etikett ist die Visitenkarte des Winzers.“ Deshalb setze er zunehmend auf kreative Sondereditionen und eine klare Bildsprache – vor allem bei seinen Cuvées.
Weniger Alkohol, mehr Frische
Den Durchbruch zum Erfolg brachte jedoch ein Richtungswechsel beim Weinstil: Lieber weniger Alkohol, dafür mehr Frische, Aroma und Leichtigkeit, lautete die Stoßrichtung. Besonders beliebt auf der Weinkarte seien die Rosés. Aber auch Sekt und Secco hätten im Sortiment deutlich an Bedeutung gewonnen. „Alles, was prickelt, bringt ein gewisses Lebensgefühl mit. Gerade da es immer mehr heiße Sommertage gibt, sind frische, gut gekühlte Seccos sehr gefragt“, erzählt der Weinmacher. Auch die milden und halbtrockenen Weine seiner Eltern führt er weiter. „Dadurch haben wir eine große Weinkarte und können viele verschiedene Geschmäcker abdecken.“
Doch um langfristig erfolgreich zu sein, so seine Überzeugung, reiche in der heutigen Zeit ein guter Wein allein nicht aus. Das Gesamtpaket müsse stimmen – vom ersten Eindruck im Hof über das Etikett bis zum Moment, in dem die Flasche zu Hause geöffnet wird. Mit seinen Weinen will der 37-Jährige nicht nur geschmacklich überzeugen. Sie sind Teil einer Geschichte, mit der er seine Kunden auch emotional erreichen möchte. Dazu gehöre auch die Familie, die hinter dem Produkt steht. „Meine Mutter ist eine echte Sympathieträgerin. Sie übernimmt den Verkauf, hat den direkten Kontakt zu den Kunden und schafft dadurch eine besondere Nähe, die bei den Menschen sehr gut ankommt“, sagt Hartmann.
Wachstum mit Augenmaß
Der Erfolg gibt ihm recht: Seit er das Familienweingut leitet, habe sich die produzierte Flaschenmenge verfünffacht. Das sei Fluch und Segen zugleich. „Natürlich freuen wir uns über das Wachstum. Aber es soll ein familiäres Umfeld bleiben. Wir wollen kein klassisches Unternehmen sein“, sagt der 37-Jährige. Gleichzeitig brauche es eine gewisse Größe, um auch in Zukunft bestehen zu können. „Das Produkt muss gut verteilt sein. Das funktioniert nur mit einer bestimmten Menge. Ich versuche, einen Mittelweg zu gehen.“ Zumindest räumlich sind dem Wachstum Grenzen gesetzt. Der Hof seiner Eltern ist längst zu klein. Und auch in der zusätzlichen Halle, 400 Meter entfernt, wird es eng. Um den vorhandenen Platz optimal zu nutzen, setzt Hartmann auf mobile Abfüllanlagen und flexible Strukturen.
Die zusätzlich benötigten Trauben kauft er von befreundeten Winzern. Etwa 18 Hektar Rebfläche bewirtschaftet Hartmann selbst – von Kirrweiler bis Großfischlingen. Aus den Weinbergen bezieht er nicht nur seine Trauben, sondern auch einen Teil der Hefen. Einige seiner Weine entstehen durch Spontangärung. Das sorge für komplexe, teils exotische Aromen. Daneben setzt Hartmann auf Reinzuchthefen, um Struktur und Klarheit zu wahren. „Gerade das Zusammenspiel bringt die Vielschichtigkeit, die unsere Cuvées auszeichnet“, sagt er.
Sichtbarkeit durch Gastronomie
In puncto Marketing lässt Hartmann das Produkt für sich sprechen. Die Flasche selbst sei sein wichtigstes Werbemittel. „Ich stehe hinter jeder Flasche. Geschmack und Optik müssen so gut sein, dass jemand darauf anspringt“, sagt der Winzer.
Unterstützung bekommt er dabei von der Gastronomie. „Wir machen keine Messen, aber wir sind gut vernetzt. Viele Gastronomen schenken unsere Weine aus, das ist ein großer Multiplikator.“ Seine Weine verkaufe er nicht nur in der Region, auch überregional habe er sich einen festen Kundenstamm aufgebaut. Rund 25 Prozent gehen in die Gastronomie, 60 Prozent vertreibt er direkt an die Kunden und weitere 15 über den Weinhandel.
Und was trinkt der Winzer selbst am liebsten? Wenn er die Weinkarte aufschlage, entscheide er sich meist ohne langes Zögern: „Ich lande fast immer bei Sauvignon blanc oder Chardonnay“, sagt er. Doch auch eine klassische Rieslingschorle weiß er zu schätzen – am liebsten gut gekühlt.

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