Reportage
Sektkellerei Schloss Wachenheim: Welt prickelnden Genusses
Sonne satt und Sekt im Eiskübel: Wer mitten in Wachenheim den Torbogen zur Sektkellerei unterhalb der Kirche durchschreitet, taucht ein in die Welt prickelnder Genüsse. Die altehrwürdigen Mauern wurzeln im Jahr 1341, als die Ritter von Steinhauser hier ihren Adelssitz errichteten. Nach der Zerstörung im pfälzischen Erbfolgekrieg ließ Freiherr Georg von Sussmann das Anwesen 1725 im Barockstil neu aufbauen. 1880 richtete Weinhändler Georg Böhm dann die Schaumweinfabrik ein, die also auf eine nahezu 140-jährige Tradition zurückblicken kann.
Im mediterranen Ambiente der Genießerlounge ist diese zu schmecken. Einen Anlass braucht es gar nicht unbedingt: Warum nicht einfach das Leben feiern? „Sekt steht für Spaß, Emotion, Kommunikation und Trinkgenuss und Together“, buchstabiert Heike Kuhly den Begriff gerne für sich. Die Leiterin Direktmarketing der Sektkellerei Schloss Wachenheim liebt nicht nur die hochwertigen „Perlen im Glas“, die hier zu unterschiedlichen Sorten „komponiert“ werden, sie kennt sich damit auch bestens aus. Im würdigen Konferenzraum des Anwesens mit knarzendem Holzboden weiht sie mich grob ein in die Kunst der Sektherstellung.
Wein, Hefe und Zucker
Schaumwein – ob in der Pfalz oder der Champagne – entsteht, wenn ausgewählte Grundweine durch die Zufuhr von Hefe und Zucker erneut vergären. Der Zucker werde bei diesem Prozess komplett abgebaut, dabei entstehe natürliche Kohlensäure. Der Geschmack werde je nach Edition unter anderem von der Art und Dauer der Lagerung auf der Hefe – zwischen sechs Monaten und fünf Jahren –, aber auch von der Zugabe der sogenannten Dosage am Ende, also passendem Traubensaft, geprägt.
„Vergleichbar mit dem Mercedes gibt es auch beim Sekt A-, C- und S-Klasse“, umschreibt sie plastisch die unterschiedlichen Qualitäten aufgrund verschiedener Verfahren. Die Tankgärung entspreche der günstigen A-Klasse, die traditionelle Flaschengärung der luxuriösen S-Klasse. Bei Letztgenannter bleibt das Produkt über die komplette Dauer des Prozesses in ein und derselben Flasche, die Hefe wird am Ende durch Rütteln und Schrägstellen im Flaschenhals gesammelt und durchs sogenannte Degorgieren entfernt.
Je länger ein Sekt auf der Hefe liegt, umso cremiger schmeckt er. Von Brioche-Tönen spricht die Expertin. Bei kürzeren Lagerzeiten bleiben die Fruchttöne besser erhalten, was etwa bei fruchtigen Rosé-Sekten gewollt ist. Daneben gibt es noch die Flaschengärung, quasi die C-Klasse, bei der der Sekt zwar in der Flasche reift, aber die Hefe nicht durch Rütteln und Degorgieren entfernt, sondern in einem Tank herausgefiltert wird.
Mystische Unterwelt
Anschaulich wird diese Theorie in der mystischen Unterwelt von Schloss Wachenheim. Durch die Abfüllhalle mit modernen Transportbändern zwischen historischen Deckenpfeilern und über eine repräsentative Treppe geht es hinab in ein riesiges Kellerlabyrinth. Wie ein breiter, weiß gekachelter Stollen präsentiert sich beispielsweise der längst nicht mehr genutzte Betontank-Keller. Hochwertiger Brandy reift hier aber noch in einem Eichenfass – sicherheitshalber hinter Gittern. Andere Räume sind von Holzfässern geprägt.
„Wir lagern unsere Grundweine aber ausschließlich in Edelstahltanks“, erklärt Heike Kuhly und betont:„Ein Sekt kann nur so gut sein wie der Wein, aus dem er hergestellt wird.“ Man versekte in Wachenheim nur Pfälzer Gewächse.
In einem in Schwarzlicht getauchten Keller demonstriert Heike Kuhly das Sektrütteln von Hand an Rüttelpulten und das automatische Rüttelverfahren in Gitterboxen. Dann stehen wir vor einer riesigen Fassdaube, die bei Kellerführungen als Tisch für Verkostungen dient. Beim Genuss der prickelnden Proben lassen sich unterschiedliche Sektflaschengrößen vom Piccolo über die klassische 0,75 Liter-Flasche bis hin zum Fassungsvermögen von unvorstellbaren 30 Litern, genannt Melchisedech, bestaunen. „Eine so große Flasche voller Sekt könnte man aber höchstens nach Katar verkaufen“, scherzt die Expertin, die noch viel mehr über die Geschichte des 30 Mitarbeitende zählenden Unternehmens zu berichten weiß, das drei Millionen Flaschen Sekt pro Jahr abfüllt. So habe sich Schaumweinfabrikant Böhm 1890 den hochkarätigen Flaschengärungsexperten Carl Josef Wagner als Betriebsleiter nach Wachenheim geholt. Seit 1892 firmiere das Unternehmen als „Deutsche Schaumwein AG, Wachenheim“, sei also eine der ältesten Aktiengesellschaften Deutschlands.
S-Klasse im Glas
Über eine Fabriktreppe verlassen wir die Kellergewölbe und erreichen die Verpackungshalle, wo die Sekt-Flaschen Etiketten und Kapseln erhalten, dann geht es raus in den herrlichen Park des Anwesens mit seinen uralten Baum-Exoten. Auch hier lässt sich Sektgenuss zelebrieren: Der Park mit dem angrenzenden Festsaal kann für feierliche Anlässe gebucht werden. Dann perlt vermutlich besagte S-Klasse in den Gläsern: ein hochklassiger Crémant. Analog zum Champagner haben Crémants einen Herkunftsnachweis und sind in traditioneller Flaschengärung hergestellt. „Beim Begriff Crémant dürfen Sie sicher sein, dass es sich um die höchste in Deutschland erreichbare Kategorie eines Schaumweins handelt“, erklärt Kuhly und schenkt im Verkaufsraum Kostproben davon aus. Welche mir am besten schmecke, fragt sie. Schwere Frage! Lässt sich doch mit jeder einzelnen der feinperligen Spezialitäten trefflich das Leben feiern.
Tipps und Termine
Infos und Kontakt:
Schloss Wachenheim AG, Kommerzienrat Wagner-Straße 1, 67157 Wachenheim; geöffnet: Mo/Mi 12-18 Uhr, Do 12-21.30 Uhr, Fr/Sa 10-18 Uhr, So/Feiertage 13-18 Uhr; www.schloss-wachenheim-pfalz.de
Kellereiführungen und Kurse:
Prickelnde Entdeckertour: jeden Samstag und Sonntag, 15 Uhr, mit zwei Sektproben
Individuelle Kellereiführungen mit Sektprobe (nach Wahl dreiteilig oder fünfteilig) während der Öffnungszeiten der Sektkellerei
Masterclass Crémant mit professioneller Verkostung: 17.7., 21.8., 18.9., 16.10., 20.11., 18.12.
„Frauenpower und Sektgenuss“ mit Sektverkostung und Informationen über mutige Pionierinnen der Sektherstellung: 10.7., 14.8., 11.9., 9.10., 13.11., 11.12.
Seminar „Frauen, Finanzen & Sekt“ zum Thema Investieren und Sekt: 24.7., 28.8., 25.9., 30.10.
Seminar „Stilsicher genießen“ mit kleinem Sekt-Knigge: 31.7., 4.9., 27.11.
Anfragen und Anmeldung für Führungen und Seminar per E-Mail an: direktvermarktung@schloss-wachenheim.de, 06322 9427380
Rezepttipps: Spritzige Sommerdrinks
Mit Sekt oder Secco lassen sich erfrischende Sommergetränke und Cocktails herstellen wie die beliebten Klassiker Aperol Spritz und Hugo. Raffinierte und fruchtige Rezepte finden sich etwa auf cocktail.de:
Flott zubereitet ist der Beerlini : Eine Handvoll frischer Beeren fein pürieren, in eine vorgekühlte Champagnerschale geben, mit kaltem Sekt aufgießen und mit einer Orangenschale dekorieren.
Erfrischend ist der Green Spritz : Ein Weinglas mit Eiswürfeln füllen, 6 cl Secco, 4 cl Gin Chilla, 2 cl Soda darin miteinander mischen, mit Gurkenscheibe, Rosmarin und Zitronenschale dekorieren.
Wer’s exotisch und etwas stärker mag, kann sich am Cocktail „Inge“ probieren: 2 cl Ingwer-Sirup, 2 cl Wodka und 2 cl Limettensaft schütteln und in ein vorgekühltes Sektglas geben. Mit 10 cl Rosé Sekt auffüllen und mit Limettenschale und einem Stück Ingwer dekorieren.

Dürfen wir nachschenken?
Was sind die Trends der Weinszene? Welche Neuigkeiten gibt es von den Weingütern in der Region? Was ist Naturwein? Wie arbeitet ein Kellermeister? Und wo stehen Weinautomaten in der Pfalz? In unserem kostenlosen Newsletter „Entkorkt" liefern wir alle zwei Wochen Weinwissen für Pfälzer Weinliebhaber.
Wer nicht lesen will, kann hören: Sie wollten schon immer wissen, wie man die vielen Flaschen Wein, die man zu Hause hat, am besten lagert? Oder welche Unterschiede es zwischen verschiedenen Rebsorten gibt? Dann sind Sie hier genau richtig: In unserem kostenlosen Podcast "Wissensdurst" löchern Vanessa Betz und Rebecca Singer die Weinexpertin Janina Huber mit Fragen rund um das Thema Wein.


