Neustadt Lustiges aus der Vergangenheit
Deidesheim. Das Boulevardtheater Deidesheim bringt immer Komödien, aber bei den Lachtagen gab es Comedy am laufenden Band. Der kleine Saal der Deidesheimer Stadthalle war zum Abschluss bei Helene Mierscheid ausverkauft.
Vor der Vorstellung wurden Zettel verteilt, auf denen die Zuschauer aufgefordert wurden, ihr größtes Problem zu notieren. Als Mierscheid auf die Bühne kam, erklärte sie, warum. Sie präsentierte sich als Beraterin in Lebensfragen. Als Odenwälderin sei sie nach Berlin gezogen und praktiziere dort. Sie habe sogar eine „Mitternachtssprechstunde für lichtscheues Gesindel“. Sie unterbrach manchmal ihren Vortrag, um in den Zettelkasten zu greifen. Wenn sie angaben, keine Probleme zu haben, drohte Mierscheid dem Publikum verschärfte Beratung nach der Vorstellung an. Auf Probleme wie „Mein Mann hört nicht“ oder „Meine Frau versteht mich nicht“, reagierte sie flott und mit kessen Bemerkungen. Hier zeigte sich die Routine, mit Überraschungen kann sie spontan umgehen. Außerdem rhythmisieren die Kurzberatungen ihren Vortrag. Und worum ging es? Um die 1980er-Jahre, die sie im Odenwald verbracht hatte, wo die Exzesse des Jahrzehnts zu ihrem Bedauern nur sehr abgemildert ankamen, die Aufklärung durch die „Bravo“ und dergleichen. Dazu eingestreut Witze über Popper, aber auch über Helmut Kohl, Ronald Reagan, Michail Gorbatschow und über das Essen von Saumagen, das sie einander nähergebracht habe. Auch viele politische Themen wie Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien kamen vor. Über viele Frauen in der Politik machte sich Mierscheid ebenfalls lustig: Margaret Thatcher, Ursula von der Leyen, deren Kinderschar ein beliebtes Comedythema ist, Helmut Kohls späte Ehefrau Meike und natürlich Angela Merkel. In einem fiktiven Brief Angela Merkels an Margot Honecker teilt sie mit, dass die Bildung einer Einheitspartei für Deutschland gute Fortschritte mache (die FDP habe sie schon mal abgeschafft), alles im Merkel’schen Sprachstil vorgetragen. Wladimir Putin kam mit schwerem russischen Akzent zu Wort. Was verstanden wurde, bekam Szenenapplaus. Die Männer wurden natürlich auch nicht geschont, ihre eigenen habe sie, als sie sich als unbrauchbar erwiesen, „ausgewildert“. Bei Eheproblemen empfahl Mierscheid wiederholt eine Kreuzfahrt und bezeichnete die Reling als geeigneten „Witwenmacher“. Sie hat ein Buch veröffentlicht, das sie mehrfach dem Publikum zeigte: Es heißt „Vokuhila“ und hat den Untertitel „Als scheiße aussehen Mode war“. Sex und Drugs, wie der Programmtitel verspricht, kamen übrigens in der Schilderung der Jugend im Odenwald vor, der Hexenschuss allerdings erst in der (geplanten) Zugabe: In den 1980er-Jahren war der Film „Dirty Dancing“ sehr populär. Sie bot dem Publikum an, daraus eine Szene zu spielen. Zwei kräftige Herren aus dem Publikum mussten sich vor der Bühne hinstellen , mit zum Auffangen bereiten Händen. Mierscheid lief an, und – zack – da kam der Hexenschuss. Damit war auch Schluss mit der Vorstellung. Ein freudig bewegtes Publikum spendete viel Beifall. |inki