Neustadt Lernen in alle Richtungen
Seit August 2017 hat die Internationale Schule (IS) Westpfalz ihre Pforten in der Marktstraße 37 geöffnet. Der Träger ist die Schweizer Gesellschaft SBW Haus des Lernens AG, in Romanshorn/Thurgau. Doch der Platz reicht nicht aus. Es gibt Pläne für den Neubau eines größeren Schulgebäudes.
2017 startete die Internationale Schule mit 38 Schülern, jetzt sind es 62. „Wir brauchen mehr Platz“, blickt die Business Development Managerin Charlotte Ducker nach vorne. Das Gebäude in der Marktstraße reiche bereits jetzt nicht für alle Klassen aus. Bisher fahre jeden Morgen ein Shuttle die Schüler von der siebten bis einschließlich zwölften Klassenstufe von der Air Base Ramstein zum Unterricht in die Partnerschule nach Neustadt. Das soll sich bald ändern. Es sei geplant, in Ramstein-Miesenbach ein neues Schulgebäude zu errichten. Sämtliche Jahrgänge sollen darin Platz finden. Bis August 2020 werde die Kapazität auf 200 Kinder von der Vorschule bis zur achten Klasse erweitert. In einer zweiten Bauphase, bis August 2022, sollen weitere 80 Kinder, von Klasse neun bis zwölf, hinzukommen. Erste Gespräche mit Sponsoren und Politikern hätten bereits stattgefunden. Bürgermeister Ralf Hechler (CDU) steht den Plänen äußerst positiv gegenüber. „Es wird mit Hochdruck daran gearbeitet, einen neuen Standort zu finden“, unterstützt er das Vorhaben. Bisher findet der Sportunterricht an der benachbarten Grundschule statt. Auch die dortige Caféteria werde für das Mittagessen genutzt. „Wir kooperieren so viel wie möglich“, erklärt der Schulleiter Stuart Rich. „Das Objekt hier in der Marktstraße ist für uns von 2017 bis 2020 eine kurzfristige Möglichkeit, unseren Markterfolg zu testen und die Tragfähigkeit des Projektes auszuloten. Die Kooperation mit der benachbarten Schule hat die Entscheidung für diesen Standort erleichtert.“ Der Erfolg hinge entscheidend von der Unterstützung der Region Westpfalz und des Bundeslandes Rheinland-Pfalz ab. Beim Ostschweizer Unternehmen „SBW Haus des Lernens“ handelt es sich um einen privaten Bildungsanbieter, der an mehreren Standorten in Deutschland, darunter in Neustadt/Weinstraße, und der Schweiz tätig ist. Über ein Media Center finden regelmäßig Videokonferenzen mit der Schule in Neustadt und der Zentrale in Romanshorn statt. Rich und Ducker haben ebenfalls ihre Büros in Neustadt. Vehement widerspricht Stuart Rich der Annahme, die IS sei „eine Schule für reiche Kinder“. „Natürlich sind wir eine Privatschule, für die Schulgeld gezahlt werden muss.“ In der Vorschule betrage der jährliche Beitrag pro Kind 13.700 Euro, in der Mittelstufe 14.600 Euro und in der elften und zwölften Klasse 16.400 Euro. Gemessen an dem, was beispielsweise das Gros der Eltern, nämlich Militärangehörige der Nato auf der Air Base, an Schulgeld zu zahlen hätte, sei seine Schule günstig. Rich erklärt, dass auf der Air Base die Schule lediglich für US-Militärangehörige kostenfrei sei. Alle anderen Nato-Angehörigen, wie Holländer, Briten, Italiener und Franzosen, müssten rund 25.000 Euro im Jahr für die Beschulung ihrer Sprösslinge aufbringen. Schon allein aus diesem Grund ließen viele Familien ihre Kinder oft für mehrere Jahre bei Angehörigen in den Herkunftsländern zurück. „Diese Entfremdung kann nicht gut sein“, ist sich Rich sicher. „Sitzenbleiben gibt es hier nicht. Beziehen statt erziehen“, lautet das Motto. Hier lernen auch Lehrkräfte von ihren Schülern. Ein beeindruckendes Konzept von Lernpartnern und Lernbegleitern, anstelle von Schülern und Lehrern, mit Lernateliers anstelle von Schulzimmern, kennzeichnet die IS. Die Unterrichtssprache ist Englisch. Der Deutschunterricht beginnt bereits bei den Fünf- bis Sechsjährigen in der „Reception“, der Vorschule. Sechs Prozent der Schüler kommen aus deutschen Familien. „Die Umgebung muss stimmen“, sind sich Rich und Ducker einig. Presse man Schüler und Lehrer in einen fremdbestimmten Lernprozess, gingen Interesse, Neugier, unternehmerisches und selbstständiges Denken verloren, vor allem aber die Leistungsbereitschaft. Qualifizierte Abschlüsse seien das Ziel. „Wenn unsere Kinder die Schule verlassen, können sie sich an jeder Universität bewerben“, betont Rich.