Neustadt
Landesgartenschau: Tipps für Staudenbeete sorgen für Begeisterung
Der Pechvogel war gar nicht da: „Blütenzauber“ lautete der jüngste Titel des Forums Landesgartenschau im Roxy-Kino. Ein Überblick über die geplanten Pflanzungen von Wechselflor und Stauden hatte das LGS-Team im Vorfeld angekündigt. Federführend ist hier als Projektleiterin Katharina Bentz. Auch wenn die Großveranstaltung erst 2028 (und nicht schon 2027) über die Bühne gehen wird: Die Neustadter wollen buchstäblich bereits jetzt wissen, was ihnen blühen wird. Über 120 Neugierige versammelten sich im Kinosaal. Aber Bentz fehlte: Sie war krank. Die Nachricht sorgte für ein mitfühlendes Raunen.
Rebecca Siemoneit-Barum sprang ein. Sie verantwortet im LGS-Team eigentlich den Veranstaltungsbereich, stellte nun aber anhand der vorbereiteten Folien vor, welche Bepflanzungen im gärtnerischen Bereich vorgesehen sind, auf welche Farbspiele sich die Besucher dann freuen können und wie zu den Jahreszeiten passende blühende Akzente gesetzt werden sollen. „Es wird immer Neues geben, daher ist die exakte Planung hier so wichtig“, betonte Siemoneit-Barum. Die Bilder gefielen den Zuhörern, daher unterstrich sie: „Alles, was Sie sehen, kommt aus dem Kopf von Katharina Bentz.“
Bunt und informativ
Dann schlug die Stunde von Harald Sauer. Er ist Landschaftsgärtnermeister und gärtnerischer Leiter des Ebertparks in Ludwigshafen. Für die Bundesgartenschau in Mannheim legte er im Luisenpark schon Staudenbeete an. Für die Landesgartenschau in Neustadt hat er ebenfalls einen entsprechenden Auftrag. Daher wolle er zeigen, „wie ich ticke, denke und plane“. Die Zuhörerinnen und Zuhörer hatte er dabei schnell auf seiner Seite. Denn Sauer präsentierte zu Beginn ein Foto vom recht nüchtern aussehenden Eingangsbereich des Luisenparks mit dominierender Wiese. Und zeigte dann schnell, was er daraus gemacht hat: Alles war nun bunt und vielfältig. Sofort setzte Applaus des Publikums ein.
Damit war der Ton für den Rest des Abends gesetzt. Sauers Reise durch die „Welt der Stauden“ war bunt und informativ. Der Gärtner wollte mit der Präsentation schlicht und ergreifend Lust machen auf einen Ausflug aufs Gartenschaugelände. Ihm gehe es darum, dass alle für Stauden vorgesehenen Bereiche eine besondere Wirkung entfalten – durch das Zusammenspiel von Licht, Pflanzenformen und Wind, aber auch dank der bunten Blüten, die ebenfalls zu sehen sein werden. Augenzwinkernd bemerkte Sauer zu diesem Konzept: „Es geht um mehr als Blütenzauber.“ Sauer verstand es, die Geheimnisse der Pflanzen und ihrer Namen gut zu vermitteln. Beispiel Hummelschaukel. „Sie lockt viele Hummeln an und die haben dann so viel Gewicht, dass die Blüte anfängt zu schaukeln.“
Bürger sollen auch Beete anlegen
Der Lohn für diesen Vortrag: langer Applaus. Und dann wieder neue Aufmerksamkeit, da Sauer nicht nur auf dem LGS-Gelände Staudenwelten schaffen möchte. Unter dem Stichwort „Staudengarten für jedermann“ sollen die Bürger zudem angespornt werden, eine „Landesgartenschau daheim“ zu kreieren. Sauer hat dafür zwei Module mit verschiedenen Stauden entwickelt. Geeignet sind sie für Flächen ab 15 Quadratmetern und je nach Modell entsprechend anspruchsvoll.
„Unser Ziel ist, ökologisches Denken und gestalterische Qualität in die Gärten zu bringen“.
Der Gärtner motivierte die Zuhörer aber, dass man sich gut ins Thema einarbeiten könne. Man müsse letztlich nur wissen, was man pflanze und wie sich die Stauden das Jahr über verhalten. Mit dem Konzept wolle man vielen Leuten die Möglichkeit geben, die Pflanz-Ideen der LGS möglichst weit zu verbreiten, so Sauer. Die Stauden seien so ausgewählt, dass sie auch gut in trockenen Zeiten zurechtkämen und einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität leisteten, da sie viele Insekten anlockten. „Außerdem bieten sie eine schöne Ästhetik“, so Sauer. Er hoffe auf viele Mitstreiter, denn „unser Ziel ist, ökologisches Denken und gestalterische Qualität in die Gärten zu bringen“. Er schlug dafür das Motto „Staudentanz an der Weinstraße“ vor.
In der kleinen Fragerunde nach dem Vortrag zeigte sich, dass Sauer viele neue Stauden-Fans gewonnen hatte. „Ich bin begeistert, wenn ich die Bilder sehe und freue mich schon auf das Gelände“, meinte eine Zuhörerin. Auf eine weitere Nachfrage erläuterte Anne Pieper, Geschäftsführerin der LGS-Gesellschaft, dass die von Sauer vorgestellten Ideen nun noch ausgearbeitet werden. Sobald die Frage der Vertriebspartner, über die man die Pflanzen beziehen könne, geklärt und die Präsentation samt der Pflanzanleitung komplett schriftlich ausgearbeitet sei, werde die LGS-Gesellschaft alles veröffentlichen und Interessierten zur Verfügung stellen.
Landesgartenschau motiviert Hobbygärtner
So mancher Gast im Kino war so motiviert, dass er mit dem Staudenprojekt daheim gleich loslegen wollte. Eine Besucherin regte an, dass alle, die solche Gärten nun anlegen, deren Entwicklung mit Fotos dokumentieren und auch Bilder machen, wie es in eineinhalb Jahren aussieht. „Diese Aufnahmen könnte man dann doch bei der LGS in einer Ausstellung präsentieren.“ Pieper zögerte nicht lange: „Gute Idee.“ Sie und ihr Team freuten sich sichtlich, über die an dem Abend spürbare Gartenschau-Begeisterung.