Maikammer
Kunstpfad Maikammer: Eröffnung am Sonntag
Ihre Arbeiten beeindrucken durch Größe, Gewicht und ihre Botschaften, denen Betrachter phantasievoll weitere hinzufügen können. Auf ihren Fundamenten stehen sie sicher im Grünen am Landwirtschaftsweg, entlang der herbstlich gefärbten Rebzeilen mit Panoramablick über die Ebene und den angrenzenden Wald.
Die Funken sprühen, während sich Guido Häfner zu Füßen seines meterhohen Wächters, den er gemeinsam mit seinem Bruder Johannes geplant hat, um den Verschluss an den Bauteilen kümmert. Am Morgen aus der fränkischen Schweiz angereist, verschweißt er letzte Cortenstahl-Platten zum Schutz der Verschraubungen im Fundament. Jetzt folge nur noch „die Kür“, lacht der Künstler, schließt mit den Platten den Edelstahl gestützten Corpus der Stelen und muss lediglich noch die Nähte glattschleifen. „Wer sich in den Wächter stellt, wird selbst zum Wächter der Demokratie“, meint Häfner zufrieden mit dem Standort und seinem Ausblick auf das Hambacher Schloss, der „Wiege der Demokratie“. Aber der Wächter mahne auch und rufe zum Bewahren der Natur auf. Dank der Wahl seiner speziellen Stahllegierung werde sich die Ansicht der Arbeit das ganze Jahr durch wechselnde Farbspiele von dunkelbraun bis orange, je nach Luftfeuchtigkeit, ändern.
Dynamische Wirkung unter freiem Himmel
Sehr witterungsbeständig komme der Cortenstahl eigentlich aus dem Fahrzeug- und Brückenbau. Seine Langlebigkeit und Zugfestigkeit trägt er bereits im Namen cor, englisch für „corrosion resistance“ (wetterbeständig) und ten, englisch für „tensile strength“ (Zugfestigkeit). Spaziergänger kommen mit den Zuschauern der Bauaktion – fast alles Mitglieder des Arbeitskreises, die an der Wahl der Künstler beteiligt waren – ins Gespräch. „Kunst verbindet“, findet auch der Ortsbürgermeister Maikammers, Karl Schäfer. Die ursprünglich bereits im September geplante, offizielle Vorstellung der Kunstwerke musste abgesagt werden, da für Häfners Werk das notwendige Fundament nicht trocken genug gewesen war, um die Arbeit standsicher aufzustellen. „In der Höhe wirken schon Windkräfte. Wir mussten für das Fundament einen Bauantrag stellen“, erklärt Schäfer, den besonders begeistert, dass die dynamische Wirkung der Figur unter freiem Himmel sogar noch besser sei, als die Computer-Animationen zeigten.
„Einfach nur happy“, ist der Mitinitiator der Kunstpfade und Vereinsvorsitzende von Kunstpfade, Herbert Pauser, dass nun ein „weiteres attraktives Projekt mit ästhetischer Ausstrahlung“ abgeschlossen ist. „Allerdings sind wir in St. Martin bereits wieder in der Planungsphase, die Künstler stehen fest“, freut er sich. Verraten will er zum derzeitigen Zeitpunkt nur, dass die Wahl auf eine deutsche Künstlerin und einen dänischen Künstler gefallen sei.
Kontrast von Stahl und Sandstein
Von Häfners Arbeit führt der Weg in Richtung Maikammer direkt zu Bernhard Mathäss heller, großer Sandsteinhand, die in ihrer leichten Wölbung je nach Blickwinkel des Betrachters schützend das Hambacher Schloss oder die Reben hält. Inmitten der Rebenlandschaft, von Menschenhand kultiviert, soll sie für fürsorgende Tatkraft stehen, wirkt wie ein Ruhepol. Da das Material – Sandstein vom nahen Haardter Steinbruch – von der Sonne bestrahlt wird, hat es sich aufgewärmt und lädt so zum Anlehnen ein. Spannend sei auch diese Bauaktion einige Tage vorher gewesen, schildert Gertraud Humm vom Arbeitskreis. Ein Kran habe die schwebende Hand vom Lkw punktgenau in vorbereitete Bolzen einlassen müssen.
Beide Kunstwerke erweitern den Kunstpfad Maikammer, der an die weiteren Orte der Verbandsgemeinde, Kirrweiler und St. Martin, anschließt. „Wir stehen hier in den Weinbergen zwar schon an einem Ort, wo zahlreiche, touristische Höhepunkte vorbeiführen“, erklärt die Leiterin des Büros für Tourismus in Maikammer, Maria Bergold, und zählt als Beispiele Wander- und Radweg Deutsche Weinstraße, den Mandelpfad oder Käschdeweg auf, wo Anbindung oder zumindest Blickkontakt zum Kunstpfad besteht. Doch zukünftig wolle man auch ganz spezielle touristische Kunstpfad-Angebote entwickeln, in die ältere Maikammerer Kunstwerke wie etwa der „Klappmeter“, oder die „Apokalyptischen Reiter“ einbezogen würden. Damit sich Sponsoren für Folgeprojekte einbringen könnten, bleibe „die Kasse des Kunstvereins weiterhin offen“, stellt Pauser fest. Die Spenden stellten einen wichtigen Beitrag zur Gesamtfinanzierung neben den anteiligen öffentlichen Mitteln dar. Spendenquittungen könne der Verein Kunstpfade ausstellen.
Info
Am Sonntag, 16. Oktober, werden die Kunstwerke der Öffentlichkeit von den Künstlern bei einer kleinen Feier vorgestellt. Maikammer lädt mit dem Verein Kunstpfade ab 14 Uhr zu einem Rundgang durch die Weinberge ein. Ein Getränkestand der Ortsvinothek ist vor Ort. Am Start (Rastplatz des Wanderwegs Deutsche Weinstraße nahe Kalmithöhenstraße), warten die Musiker des „Peter Glessing Dixie Trios“ auf ihren „Walking Act“ mit den Honoratioren und Gästen zu den Werken, wo die Künstler Fragen zu ihren Arbeiten beantworten. www.kunstpfade.de