Neustadt
Konzept für Wanderwege nach drei Jahren Verzögerung bald fertig?
Rund 120 Wege durchziehen den Neustadter Anteil am Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Zu viele, um dem Umweltschutz Rechnung zu tragen, bemängelt die Verwaltung des Naturparks. Und das schon seit Langem. Bereits 2010 wurde die Stadt Neustadt – ebenso wie alle anderen Kommunen mit Wegen im Reservat – aufgefordert, ein Besucherlenkungskonzept zu erstellen und die Anzahl der Wanderwege zu reduzieren. Eigentlich eine Chance für Neustadt, gleichzeitig den Konflikt zwischen Spaziergängern und Mountainbikern zu entschärfen, welche sich durch die Nutzung der Wege ergeben. Doch was ist bisher geschehen?
„Wir müssen in die Pötte kommen“, hatte die städtische Umweltdezernentin Waltraud Blarr im April 2017 betont und ein Konzept für Wanderer und Mountainbiker noch für dasselbe Jahr angekündigt. Ihr Amtsvorgänger habe den Abschluss aus politischen Gründen „hinten angestellt“ und zu lange auf Förderzuschüsse vom Land gehofft. „Das können wir jetzt nicht mehr“, sagte Blarr damals gegenüber der RHEINPFALZ. Der Bezirksverband Pfalz als Träger des Biosphärenreservats machte der Stadt zunehmend Druck. Auch Nachbarkommunen, die ihre Konzepte bereits umgesetzt hatten und eine „Durchgängigkeit der Lenkungsmaßnahmen“ forderten.
Pläne für Mountainbike-Trassen ruhen
Ein quasi fertiges Konzept lag da schon längst in der Schublade, entworfen von Klaus Hünerfauth, Mitarbeiter der städtischen Umweltabteilung. Allein an der Digitalisierung der Pläne haperte es. Da sich bei der Tourist, Kongress und Saalbau (TKS) GmbH niemand für die Aufgabe gefunden habe, wie die Umweltdezernentin vor drei Jahren berichtete, wollte Blarr die Digitalisierung des Wegekonzepts selbst übernehmen.
Im Dezember 2017 schien Neustadt dann auf der Zielgraden zu sein: Einen „finalen Abstimmungstermin“ für das Besucherlenkungskonzept mit Vertretern der Pfälzerwald-Vereine sowie den Tourist-Informationen Lambrecht, Deidesheim und Südliche Weinstraße kündigte Waltraud Blarr für Januar des Folgejahres an. Die Pläne für Mountainbiker hatte man da bereits auf Eis gelegt, weil die TKS der Umweltdezernentin zufolge kein Interesse an ausgewiesenen Mountainbike-Trassen im Pfälzerwald sah. Erst nach Abschluss des Besucherlenkungskonzeptes wollte man sich dieses Themas annehmen. Doch dann wurde es schlagartig ruhig um das gesamte Vorhaben.
Zahlreiche Ursachen für Verzögerung
Heute, fast drei Jahre später, liegt dem Biosphärenreservat immer noch kein Besucherlenkungskonzept der Stadt vor. Die Verzögerung begründet Blarr mit Problemen bei der Digitalisierung. So sei die Suche nach einer geeigneten Software langwierig gewesen – und dann die Computer der Umweltabteilung zu alt für jenes Programm, das sie ausgewählt hatten. Auch sollte zunächst gemeinsam an der Aufgabe gearbeitet werden. Doch die Abstimmung untereinander, zwischen TKS und Umweltabteilung, sei zu zeitintensiv gewesen und habe „den ganzen Prozess verkompliziert.“
Ferner führt sie personelle Engpässe, die Corona-Pandemie und den mit ihr einhergehenden Schichtbetrieb in der Umweltabteilung als Ursachen für die Verzögerung an. „Außerdem hat sich der Fortgang des Projektes wegen des Umzugs der Umweltabteilung in das Gebäude des ehemaligen Finanzamtes verzögert, verbunden mit einer zweimonatigen digitalen Nichterreichbarkeit und Nichtverfügbarkeit EDV-basierter Systeme“, erklärt Blarr.
150.000 Euro eingeplant
Mittlerweile hat die TKS die Aufgabe der Digitalisierung übernommen. Zu Recht, sagt Hünerfauth, denn in keiner anderen Kommune habe sich die Umweltabteilung darum kümmern müssen: „Wir sind als Untere Naturschutzbehörde eine Genehmigungsbehörde und können eigentlich nicht gleichzeitig auch planerische Aufgaben übernehmen.“
Die Digitalisierung sei fast abgeschlossen, sagt Blarr. „Wir suchen gerade einen Termin zur endgültigen Abstimmung mit den Vertretern der Tourist-Informationen der benachbarten Gebietskörperschaften und dem Pfälzerwald-Verein.“ TKS-Geschäftsführer Martin Franck rechnet noch in diesem Jahr mit der Fertigstellung des Konzepts. Sobald das Biosphärenreservat dann grünes Licht für die Vorschläge gibt, soll ein Unternehmen mit der Erstellung eines Wanderwegekatasters sowie der Beschilderung beauftragt werden und auch Wege für Mountainbiker ausweisen. Rund 150.000 Euro habe die TKS dafür eingeplant, sagt Franck.
Rundwanderwege fallen weg
Welche Wanderwege mit dem Besucherlenkungskonzept demarkiert oder zusammengelegt werden, steht allerdings noch nicht fest. Es zeichne sich aber ab, so Hünerfauth, dass es etwa den verwilderten Naturlehrpfad Haardt trifft sowie die „größeren Rundwanderwege, die momentan noch mit den weißen Scheiben mit schwarzen Ziffern markiert sind und an den Wander-Parkplätzen starten“. Für Mountainbiker ist laut TKS und Umweltabteilung geplant, sie in Zukunft über ausgewählte Wege zu den MTB-Strecken in Lambrecht zu lotsen.
