Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Kommen feste Plätze in der Stadt für Schausteller?

Dieses Jahr wird es wieder nichts mit dem Weinlesefest, wie es früher war. Das belastet auch und vor allem die Schausteller.
Dieses Jahr wird es wieder nichts mit dem Weinlesefest, wie es früher war. Das belastet auch und vor allem die Schausteller.

Sind schon bald Schausteller an festen Plätzen in Neustadt anzutreffen? Wenn es nach der SPD-Stadtratsfraktion geht, dann ja. Denn wegen ausfallender Feste und Kerwen fehlen ihnen sämtliche Einnahmen. Zwei von drei Standbetreibern reagieren jedoch skeptisch.

Seit Oktober 2019 hat Peter Hanß keine Einnahmen mehr. Zu dem Zeitpunkt war das letzte Fest, an dem er mit seinen Spielständen – Entenangeln, Pfeil- und Ballwurf – vertreten war. „Finanziell geht es uns ganz schlecht“, sagt der Neustadter, der darauf hofft, dass die beantragte finanzielle Hilfe für Schausteller bewilligt wird. Mit seiner Frau und seinen Töchtern hat er in guten Zeiten zwei bis drei Feste gleichzeitig besucht – jeder war mit einem der Stände an einem anderen Ort. Dass in Neustadt pandemiebedingt alle öffentlichen größeren Veranstaltungen bis Herbst ausfallen – oder zumindest nicht in der üblichen Weise gefeiert werden können –, macht die Lage von Hanß und seinen Schaustellerkollegen nicht einfacher. Darum wissen viele in der Stadt, auch die SPD-Fraktion im Stadtrat.

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Sie will in der Online-Stadtratssitzung am Dienstag darüber abstimmen lassen, ob den Schaustellern, die in Neustadt und den Nachbargemeinden ansässig oder regelmäßig bei Festen vertreten sind, Standorte in der Stadt angeboten werden können. Dort sollen sie ihre Produkte und Leistungen „unter den jeweils geltenden Corona-Auflagen“ feilbieten können, heißt es in dem Antrag. Und das so lange, bis wieder Feste stattfinden. Standgebühren sollen ihnen erlassen werden. Sollte in der Innenstadt kein Platz sein, könnten auch Flächen in privater Hand, wie etwa beim Globus-Markt, oder in den Ortsteilen in Frage kommen.

„Dort gut, wo viele Kinder sind“

Peter Hanß käme der Vorschlag gelegen, wie er sagt. Doch sei zu bedenken, dass es dazu Strom und ein Hygienekonzept braucht, was mit nicht gerade geringen Kosten zusammenhänge. Zudem seien die Stände alles andere als klein. Die Feuerwehr müsste aber immer noch auf Wegen oder Straßen durchfahren können. Der Marktplatz böte sich zum Beispiel an, dort war Hanß schon früher mit seinen Ständen vertreten. „Grundsätzlich ist es immer dort gut, wo viele Kinder sind. Wenn in der Nähe noch ein Karussell stehen würde, wäre das ideal, aber das ist in der Innenstadt schlecht zu machen“, so der Schausteller.

Skeptisch stehen Michael Reichling aus Haardt und Gary Ehresmann aus Neustadt dem SPD-Vorschlag gegenüber. Beide betonen, sehr dankbar zu sein, dass jemand an sie denkt und sich für sie einsetzen möchte. „Alle – auch die Stadt – hoffen mit uns und wollen etwas tun, aber solche Aktionen sind schwierig“, sagt Ehresmann. Beide haben nach eigenen Angaben während Corona bereits ihre Erfahrungen gesammelt. Ehresmann stand zum Beispiel mit seinem Süßwarenstand vergangenes Jahr auf dem Rathausplatz in Haßloch. „Die erste Woche lief ganz gut, dann ist es recht schnell abgeflaut. Das Publikum, das wir brauchen, war einfach nicht da.“

Erste Begeisterung schnell abgeflaut

Ähnliches weiß Reichling zu berichten. Von November bis Ende Januar war er in seinem Stand vor dem Saalbau zu finden, neben der Eisbahn. „Zunächst waren die Leute hungrig, weil es so ein Angebot lange nicht mehr gegeben hat. Aber nach etwa zwei Wochen war der Hype vorbei.“ 50 verkaufte Schaumküsse stünden in keinem Verhältnis zu Heiz- und Stromkosten. Auch Ehresmann sagt, dass der Aufwand zu groß sei für das, was am Ende dabei herauskomme. Anders als bei Spielangeboten sei es schwierig, verderbliche Waren vorzubestellen, ohne zu wissen, wie viel am Ende verkauft werde. Zudem stelle sich die Frage nach Security, die vor allem in Städten die Wagen bewacht. Sie täglich auf- und abzubauen, sei zu aufwendig.

Reichling kann sich schon vorstellen, seinen Laden wochenweise irgendwo hinzustellen – „auch, um im Gespräch zu bleiben“. Ebenso würde er den Weingarten als Alternative für das Weinlesefest noch einmal mitnehmen. „Aber die Frage ist doch: Wann sind die Leute übersättigt von dem Angebot, wenn in der einen Woche ein Crêpe-Stand da steht und in der nächsten der mit Süßwaren?“ Sollte ein Konzept erarbeitet werden, dann müssten unbedingt die Schausteller mit ins Boot geholt werden: „Wir wissen, worauf es ankommt.“ Dem stimmt auch Ehresmann zu.

Einbindung der Schausteller notwendig

Genau darauf zielt auch der SPD-Antrag ab, wie Fraktionsvorsitzender Pascal Bender auf Nachfrage sagt: „Eine Einbindung der Schausteller ist für uns absolut notwendig, damit das alles Hand und Fuß hat.“ Wie auch immer der Stadtrat entscheiden wird: Die drei Schausteller hoffen, genau wie ihre vielen Kollegen, dass sie schon bald wieder den Rummel auf dem Rummel genießen und vor allem Geld einnehmen dürfen. Bis dahin sind sie von der Unterstützung durch Banken und anderen Einkünften abhängig.

Kommentar: Gut gemeint

Geht es nach der SPD-Fraktion im Stadtrat, sollen in Neustadt ansässigen oder hier bekannten Schaustellern feste Plätze für ihre Buden angeboten werden. Zumindest so lange, bis die Pandemielage wieder Feste erlaubt. Das ist ein ehrenwertes Anliegen. Zeigt die Fraktion doch, dass sie die Berufsgruppe, die teils seit anderthalb Jahren keine Einnahmen mehr generiert hat, nicht aus den Augen verliert.

Doch wäre es besser gewesen, die SPD hätte vor dem Einreichen des Antrags mit den Schaustellern gesprochen. Dann wäre klar geworden, dass der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen steht. Dennoch sollte der Stadtrat den Antrag als eine Aufforderung verstehen, eine Lösung für die Schausteller zu finden. Gemeinsam mit den Standbetreibern. Denn wann auch immer Feste wieder wie früher gefeiert werden können: Ohne die Schausteller wird es dort ganz schön still.

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