Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Kita Regenbogen: Logopädin künftig nicht mehr Teil des pädagogischen Teams

 Mit spielerischen Puste-Übungen fördert Logopädin Birgit Knoll die Mundmotorik, die Lippen-, Wangen- und Atemmuskulatur. Die Ko
Mit spielerischen Puste-Übungen fördert Logopädin Birgit Knoll die Mundmotorik, die Lippen-, Wangen- und Atemmuskulatur. Die Koordination von Atmung und Mundbewegungen bilden eine wichtige Grundlage für Sprechen, Schlucken und Lautbildung.

Die integrative Lebenshilfe-Kita Regenbogen in Lachen-Speyerdorf muss eine logopädische Praxis einrichten. Die logopädische Arbeit könnte leiden, fürchtet die Lebenshilfe.

Logopädie sei seit vielen Jahren Bestandteil der Arbeit mit beeinträchtigten Kindern in der Kita, sagt Nicole Sowa von der Lebenshilfe-Ortsvereinigung Neustadt. Die bei der Lebenshilfe angestellte Logopädin Birgit Knoll sei für die Sprecherziehung zuständig. Knoll hat laut Sowa eine große Kompetenz bei den verschiedenen Varianten der Sprecherziehung bei beeinträchtigten Kindern. Die Stadt Neustadt zahlt die Personalkosten: Das städtische Jugend- und Sozialamt ist Träger der Eingliederungshilfe für beeinträchtigte Menschen. Die Kosten für die logopädischen Leistungen zahlen die Krankenkassen der Kinder.

Bisheriges Angebot nicht mehr zulässig

Nun bekommt die Kita eine logopädische Praxis. Grund dafür ist eine Neuregelung des rheinland-pfälzischen Kindertagesstättengesetzes aus dem Jahr 2021. Was zunächst wie ein Fortschritt klingt, könnte die logopädische Arbeit in der Kita aber in Wirklichkeit verschlechtern: Die Einbindung der Logopädin in den Kita-Alltag sei deshalb zukünftig nicht mehr gewährleistet, sagt Sowa. Das sei bei Gesprächen zwischen der Lebenshilfe und der Stadtverwaltung über die Umsetzung des Gesetzes und des ebenfalls geänderten Bundesteilhabegesetzes bei der Finanzierung der Kita deutlich geworden. Dadurch sei das bisherige System des logopädischen Angebots nicht mehr zulässig, bedauert Sowa.

Denn um die geänderten gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen, dürfe die Logopädin nicht mehr bei der Lebenshilfe angestellt sein, sondern müsse eine logopädische Praxis mit Kassenzulassung haben. Die Lebenshilfe habe sich entschlossen, eine solche Praxis in den Räumen der Kita einzurichten. Vorgesehen ist, dass Knoll – die derzeit bei der Lebenshilfe angestellt ist – diese dann mieten soll.

Was künftig alles nicht mehr geht

Nach Angaben von Sowa sind für die Einrichtung der Praxis Bauarbeiten erforderlich. Für diese gebe es bereits Pläne, gebaut werden soll im zweiten Quartal. Wie hoch die Kosten sein werden, könne man derzeit nicht sagen. Die Lebenshilfe hoffe auf Zuschüsse und Spenden, so Sowa. Die Anzahl der Betreuungsplätze der Kita müsse wegen des Umbaus nicht reduziert werden. Bauherr werde der gemeinnützige Verein Lebenshilfe Neustadt sein. Die Kosten sollen langfristig über die Mieteinnahmen refinanziert werden. Die Praxis werde an die Dienstleistungs-gGmbH der Lebenshilfe angegliedert. Wie bisher würden die logopädischen Leistungen von den Krankenkassen bezahlt, wenn entsprechende ärztliche Rezepte vorlägen.

Ändern müsse sich allerdings die Art der Zusammenarbeit mit der Logopädin. Ein Angebot für Gruppen sei nicht mehr möglich. Sowa erläutert, dass die Logopädin derzeit „als Teil des multiprofessionellen Kita-Teams eng in den pädagogischen Alltag eingebunden“ sei. Als Angestellte der Lebenshilfe könne sie einen Teil ihrer Arbeitszeit dazu nutzen, an Besprechungen, etwa über die bestmögliche Förderung einzelner Kinder, teilzunehmen. Sie könne Fachgespräche mit Erzieherinnen führen und könne bei Bedarf in Gruppen logopädische Angebote machen.

„Nichts mehr mit dem Kita-Alltag zu tun“

All das werde zukünftig nicht mehr möglich sein, da diese Tätigkeiten von den Krankenkassen nicht bezahlt würden. Die Logopädin habe „quasi nichts mehr mit dem Kita-Alltag zu tun“. „Die bisherige intensive Vernetzung zwischen Therapie und pädagogischer Arbeit kann in dieser Form nicht vollständig aufrechterhalten werden“, bedauert Sowa. Ziel bleibe es aber, „die Kinder weiterhin bestmöglich zu fördern und bestehende Schnittstellen zwischen Kita und Therapie so gut wie möglich zu nutzen.“ Als weiteren Nachteil nennt Sowa, dass durch die Neuregelung der Verwaltungsaufwand für die Lebenshilfe größer werde.

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