Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Kita Regenbogen: Integration in Lachen-Speyerdorf

FSJlerin Elisabeth Anton mit der Igel-Gruppe beim Spielen.
FSJlerin Elisabeth Anton mit der Igel-Gruppe beim Spielen.

Eine Kita der besonderen Art: In der integrativen Kita Regenbogen der Lebenshilfe in Lachen-Speyerdorf ist jedes Kind willkommen. Es fehlt aber wie so oft an Plätzen und Arbeitskräften, was die Arbeit junger, freiwilliger Helfer umso wichtiger macht.

Es ist 8 Uhr, und inzwischen sind alle Kinder der Gruppe da. Nach dem Wochenende sind manche Kinder oft noch müde und müssen erst einmal in Ruhe ankommen. Karin Göttge, die Leiterin der Käfer-Gruppe, trommelt alle zusammen. Mit einem Stuhlkreis wird dann gemeinsam in den Tag gestartet. Jedes Kind wird einzeln begrüßt, bevor Göttge die Leitung an Vivien Leidner übergibt. Leidner macht ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der integrativen Kita Regenbogen der Lebenshilfe in Lachen-Speyerdorf. Fast ein ganzes Jahr ist sie also jeden Tag in der Käfer-Gruppe und unterstützt die Leiterin. Sie stimmt das Begrüßungslied an, zu dem die Kinder bereits die zugehörigen Bewegungen kennen, und löst danach den Stuhlkreis wieder auf. Dann wird gemeinsam gefrühstückt.

Die Käfer-Gruppe ist eine sogenannte heilpädagogische Gruppe. Das heißt, dass sie sich ausschließlich aus Kindern mit Beeinträchtigungen zusammensetzt. Da die Kinder häufig eine engere Betreuung brauchen, sind nur acht Kinder in der Gruppe. In der Kita gibt es noch zwei weitere Gruppen, die genauso aufgebaut sind. Drei weitere sind sogenannte integrative Gruppen. Sie setzen sich meist aus zehn Regelkindern und fünf Kindern mit Beeinträchtigungen zusammen. „Das hat den Vorteil, dass alle Kinder gemeinsam spielen und aufwachsen, ohne dass zwischen Kindern unterschieden wird“, erzählt Karin Schnatterbeck, Leiterin der Kita Regenbogen. Zusätzlich im Gebäude gibt es eine Logopädin und weitere Räume für externe Therapeuten. „Das ermöglicht den Kindern beispielsweise, ihre Ergotherapiestunden bereits im Kindergarten zu machen“, erklärt Schnatterbeck. Außerdem erzeuge das ein gewisses Verständnis auch bei den Regelkindern. „Es ist für alle ganz normal, dass einige Kinder Therapien wahrnehmen. Niemand wird deswegen anders behandelt. Integrativ bedeutet hier auch zusammenzuhalten“, so Schnatterbeck.

Lange Warteliste

Wie so oft könnte auch die Kita Regenbogen mehr Kinder aufnehmen. „Erst vor ungefähr zwei Jahren wurde die Kita vergrößert, sodass über 20 zusätzliche Plätze angeboten werden können“, erzählt Karin Schnatterbeck. Trotzdem sei die Warteliste lang. „Viele Eltern von Regelkindern entscheiden sich aktiv dafür, dass ihre Kinder gemeinsam mit Kindern mit Beeinträchtigungen spielen und in der Kita aufwachsen“, erzählt Schnatterbeck. Oft fehlten allerdings auch Arbeitskräfte. „Daher sind wir so dankbar, dass wir häufig engagierte FSJler bei uns haben“, ergänzt sie.

Momentan sind neben Leidner noch drei weitere FSJler in der Kita.Darunter Louis Hess, der bereits zwei Praktika in anderen Kitas absolviert hat. Momentan hilft er in der Frosch-Gruppe. „Nach meinem Abitur wollte ich erst einmal ein Jahr lang mit Kindern arbeiten, bevor ich dann weiß, wie es weiter geht“, sagt Hess. Elisabeth Anton und Vivien Leidner wissen bereits, was nach ihrem FSJ kommen soll. „Mit dem FSJ haben wir dann unser Fachabitur und wollen jeweils eine Ausbildung zur Erzieherin machen. Die Arbeit in der Kita macht uns viel Spaß“, erzählt Anton. Da in der Kita auch Kinder mit Beeinträchtigungen sind, kommen besondere Herausforderungen auf die Helfer zu. „Häufig brauchen die Kinder eine nähere Betreuung, aber mit der Zeit lernt man sie immer besser kennen und weiß, wie man reagieren muss“, erzählt Leon Dienes. Eigentlich sind die vier jeweils fest in einer Gruppe. „Wir springen aber auch in anderen Gruppen ein, wenn Not am Mann ist“, erzählt Leidner.

Ohne FSJler wird es anstrengend

Der Alltag startet für sie mit der Begrüßung der Kinder und einem gemeinsamen Frühstück. Danach wird gespielt, und gebastelt und das möglichst oft im Garten. Einmal die Woche kann jede Gruppe die Turnhalle nutzen. Auch werden Spaziergänge im Wald gemacht und größere Ausflüge geplant. „Wir waren beispielsweise schon im Zoo und machen demnächst einen Ausflug in den Kurpfalz-Park. Es wird also nie langweilig“, sagt Dienes. Zu ihrem FSJ gehören Seminare, an denen sie teilnehmen muss. „Im Jahr haben wir insgesamt fünf Seminare, die jeweils eine Woche gehen“, erzählt Hess. „Diese Wochen ohne die FSJler sind natürlich immer anstrengend. Wir sind alle froh, wenn sie wieder kommen“, erzählt Schnatterbeck.

Neben FSJlern gibt es Praktikanten. Allerdings könne nicht jedem Bewerber ein Platz gegeben werden. „Häufig planen die umliegenden Schulen Praktika zu einem ähnlichen Zeitpunkt. Natürlich können wir aber nur eine bestimmte Anzahl von Praktikanten aufnehmen und müssen vielen anderen Bewerbern absagen“, so Schnatterbeck.

Trotzdem wollen die aktuellen FSJler Werbung für die Arbeit in der Kita Regenbogen machen. „Wir haben ein Werbevideo gedreht, in dem wir die Einrichtung gezeigt und von unserer Arbeit erzählt haben. Wir hoffen, dass wir andere damit ermutigen und motivieren können, auch diesen Weg zu gehen“, so Anton.

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