Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Jahnplatz-Baustelle: Stadt und Dorf bewerten Verkehrslage unterschiedlich

Viele Eltern sagen, dass der Schulweg entlang der Baustelle am Jahnplatz zu gefährlich sei.
Viele Eltern sagen, dass der Schulweg entlang der Baustelle am Jahnplatz zu gefährlich sei.

Die Baustelle am Jahnplatz in Lachen-Speyerdorf sorgt weiter für Diskussionen. Die Dorfbewohner haben so einige Vorschläge in petto, wie die dortige Verkehrssituation entschärft werden könnte. Doch die Stadt bewertet die Sachlage ganz anders.

Tempo 30 in der Goethestraße zwischen dem Kreisel am Lidl und der Sonnen-Apotheke: Diese Idee hat die CDU-Fraktion im Ortsbeirat Lachen-Speyerdorf am Montag vorgetragen, um den Schulweg der Kinder im Dorf sicherer zu gestalten. Denn während der Bauarbeiten am Jahnplatz ist das alte Pädel im Westen des Weindorfs gesperrt. Die Schüler müssen deshalb einen Umweg entlang der Baustelle in der Goethestraße nehmen. Für viele Eltern ist das unzumutbar: Sie machten ihrer Sorge Anfang September Luft, als sie mit Ortsvorsteher Claus Schick (SPD) den Schulweg abliefen.

Schick hatte damals gesagt, dass ein Teil des Problems hausgemacht sei – der verstärkte Verkehr. Für die Baustellenfahrzeuge könne keiner etwas. Aber die Krux sei die: Abgesehen von den üblichen Elterntaxis, die morgens und mittags vor allem in den Straßen Am Jahnplatz und Pestalozzistraße zu Schule und Kindertagesstätte unterwegs sind, kämen noch diejenigen, die wegen der Baustelle ihre Kinder lieber mit dem Auto zur Schule bringen. Und das wiederum mache den Weg für die übrigen Fußgänger und Radfahrer unsicherer, auf allen Wegen rund um die Baustelle.

Gros hält sich an Tempolimit

Also Tempo 30. Die CDU begründete ihren Antrag in der Ortsbeiratssitzung am Montagabend damit, dass laut Straßenverkehrsordnung „im Einzelfall bereits häufig auftretende geschwindigkeitsbedingt gefährliche Verkehrssituationen“ für eine solche Zone ausreichen. Es müsse also nicht erst zu Unfällen kommen.

Doch ist es dort wirklich so gefährlich? Mit Hilfe einer Messtafel hatte die Ortsverwaltung an einem frühen Donnerstagabend Ende Juli die Geschwindigkeit unter anderem am alten Sportplatz gemessen. Das von Christian Boestel (Grüne) im Ortsbeirat vorgelegte Ergebnis: 98 Prozent der Fahrer hielten sich an die Begrenzung, ein Großteil fuhr sogar langsamer als die erlaubten 50 km/h. „Ich war erstaunt, dass sich so viele an die Geschwindigkeit halten“, sagte Michael Frech, FWG-Fraktionssprecher. Für die restlichen zwei Prozent eine Tempo-30-Zone einzurichten, sei wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen.

Andere Schmerzgrenze

Boestel verwies darauf, dass in einer 30er-Zone die Straße entsprechend schmaler sein müsse, damit sich auch jeder daran hält. Deshalb sei der Antrag der Grünen, einen Fahrradschutzstreifen in der Goethestraße einzurichten, eine gute Ergänzung zum Tempolimit. Der Ortsbeirat stimmte beiden Anträgen einstimmig zu: dem der CDU für eine 30er-Zone und dem der Grünen für einen Fahrradschutzstreifen während der Bauzeit.

Ortsvorsteher Schick gab zu bedenken, dass die Verwaltung bezüglich möglicher Gefahren ganz andere Schmerzgrenzen habe als der Ortsbeirat und die Dorfbewohner. „Bei einigen Punkten sind wir möglicherweise etwas zu sensibel“, so Schick. Beim Ortstermin mit seiner Stellvertreterin Fabienne Frisch (CDU), der städtischen Verkehrsplanerin Christine Locher, ihrem Kollegen Heribert Spiegel und einem Vertreter der Firma Gerst Massivbau seien Erwartungen aufeinandergeprallt.

Unmut wegen mangelnder Information

Dass die Fraktionen dazu nicht eingeladen wurden, sorgte im Ortsbeirat für Unmut. „Es ist deprimierend, über etwas abzustimmen, bei dem die Verwaltung bereits signalisiert hat, dass es vielleicht gar nicht geht“, monierte etwa Frech. Boestel sah die Ortsverwaltung in der Bringschuld, die Fraktionen auf dem Laufenden zu halten. Schick erwiderte, dass er den Termin als laufendes Geschäft der Ortsverwaltung betrachtet habe, sagte aber zu, künftig darüber zu informieren.

Fabienne Frisch berichtete, dass die erhoffte Drückampel am Jahnplatz laut Stadt zu teuer sei. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ verwendet auch Locher das Bild von den Kanonen und den Spatzen, denn die Ampel würde nur hin und wieder genutzt. Stattdessen solle die Fahrbahn verengt werden, sodass Pkw- und Lkw-Fahrer dazu gezwungen seien, langsamer zu fahren.

„Tempo 30 nicht erforderlich“

Eine Tempo-30-Zone sei nicht so leicht umsetzbar, weil die Goethestraße eine Kreisstraße sei, für die der Landesbetrieb Mobilität zuständig sei. „Sie ist dort aus meiner Sicht auch nicht erforderlich“, so die Verkehrsplanerin. Ein Baustellenschild impliziere, dass man langsamer und aufmerksamer fahren solle. Zu 90 Prozent seien die Fahrer aus dem Dorf: „Die Leute wissen doch, dass da ihr Nachbarskind laufen könnte.“ Es sei viel sinnvoller, wenn mehr Eltern ihre Kinder abwechselnd zu Fuß zur Schule begleiten würden statt mit dem Auto zu fahren. Ferner könnte die Schule Schülerlotsen organisieren.

Ein Fahrradschutzstreifen in der Goethestraße würde Autos vom Bürgersteig „wegdrücken“ und schaffe Platz für die Radfahrer, so Locher. Die Stadt habe das geprüft, jedoch sei die Straße nicht breit genug dafür: „Leider haben wir uns von der großzügigen Anmutung vor Ort täuschen lassen. Die Fahrbahn hat nur 6 bis 6,50 Meter Breite, da ist ein Schutzstreifen nicht zulässig.“ Jedoch solle untersucht werden, ob gelbe Schwellen am Bordstein angebracht werden könnten zum Schutz von Fußgängern und Radlern.

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