Hassloch
Hinter den Kulissen: Was den Vogelpark Haßloch am Leben hält
Ob Tiere in Zoos und Parks gehalten werden sollten, darüber lässt sich streiten. Die Debatten darüber sind oft grundsätzlich, manchmal hitzig, nicht selten festgefahren. Patrick Lehle, Vorsitzender des Vereins, der den Vogelpark Haßloch ehrenamtlich betreibt, kürzt die Diskussion nüchtern ab: „Wir sind ein freies Land, in dem jeder seine Meinung haben und äußern darf. Wir stecken unsere Energie nicht in solche Diskussionen, sondern in die Weiterentwicklung des Parks.“
Ein Satz, der den Blick auf das lenkt, worauf es in Haßloch gerade ankommt. Denn die Energie der Vereinsmitglieder wird dort dringend gebraucht. Wer glaubt, die Arbeit in einem Vogelpark bestehe vor allem darin, Tiere zu füttern und hier und da nach dem Rechten zu sehen, unterschätzt, was hinter einem solchen Ort steckt. Der Verein kümmert sich nicht nur um rund 150 Tiere, sondern auch um ein etwa fünf Hektar großes, bewaldetes Gelände. Um umgestürzte Bäume, Schäden nach Hochwasser, Leitungen, Wege, Zäune, Volieren und Gebäude. Um all das also, was Besucher meist gar nicht wahrnehmen, weil es im besten Fall einfach funktioniert.
Viele ehrenamtliche Stunden
Auch ohne die zusätzliche Belastung durch den Ausbruch der Vogelgrippe ist der Erhalt des Bestehenden für die wenigen Aktiven eine gewaltige Aufgabe. „Mitglieder, die noch effektiv mit anpacken können, sind wir vielleicht acht“, sagt Lehle. Acht Menschen also, die neben Beruf und Alltag ihre Abende und Wochenenden investieren, um einen Ort zu erhalten, der vielen in Haßloch und der Region am Herzen liegt. Das ist alles andere als selbstverständlich, erst recht in einer Zeit, in der Ehrenamt oft gepriesen, aber immer seltener gelebt wird.
Seit mehr als 70 Jahren gibt es den Park. Gegründet und aufgebaut wurde er in unzähligen ehrenamtlichen Arbeitsstunden vom Verein für Schutz und Pflege einheimischer und fremdländischer Vögel, der ihn bis heute betreibt. Noch immer ist er ein Ort, an dem Familien Zeit miteinander verbringen können, ohne dass ein Ausflug gleich zur Rechenübung wird. Der kostenlose Eintritt soll deshalb auch künftig erhalten bleiben, betonen die Verantwortlichen.
Helfende Hände gesucht
Doch dabei soll es nicht bleiben. Perspektivisch soll sich der Park stärker zu einem Ort des spielerischen Lernens entwickeln – mit Lehrpfad, Führungen, Rallyes, Naturtagen und Angeboten für Schulen und Kindergärten. Zu einem Ort also, an dem Natur nicht nur erklärt, sondern erlebt wird. Wer früh mit dem Vogelpark in Berührung kommt, entwickelt später womöglich auch den Wunsch, zu seinem Erhalt beizutragen.
Denn genau daran fehlt es: Helfende Hände werden dringend gebraucht, um das Gelände weiterzuentwickeln. Nur so kann der Vogelpark nicht nur attraktiver und zukunftsfester werden, sondern der Verein sich langfristig auch wieder stärker seiner eigentlichen Aufgabe widmen, dem Schutz und der Pflege von Vögeln und vielleicht eines Tages auch wieder verstärkt dem Artenschutz.