Hassloch RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Vogelgrippeausbruch: Wie der Vogelpark die Zukunft gestalten will (mit Bildergalerie)

Seit rund zwei Monaten ist der Haßlocher Vogelpark für die Öffentlichkeit geschlossen.
Seit rund zwei Monaten ist der Haßlocher Vogelpark für die Öffentlichkeit geschlossen.

Der Ausbruch der Vogelgrippe hat den Vogelpark Haßloch hart getroffen. Doch statt sich entmutigen zu lassen, arbeiten die Verantwortlichen bereits an Zukunftsplänen.

Es ist eine ungewohnte Szene im Vogelpark Haßloch. Dort, wo sonst Kinder mit neugierigen Blicken vor den Volieren stehen und Familien über die Wege schlendern, sind an diesem Freitagmorgen Menschen in weißen Schutzanzügen unterwegs. Am verschlossenen Tor hängt ein Schild, das den Ausnahmezustand erklärt: „Achtung Vogelgrippe ... Zutritt strengstens untersagt.“

Hinter den Zaun darf nur, wer für die Versorgung der rund 150 Tiere unentbehrlich ist: die Fütterer etwa, die sich auch unter erschwerten Bedingungen Tag für Tag um Papageien, Sittiche, Fasane, Ziegen und Nandus kümmern, ebenso wie Mitarbeiter des Veterinäramts, die den Bestand in regelmäßigen Abständen testen, um sicherzugehen, dass keine weiteren Tiere das Virus in sich tragen. Über dem großen Teich am Eingang flattert rot-weißes Absperrband. Es soll Zugvögel davon abhalten, sich hier niederzulassen und über ihren Kot den Erreger der Vogelgrippe einzutragen, erklärt Patrick Lehle, Vorsitzender des Vereins für Schutz und Pflege einheimischer und fremdländischer Vögel, der den Vogelpark ehrenamtlich betreibt.

Emotionale und finanzielle Belastung

Hinter dem Verein liegen schwere Wochen. Vor rund zwei Monaten wurde der Park geschlossen, nachdem ein Tier positiv auf das Virus getestet worden war. Tiere wurden aufgestallt, Seuchenschutzmaßnahmen eingeleitet. Rund 80 Wasservögel fielen der Vogelgrippe zum Opfer, vor allem Gänse, Schwäne und Enten. Im Nachhinein habe sich gezeigt, dass fast alle Tiere infiziert gewesen seien. Durch das Eingreifen seien sie vor einem qualvollen Tod bewahrt worden. Dennoch sei die Situation für alle Beteiligten sehr belastend gewesen. „So etwas wollen wir nie wieder erleben“, berichtet Lehle. Emotional wie finanziell habe der Ausbruch den Verein, der sich vor allem über Spenden, Mitgliedsbeiträge und die Pachteinnahmen der Gaststätte trägt, schwer getroffen. Die Verantwortlichen hoffen, dass der Park am 1. Mai wieder öffnen kann.

Für das langjährige Vereinsmitglied Patrick Bäsel (links) und den Vorsitzenden Patrick Lehle ist der Vogelpark ein Herzensprojek
Für das langjährige Vereinsmitglied Patrick Bäsel (links) und den Vorsitzenden Patrick Lehle ist der Vogelpark ein Herzensprojekt.
Hinter der Absperrung gelten strenge Hygienevorschriften.
Hinter der Absperrung gelten strenge Hygienevorschriften.
Die Pflege des circa fünf Hektar großen Geländes erfordert nicht nur finanzielle Mittel, sondern auch Menschen, die anpacken.
Die Pflege des circa fünf Hektar großen Geländes erfordert nicht nur finanzielle Mittel, sondern auch Menschen, die anpacken.
Vor dem Betreten der Gehege und Volieren müssen Desinfektionsschleusen passiert werden.
Vor dem Betreten der Gehege und Volieren müssen Desinfektionsschleusen passiert werden.
Weil der Zugang zum Park kostenlos ist, ist der Verein auf Spenden angewiesen.
Weil der Zugang zum Park kostenlos ist, ist der Verein auf Spenden angewiesen.
Langfristig soll der Spielplatz neben der Gaststätte im Vogelpark attraktiviert und erweitert werden.
Langfristig soll der Spielplatz neben der Gaststätte im Vogelpark attraktiviert und erweitert werden.

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Entmutigt wirken die Verantwortlichen dennoch nicht. Im Gegenteil: Gerade die Reaktion aus der Bürgerschaft habe ihnen noch einmal gezeigt, wie viel der Haßlocher Vogelpark nicht nur ihnen selbst, sondern vielen Menschen in Haßloch und der Region bedeutet. „Wir sind unglaublich dankbar für den großen Zuspruch, egal ob Geld, Sachspenden oder aufmunternde Worte“, sagt Lehle. Gleich zu Beginn habe sich der Stadtverband des DRK Neustadt gemeldet und Schutzanzüge gespendet, die noch aus der Corona-Zeit übrig gewesen seien. Eine weitere Unterstützerin des Parks hat kurzerhand eine Spendenaktion ins Leben gerufen, über die bereits mehr als 6000 Euro zusammengekommen sind.

„Wir müssen jetzt aktiv werden“

Das Geld wird dringend benötigt. Denn während im Park Stille eingekehrt ist, laufen im Hintergrund die Planungen auf Hochtouren. Für den Verein ist es eine Zäsur, ein einfaches Weiter-so soll es nicht geben. Stattdessen arbeitet er an einem Konzept, das die Weiterentwicklung und Neuausrichtung des Parks skizziert. „Es ist alles in die Jahre gekommen. Wir müssen jetzt aktiv werden und wollen den Park zukunftsorientiert aufstellen“, sagt das langjährige Mitglied Patrick Bäsel. Das gehe nicht von heute auf morgen, sondern „peu à peu“.

An erster Stelle stehe dabei die Verbesserung der Haltung. Volieren sollen erneuert, vergrößert und naturnäher gestaltet werden. Tiere sollen artgerechter untergebracht werden, mit mehr Raum und Anlagen, die stärker an ihre Lebensräume angelehnt sind. Auch die Schutzvorkehrungen sollen langfristig angepasst werden, damit der Park auf mögliche neue Ausbrüche besser vorbereitet ist.

Langfristig soll der Vogelpark attraktiver werden, ohne seinen Charakter zu verlieren. „Wir wollen erhalten, dass er kostenlos bleibt“, sagt Bäsel. Gerade für Familien gebe es kaum noch Möglichkeiten für kostenlose Ausflüge. Vor allem Schulen und Kindergärten will der Verein gezielt ansprechen. Der Park soll sich auch zu einem Ort des Lernens entwickeln, etwa mit einem Lehrpfad, Führungen, Naturtagen oder Wald-Rallyes.

Auch der Spielplatz neben der Gaststätte soll erneuert, erweitert und attraktiver gestaltet werden. Die Schließung des Vogelparks und damit auch des Spielplatzes bekommt auch der Pächter des Lokals zu spüren. „Die Gaststätte ist weiterhin regulär geöffnet“, betont Bäsel.

Die Bevölkerung soll mitgestalten

Wichtig ist dem Verein, dass die Zukunft des Parks nicht allein nach ihren Vorstellungen entworfen wird. „Der Park soll nicht nur ein Ort werden, an dem wir unsere Vision verwirklichen“, sagt Lehle. „Wir haben viele Ideen, aber wir möchten hier auch von der Bevölkerung wissen, was sie sich wünscht und was sie braucht.“ Der Verein lade deshalb ausdrücklich dazu ein, sich mit Anregungen einzubringen und die weitere Entwicklung mitzugestalten.

Dass in den vergangenen Jahren vieles auf der Strecke geblieben sei, habe mehrere Gründe. Bäsel nennt die Corona-Zeit, Astbrüche, umgestürzte Bäume, Hochwasser und Schäden an der Außenbewässerung. Immer wieder habe man reparieren, sichern und improvisieren müssen. „Wir waren ständig damit beschäftigt, außenrum alles in Ordnung zu bringen, sodass wir effektiv im Park selbst nichts machen konnten“, sagt er. Vieles sei liegen geblieben. Nun müsse der Blick nach vorn gehen. „Es muss jetzt zukunftsorientiert in eine Richtung weitergehen.“

Helfende Hände dringend gesucht

Dabei sei das Finanzielle nicht die einzige Herausforderung. Es fehle auch an helfenden Händen, um das rund fünf Hektar große Gelände in Schuss zu halten. Zwar zählt der Verein nach eigenen Angaben rund 150 Mitglieder, viele davon seien jedoch Ehrenmitglieder. „Mitglieder, die noch effektiv mit anpacken können, sind wir vielleicht acht“, sagt Lehle. Unterstützt werden sie von Ehrenamtlichen und drei Fütterern auf Minijob-Basis, die an sechs Tagen in der Woche die Versorgung der Tiere übernehmen. Sonntags springt der Verein selbst ein.

Für Lehle ist die Arbeit im Vogelpark ein Herzensprojekt. Schon als Kind sei der gebürtige Westpfälzer regelmäßig dort gewesen, seit vergangenem Jahr steht er an der Spitze des Vereins. „Wir wollen erhalten, was vor 73 Jahren aufgebaut wurde, haben aber auch viele Ideen, wo es mit dem Park hingehen soll“, sagt Lehle. Langfristig denkt er noch weiter. Sein Wunsch ist es, dass der Vogelpark eines Tages wieder stärker zum Artenschutz beitragen kann, womöglich auch in Zusammenarbeit mit anderen Tierparks. „Die artgerechteste Haltung ist natürlich im natürlichen Lebensraum. Aber dort gehen viele Arten immer weiter zurück. Deshalb kann man froh sein, dass es Tierparks und Zoos gibt, die viel für den Artenschutz tun. Da wollen wir in naher Zukunft auch unseren Beitrag leisten.“

Spenden

Über finanzielle Unterstützung freut sich der Vogelpark Haßloch per Überweisung an den Verein für Schutz und Pflege einheimischer und fremdländischer Vögel e. V., IBAN: DE14 5465 1240 0001 0010 07 oder unter gofundme.vogelpark-hassloch.de. Auch über Sachspenden, wie etwa Pflanzen, Kies, Muttererde, Gartengeräte oder Zubehör für die Vögel freut sich der Verein.

Kontakt: info@vogelpark-hassloch.de.

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