Neustadt
Hambach: Neue Chance für Engel-Renovierung
Wer über das Hambacher Gasthaus „Zum Engel“ sprechen möchte, fährt am besten nach Duttweiler. Das klingt kurios. Aber im Weingut Mohr-Gutting sitzen mit Franz Gutting und seiner Tochter Simone Gutting zwei überzeugte Winzer, die konkrete Vorstellungen zur geschäftlichen Entwicklung ihres Weinguts haben. Dazu zählt zum einen die Ausrichtung als Bioweingut sowie der Fokus auf Piwis (pilzwiderstandsfähige Rebsorten, auch Zukunftsweine genannt). Und dazu zählt auch das Gasthaus „Zum Engel“.
Franz Gutting hat den historischen Gebäudekomplex am Hambacher Rathausplatz 1999 gekauft. Der „Engel“ war über viele Jahre eine begehrte Adresse. Doch dann begann der Verfall des Komplexes, dessen älteste Teile aus dem 17. Jahrhundert stammen. Das Haus steht auch unter Denkmalschutz. Franz Gutting kann viele Geschichten dazu erzählen und es selbst kaum glauben, was er in den vergangenen 26 Jahren alles geleistet hat. Anfangs gab es einen Architektenstreit, ehe er 2011 wirklich loslegen konnte. Doch zum Ziel: Das Ensemble so zu modernisieren, dass es wieder als Gasthaus genutzt werden kann, kam es bisher nicht.
Verstärkung im Boot
Franz Gutting weiß, dass ihm viele – gerade in Hambach – vorwerfen, dass zu wenig getan worden sei. Doch diese Kritik weist er zurück. Man habe über Jahre sehr vieles im Gebäudeinneren gemacht. Nur von außen und an der Fassade sei davon wenig zu sehen. „Wir haben dafür gesorgt, dass das Gebäude noch steht und man über seine Nutzung nachdenken kann“, sagt der Winzer. Seine bisherigen Investitionen beziffert er auf rund eine Million Euro. Erst mit Beginn der Arbeiten habe man gemerkt, wie aufwendig alles ist. Die Arbeitsstunden zähle er gar nicht mehr. Mit Beginn der Corona-Pandemie habe sich die Situation weiter verschärft. Die Baukosten seien förmlich explodiert. „Bisher haben wir alles aus eigenen Mitteln finanziert“, ergänzt Simone Gutting. Doch sei man sich in der Familie auch klar geworden, dass „wir beim Engel an einem Wendepunkt stehen: Entweder schafft man es, dass man es zum Leben erweckt oder eben nicht“. Und in diesem Prozess habe sich herausgestellt, „dass wir Verstärkung brauchen“.
Angesichts der schwierigen Lage in der Weinbranche wäre es für die Familie ein extrem großes Risiko gewesen, für ein ergänzendes Projekt wie den Engel ein großes Darlehen aufzunehmen. „Unser Betrieb funktioniert gut und wir sind zufrieden, aber die Zeiten sind so, dass man eher umsichtig agieren muss.“ Simone Gutting und ihr Vater Franz sind daher froh, dass sie eine Lösung gefunden haben. Beide sprechen von einem „echten Glücksfall“. Denn die neuen Eigentümer heißen auch Gutting und zählen zum größeren Familienkreis. Konkret handelt es sich um Michael und Anja Gutting. Michael Gutting stammt aus der Familie, die die Hambacher Mühle betrieben hatte. Das Ehepaar führt eine Mühlengruppe mit Sitz in Alsleben (Sachsen-Anhalt), beide haben aber immer noch eine enge Bindung an Neustadt und speziell Hambach.
Ortsvorsteher erleichtert
„Wichtig ist: Der Engel wird jetzt so zügig wie möglich fertiggestellt““, betont Simone Gutting. Sie sowie Michael und Anja Gutting beabsichtigen, eine Art Betreibergesellschaft zu gründen, alles sei schon schriftlich fixiert. Für die noch anstehende Sanierung werden Michael und Anja Gutting federführend sein. Danach kümmert sich Simone Gutting um den Betrieb. Am Grundkonzept dafür ändere sich nichts: Geplant seien Gastronomie, zwölf Gästezimmer sowie eine Vinothek/ein Weinbistro, um die eigenen Weine zu präsentieren samt Möglichkeit für kulturelle Veranstaltungen. Simone Gutting wirbt beim Blick in die Zukunft um Geduld: „Die ganzen Ausführungen brauchen noch einige Zeit.“
Franz Gutting ist froh, dass seine Idee von vor 26 Jahren nun umgesetzt werden könne. Damals habe er ein Exposé mit dem Titel „Rettet den Engel“ erarbeitet. „Ohne meine Investition und meinen Einsatz wäre das Gebäude nicht mehr da“, sagt Franz Gutting. Simone Gutting freut sich auf die Fortschritte und ist zuversichtlich: „Für unseren Betrieb ist das die perfekte Ergänzung. Weinbau und Tourismus in der Pfalz funktioniert.“ Franz Gutting plant zudem einen kleinen Film, um Interessierten einen Einblick in die jahrelangen Sanierungsarbeiten zu geben.
Ortsvorsteher Pascal Bender hat die Neuigkeiten zum Engel am Donnerstagabend im Ortsbeirat mitgeteilt. „Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen.“ So beschreibt er seine Gefühlslage, als er von den neuen Entwicklungen erfuhr: „Das war die schönste Nachricht der Woche.“ Er sehe darin auch eine Chance für den gesamten Hambacher Ortskern. Seiner Meinung nach wäre es sehr wichtig, wenn dieses Projekt „endlich zu Ende kommt“. Er glaube an diese Chance, zumal die neuen Geschäftspartner Anja und Michael Gutting ja Hambacher Wurzeln haben.
