Landtagswahl RHEINPFALZ Plus Artikel Grünen-Kandidat Dirk Schrader setzt auf Ehrlichkeit und Digitalisierung

Seit 2023 ist der Haßlocher Dirk Schrader Mitglied der Grünen. Bei der bevorstehenden Landtagswahl geht er als Direktkandidat fü
Seit 2023 ist der Haßlocher Dirk Schrader Mitglied der Grünen. Bei der bevorstehenden Landtagswahl geht er als Direktkandidat für den Wahlkreis 43 ins Rennen.

Als IT-Sicherheitsexperte macht der Grünen-Direktkandidat Dirk Schrader die Digitalisierung zu seinem Kernthema. Wie er damit den Einzug in den Landtag schaffen will.

„Gemeinsam etwas bewegen.“ Für den Haßlocher Dirk Schrader ist das kein reiner Wahlkampfslogan, sondern ein Prinzip, das er früh verinnerlicht hat. Aufgewachsen in einem kleinen Dorf nahe Hannover, lernte der gebürtige Niedersachse in der elterlichen Land- und Viehwirtschaft, anzupacken und Verantwortung zu übernehmen. Daraus leitet er bis heute ein politisches Leitmotiv ab: „Man kann viel versuchen, alleine zu machen, viel mehr bewegt man, wenn man es gemeinsam macht.“

Bei der Landtagswahl im März will der 58-jährige IT-Sicherheitsexperte gemeinsam mit den Grünen als Direktkandidat im Wahlkreis 43 (Neustadt) etwas bewegen. Parteimitglied ist er seit Dezember 2023, politisch interessiert sei er jedoch „schon immer“ gewesen und zeitweise auch Mitglied der SPD. Seine Kandidatur beschreibt er als Ergebnis eines „schleichenden Prozesses“. Auch das Erstarken extremer Positionen, „die vermeintlich einfache Lösungen anbieten“, habe dazu beigetragen. Irgendwann habe er sich gefragt: „Wer, wenn nicht ich. Wann, wenn nicht jetzt?“

Für eine ehrliche Politik

Dass er sich für die Grünen entschieden habe, habe auch mit Robert Habeck zu tun. „Er ist ein Mensch, der Politik ehrlich erklären kann“, sagt Schrader. Politik müsse Zusammenhänge offenlegen, auch wenn sie komplex seien. Den Maßstab dafür nimmt er aus seinem Beruf: In der IT-Sicherheit gebe es keine endgültigen Lösungen, sondern ständige Anpassung an neue Bedrohungen. Wer behaupte, auf alles eine perfekte Antwort zu haben, sei ihm suspekt. Politik müsse erklären, abwägen und transparent machen, wo Grenzen liegen. Fehlerfreiheit sei kein realistischer Anspruch, Lernfähigkeit hingegen schon.

Ein zentrales Thema für den Wahlpfälzer ist die Digitalisierung – nicht als Schlagwort, sondern als Strukturfrage. „Digitalisierung bedeutet nicht, dass ich ein paar Tablets an Schüler verteile“, sagt Schrader. Entscheidend sei, wie gelernt werde: weniger Frontalunterricht, mehr eigenständiges Erarbeiten und Quellenkritik. Medienkompetenz bedeute für ihn auch die Fähigkeit, zu erkennen, „wo ist die Substanz der Information“ und wo nur Meinung oder Manipulation.

Nüchterner Blick auf KI

Das Thema Digitalisierung denkt Schrader auch von der Widerstandsfähigkeit her. Wer digitalisiere, müsse sich auch fragen: „Was darf nicht kaputtgehen, damit ich weiterarbeiten kann?“ Kommunen, Krankenhäuser oder Unternehmen müssten resilient werden, bevor sie sich abhängig machten. Deshalb wirbt er für mehr Kompetenzaufbau im Land, etwa durch regionale Beratungsstrukturen.

Künstliche Intelligenz bewertet er nüchtern. Sie könne helfen, Ressourcen zu steuern, Energieverbräuche zu analysieren oder Verwaltungsprozesse effizienter zu gestalten. Doch er warnt vor Heilsversprechen: „KI ist ein Werkzeug. Nicht mehr, nicht weniger.“ Sorgfältige Datenbasis und klare Regeln seien Voraussetzung, um Verzerrungen zu vermeiden. Auch bei Debatten um KI-gestützte Videoüberwachung mahnt er Zurückhaltung an.

Überparteiliches Engagement für Demokratie

In der Klimapolitik plädiert Schrader für eine nüchterne, faktenbasierte Auseinandersetzung. Beim Thema Windkraft erkennt er Sorgen über Lärm oder Landschaftsbild ausdrücklich an, wendet sich jedoch gegen pauschale Ablehnung. Der Klimawandel sei „real und messbar“ – auch in der Region. Wer Projekte verhindere, müsse sagen, wie die Energiewende stattdessen gelingen solle.

Soziale Gerechtigkeit verknüpft er eng mit Infrastruktur. Er verweist auf Defizite im öffentlichen Nahverkehr und auf ältere Menschen, die bei digitalen Angeboten abgehängt werden. Digitalisierung dürfe niemanden ausschließen, sondern müsse begleitet werden. Aufgabe der Politik sei es, Hürden abzubauen und Teilhabe zu ermöglichen – analog wie digital.

Für Demokratie engagiert sich Schrader auch über Parteigrenzen hinweg. Als Mitbegründer der Initiative „Demokreativ“ in Haßloch will er Menschen wieder stärker ins Gespräch bringen. „Wir müssen aufhören, uns in Blasen zu bewegen“, sagt er. Demokratie dürfe Minderheiten nicht ausschließen.

In die Pfalz kam der gebürtige Niedersachse über seine Frau, die aus Neustadt stammt. Zuvor lebte die Familie mehrere Jahre in Dubai, wo ihre heute 20-jährigen Drillinge geboren wurden. Schrader beschreibt sich als „Hundemensch“, der den Ausgleich im Pfälzerwald sucht – unterwegs mit seinen Vierbeinern, fernab politischer Debatten.

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