Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Gehört die FFP2-Maske in den Backofen?

Laut Apotheker Peter Stahl ist die Nachfrage nach FFP2-Masken spürbar gestiegen.
Laut Apotheker Peter Stahl ist die Nachfrage nach FFP2-Masken spürbar gestiegen.

Die Alltagsmasken haben ausgedient. Ohne OP- und FFP2-Masken läuft so gut wie nichts mehr. Sie sind die „Eintrittskarte“, um Geschäfte besuchen sowie mit Bussen und Bahnen fahren zu können. Worauf sich Menschen aus Neustadt und Umgebung einstellen müssen.

Von einem Ansturm könne zwar nicht die Rede sein. Aber die Nachfrage nach medizinischen Masken, insbesondere FFP2-Masken, sei spürbar gestiegen. Das sagt der Neustadter Apotheker Peter Stahl. Natürlich hänge dies insbesondere mit der neuen Maskenregel zusammen, die Bund und Länder vergangene Woche beschlossen haben und die seit Montag gilt. Seitdem sind OP- und FFP2-Masken nötig, wenn es in Geschäfte sowie Bus und Bahn geht.

„Allerdings waren die medizinischen Masken schon vor der Neuregelung immer begehrter“, sagt Stahl. Zum einen wegen der Infektionslage, zum anderen, weil Über-60-Jährige und Vorerkrankte gegen die Vorlage eines Berechtigungsscheines vergünstigt FFP2-Masken erhalten – für zwei Euro sechs Stück. Gewöhnlich koste ein Exemplar in Apotheken um die vier Euro, sagt Stahl, der als Präsident der rheinland-pfälzischen Landesapothekerkammer einen Überblick über seine Branche hat. Für eine OP-Maske müssen zwischen 50 und 80 Cent bezahlt werden, je nachdem, in welcher Anzahl sie erworben werden. Unter anderem bei Discountern sind sie günstiger zu haben.

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Kommentar

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Es braucht Unterstützung

Masken in Hülle und Fülle?

Die Alltagsmaske hat ausgedient. Im vergangenen Frühjahr, als die Corona-Welle nach Deutschland überschwappte und medizinische Masken in der Folge rar waren, wurde sie zum wichtigen Alltagsbegleiter. Es gab unzählige Nähaktionen von Privatleuten und Initiativen, um aus Stoffen Schutzmasken für Bürger herzustellen. Mittlerweile sind genug OP- und FFP2-Masken vorhanden. „Im Moment haben wir einiges auf Lager, wir werden zudem mit Angeboten überschwemmt“, sagt Stahl. Es gebe viele Unternehmen, die FFP2-Masken auf den Markt bringen, die Qualitätsunterschiede seien groß. Unter diesen tummelten sich unseriöse Anbieter und solche, die das große Geschäft witterten und die Masken zu überhöhten Preisen veräußerten.

In manchen Kommunen sorgen Vereine und Organisationen dafür, dass Bedürftige FFP2-Masken finanziert bekommen. So hat beispielsweise der Verein „Silberstreif – gegen Altersarmut in Landau“ mithilfe von Spenden von Apothekern bedürftigen Senioren Masken zur Verfügung stellen können. Neustadts Bürgermeister und Sozialdezernent Ingo Röthlingshöfer erklärt auf Anfrage: „Als Stadt sind wir relativ außen vor. Wir wissen ja gar nicht, wer Masken vergünstigt erhalten darf.“ Nur den Jobcentern sei bekannt, wer Anspruch auf Unterstützung habe. „Ich würde hier eine Einmalzahlung anregen. Schließlich ist der Regelsatz für medizinische Leistungen so gering, dass er den notwendigen Maskenkauf gar nicht abdecken kann“, erläutert Röthlingshöfer.

Können die Masken wiederverwendet werden?

In der Regel handelt es sich sowohl bei den FFP2- als auch OP-Masken um Einmalartikel. Aber auch die müssen nicht gleich entsorgt werden, wie Apotheker und Wissenschaftler betonen. Zum einen würden dann Unmengen von Müll produziert werden, zum anderen müssten Bürger viel Geld in den Nachschub investieren. Es wird dazu geraten, eine benutzte FFP2-Maske an einen trockenen Ort zu lagern. Nach sieben Tagen könne sie wieder aufgesetzt werden.

Apotheker Stahl will sich dagegen nicht festlegen: „Das ist alles mit Vorsicht zu genießen.“ Der Einzelfall sei entscheidend. „Es macht schon einen Unterschied, ob man die Maske für den kurzen Einkauf oder in einem vollen Zug benutzt hat.“ Zudem komme es darauf an, sie richtig anzuwenden, sonst könne die Schutzwirkung beeinträchtigt sein. Eine eindeutige Meinung hat Stahl zu den Tipp, benutzte FFP2-Masken im Backofen zu desinfizieren, um sie schneller wiederverwenden zu können. „Das ist nicht gerade hygienisch, wenn man eine benutzte Maske in den Backofen schiebt, wo später die Pizza reinkommt.“ Auch würden Temperaturschwankungen dazu führen, dass die Schutzwirkung oder die Maske selbst leidet.

Am Donnerstag Kontrolltag

Die neuen Maskenregeln sind das eine, das andere ist deren Kontrolle. Werden Vorgaben nicht überwacht und Regelverstöße sanktioniert, ist deren Wirkung eher schwach. Für Donnerstag ist deshalb ein landesweiter Kontrolltag der Polizei angekündigt worden. In öffentlichen Verkehrsmitteln und vor Eingängen von Supermärkten wird ohnehin geschaut, ob sich die Fahrgäste beziehungsweise Kunden an die Regeln halten. Der Leiter des Globus-Einkaufmarkts, Jürgen Groß, sagt auf Anfrage: „Wir haben einen Sicherheitsservice beauftragt. Im Markt selbst sind zwei Sicherheitsleute unterwegs, um an kritischen Ecken nach dem Rechten zu schauen. Das sind die Bereiche, in denen es sich auch mal stauen kann.“

„Menschen sind verängstigt“

Hussein Hammoud ist der Sprecher der für die Sicherheit zuständigen HSK-Gruppe in Neustadt. Die Firma ist unter anderem im Globus aktiv. Hammoud: „Wir werden häufiger angesprochen während unserer Arbeit. Viele Menschen sind verängstigt. Wir versuchen da auch Hilfestellung zu geben.“ Die Kommunikation mit den Kunden verlaufe dabei fast ausschließlich positiv: „Viele bedanken sich auch und zeigen Verständnis.“ Die Akzeptanz im Vergleich zum Frühjahr sei spürbar gestiegen. „Wir verscheuchen ja auch niemanden. In den meisten Geschäften gibt es die vorgeschriebenen Masken zu kaufen, da reicht dann meist der Hinweis.“

Nicht nur die Ladeninhaber und deren Sicherheitsdienste müssen sich auf die neue Maskenregeln einstellen, sondern auch die Busfahrer. Etwa jene der Palatina Bus GmbH aus Edenkoben. „Wir appellieren an die Vernunft der Menschen, sich an die neuen Vorgaben zu halten“, sagt Jürgen Leiter, Fahrdienstleiter des südpfälzischen Unternehmens, das zusammen mit der Westpfälzer Firma Imfeld die Buslinien in Neustadt bedient. Wie Heil berichtet, können seine Mitarbeiter lediglich am Eingang prüfen, ob die Fahrgäste eine OP- oder FFP2-Maske tragen. Sonst müssen sie sich auf den Straßenverkehr konzentrieren. Heil ist jedoch zuversichtlich: „Es dürfte zu keinen Problemen kommen, weil sich die Fahrgäste schon längst an die Situation gewöhnt haben.“ Ihnen dürfte es nicht so schwer fallen, statt der Stoffmaske das Pendant aus dem medizinischen Bereich zu nehmen, so Heils Einschätzung.

Muss der Busfahrer häufiger eingreifen?

Darüber hinaus sei die Anzahl der Fahrgäste derzeit überschaubar. Allein schon deshalb, weil wegen des Lockdowns und dem damit verbundenen Homeschooling nur noch eine geringe Anzahl an Schülern tagsüber in den Fahrzeugen sitzt. Apropos Schüler: Für sie hat die Palatina Bus GmbH auf ihrer Webseite ein Video der Verkehrsunternehmen hochgeladen. Darin wird erklärt, wie sie sich zu verhalten haben, um sich und andere in Corona-Zeiten optimal schützen zu können.

Auf der Homepage des Busunternehmens (www.palatinabus.de) finden sich weitere Informationen, die für Fahrgäste in öffentlichen Verkehrsmitteln interessant sind. Etwa, wie sie Kosten rückerstattet bekommen, wenn sie eine Fahrt coronabedingt nicht antreten und welche Auswirkungen die Pandemie auf Fahrten in Bus und Bahn hat. „Wir haben außerdem eine Telefon-Hotline eingerichtet“, erklärt Heil. Unter der Nummer 0395/43084397 werden weitere Fragen beantwortet.

Vor Geschäften, wie hier am Neustadter Globus, kontrolliert der Sicherheitsdienst, ob die Masken aufgesetzt sind oder nicht.
Vor Geschäften, wie hier am Neustadter Globus, kontrolliert der Sicherheitsdienst, ob die Masken aufgesetzt sind oder nicht.
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