Neustadt
Gefahr im Verzug: Warum in Mußbach zehn Bäume gefällt werden müssen
„Diese Entscheidung ist uns als Verwaltung nicht leichtgefallen“, betont Bernhard Adams. Der Baudezernent, der in Mußbach aufgewachsen ist, kennt die Allee aus Robinien, die die Straße An der Bleiche säumen, seit Kindheitstagen. An einigen Stellen wurden in den vergangenen Jahren bereits Bäume gefällt, weil sie am Ende ihrer Lebensspanne von 50 bis 100 Jahren nicht mehr standsicher waren. Doch nun kündigt Adams an, dass alle zehn verbliebenen Robinien auf der Südseite (Seite TV Mußbach) gefällt werden müssen.
Den Grund erkennt jeder, der dort entlangläuft. Über die Jahrzehnte haben die Wurzeln den Bürgersteig massiv beschädigt. Es sind teils rund 15 Zentimeter hohe Verwerfungen sowie dicke Risse im Asphalt zu sehen, die Bordsteinkanten driften auseinander. Auch Steinplatten in privaten Einfahrten sind in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Ortsbeirat hatte die Verwaltung bereits zum Handeln aufgefordert.
Nachdem im Dezember zwei ältere Mitbürger auf dem Weg laut Adams schwer gestürzt sind, ist klar: „Hier ist Gefahr im Verzug, weshalb wir entsprechend unserer Verkehrssicherungspflicht umgehend handeln müssen.“ Die Beschilderung, die auf Gehwegschäden hinweist, reiche nicht mehr aus. Noch im Februar, also vor dem Brutschutzzeitraum von Vögeln, sollen die Bäume fallen. Die Kosten dafür beziffert Adams auf rund 10.000 Euro. Die städtische Umweltabteilung werde die Arbeiten eng begleiten. Danach wird die Gehwegoberfläche abgefräst und mit einer Ausbesserungsschicht geglättet, sodass die Stolperfallen im Laufe des März verschwinden. Sperrungen für den fließenden Verkehr erwartet Adams nicht, aber es wird Einschränkungen für die Anlieger geben. Die Anwohner sind am Mittwoch per Einwurf über die Fällungen und Bauarbeiten informiert worden.
Sanierung steht an
Die Arbeiten zur Verkehrssicherung werden nur eine Übergangslösung An der Bleiche sein. Die Sanierung der wichtigen Landesstraße im Mußbacher Zentrum steht bei städtischer Tiefbauabteilung und Landesbetrieb Mobilität (LBM) längst auf der Aufgabenliste. Für dieses Jahr sind dafür Planungskosten im städtischen Haushalt eingestellt worden. Der Baubeginn soll Ende 2026/Anfang 2027 sein, Details zu den einzelnen Bauabschnitten stehen noch nicht fest.
Sicher ist, dass dann auch die Bäume auf der gegenüberliegenden Nordseite fallen werden, da die Bauarbeiten zwangsläufig deren Wurzeln stark beschädigen werden. Gleiches gelte für den Glasfaserausbau, für den auf der Südseite der Straße dicke Kabelstränge unter dem Bürgersteig verlegt werden müssen, um die Verbindung bis zum Verteilerknoten am Ortsausgang in der Nähe der Autowerkstatt Hörauf zu schaffen. „Auch das wäre ohne Schäden am Wurzelwerk nicht möglich gewesen.“ Die Tage der Robinien waren also schon vor den Unfällen mit Personenschaden angezählt.
Allee soll neu gepflanzt werden
Sowohl Ortsbeirat als auch Stadt wollen den Allee-Charakter der Straße nach der Sanierung wiederherstellen. Die neuen Bäume werden Adams zufolge in spezielle Körbe gepflanzt, die verhindern, dass sich die Wurzeln seitlich zur Oberfläche hin ausbreiten. Welche Art Baum neu gepflanzt werden soll, werde noch mit dem Ortsbeirat besprochen, Robinien werden es aber nicht mehr sein. Sie stammen eigentlich aus den USA und gelten in vielen Ländern als invasive Art, die sich laut Umweltverbänden negativ auf die Biodiversität am Standort auswirkt, weil sie den Boden mit Stickstoff anreichert.