Ortsrundgang RHEINPFALZ Plus Artikel Mußbach: Wenn der Verkehr nicht wäre

Enge Gehwege im Ortszentrum sind ein Sorgenkind von Ortsvorsteher Roland Ipach.
Enge Gehwege im Ortszentrum sind ein Sorgenkind von Ortsvorsteher Roland Ipach.

Mußbachs neuer Ortsvorsteher Roland Ipach weiß, wie sehr das Weindorf unterm Durchgangsverkehr leidet. Eine große Lösung sei nicht in Sicht, aber eine Veränderung könnte die Lebensqualität der Anwohner erhöhen.

Anfang Juli ist Roland Ipach als neuer Ortsvorsteher von Mußbach vereidigt worden. Danach war er täglich im Rathaus anzutreffen. Es gab viel zu regeln rund um Eselshautfest und Johanneskerwe. In diese Abläufe musste er sich neu einarbeiten. Damit hatte er in den vergangenen 15 Jahren, als der 70 Jahre alte FWG-Mann schon stellvertretender Ortsvorsteher war, nichts zu tun. Aber Ipach sieht die Aufgaben gelassen: Das sei alles kein Problem, er finde sich gut zurecht. Ob er auch künftig jeden Tag im Ortsvorsteherbüro sein werde, werde sich zeigen. Aber für die ersten paar Wochen sei es hilfreich. Zumal immer auch mal Bürger vorbeikommen – mit Fragen oder Problemen. „Manche auch zum Gratulieren und dann gleich mit Wünschen.“ Ipach hört sich alles an und bleibt sich dabei treu: „Man darf nichts einfach so versprechen. Ich verweise auch immer auf die Zuständigkeiten bei den Aufgaben und die Finanzierungsfragen.“

Die Straße An der Bleiche muss saniert werden. Dann müssen auch die Wurzelschäden beseitigt werden.
Die Straße An der Bleiche muss saniert werden. Dann müssen auch die Wurzelschäden beseitigt werden.
Roland Ipach zeigt, wie eng es auch in der Straße Zum Ordenswald ist.
Roland Ipach zeigt, wie eng es auch in der Straße Zum Ordenswald ist.
Schmuckstück Herrenhof: Roland Ipach zeigt die von Karl Adams gesammelten Grenzsteine.
Schmuckstück Herrenhof: Roland Ipach zeigt die von Karl Adams gesammelten Grenzsteine.
Hingucker im Herrenhof: der Storchenturm.
Hingucker im Herrenhof: der Storchenturm.

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Ganz ehrlich betrachtet Ipach auch das „große Problem“ von Mußbach: den Verkehr im Ortszentrum. Man werde das auch nie wirklich lösen können, betont er, „da unser Hauptproblem der Durchgangsverkehr ist und wir keine Umgehungsstraße bekommen können“. Mußbach liege eben an einer Schnittstelle im Norden von Neustadt. Aus den umliegenden Orten rolle der Verkehr Richtung Stadt und wieder zurück. „Für die Anwohner ist das schon eine immense Belastung.“ Umso wichtiger sei, im Sinne der Bürger auf dem Ringverkehr im Ortszentrum generell Tempo 30 einzuführen. „Das würde den Lärm deutlich reduzieren und mehr Sicherheit bringen“, sagt Ipach. Man würde damit also allen im Ort helfen.

Der Traum von einem Dorfplatz

Für den Spaziergang durch den Ort wählt Ipach daher bewusst auch diese Verkehrsachse. Er will die Probleme veranschaulichen, sie nicht nur beschreiben. Sobald Autos vorbei sind, sagt er zur Bestätigung seiner Anfangsworte: „Das sind alles fremde Kennzeichen.“ Zugleich sind die Straßen im Ort sehr eng. Das beschäftigt den Ortsvorsteher deswegen, weil an vielen Stellen nur sehr schmale Bürgersteige vorhanden sind. „Mit Kinderwagen oder Rollator hat man da keine Chance. Die Leute müssen auf die Straße ausweichen.“ Daher würde Tempo 30 auch hier helfen und den Fußgängern mehr Sicherheit verschaffen. Der Rundgang führt auch an der „Mußbacher Spinne“ vorbei – die zentrale Kreuzung mit Verbindungen in mehrere Orte. Wer diese Stelle sieht, erkennt: Mußbach ist ein neuralgischer Punkt für den Durchgangsverkehr. Ipach weiß es auch. Als Realist träumt er nicht von der (unmöglichen) großen Lösung, will sich aber um kleine Schritte und Verbesserungen bemühen. Das betrifft auch das Thema Parkplätze, die im Ortskern Mangelware sind und die laut Ipach generell besser beschildert werden müssen.

Die große Bedeutung des Durchgangsverkehrs spürt Mußbach auch bei einem zweiten Herzensthema des Ortsvorstehers: Er hätte gerne einen zentralen Dorfplatz (den man dann auch als Parkplatz nutzen könnte). „Unser Zentrum ist leider von der Durchgangsstraße zerschnitten“, so Ipach. Daher müsse auch ein Fest wie die Johanneskerwe komplett in den Winzerhöfen stattfinden, nicht aber auf der Straße. Mit dem Herrenhof habe Mußbach zwar ein tolles und historisch spannendes Areal im Zentrum. Da das aber bewohnt sei, „kann man es nicht zum Treffpunkt machen“. Es gebe bereits Anwohnerbeschwerden, wenn es bei Veranstaltungen laut wird. Allerdings sei der Herrenhof für ihn eine echte Oase in Mußbach. Er sei stolz und froh über alles dort, schätze Museum, Veranstaltungsraum und Vereinsräume. „Und überhaupt das gesamte Ambiente.“ So hofft Ipach, dass sich auf dem Storchenturm wieder Störche ansiedeln, und er erzählt gerne, dass sich in einer Ecke eine Freiluftkegelbahn befand.

Große Hilfsbereitschaft

Denn bei allen ernsten Themen ist Ipach wichtig: Mußbach sei ein lebendiger und lebenswerter Ort. „Wer fremd hierher kommt, wird schnell integriert – wenn er das möchte.“ Ipach wohnt seit gut 30 Jahren in Mußbach und habe sich „sofort wohlgefühlt, wir wurden mit offenen Armen empfangen“. Die Infrastruktur mit Einkaufsmöglichkeiten, medizinischer Versorgung, Freibad, Schule und Kitas sowie Gastronomie und Winzern mache den Ort attraktiv. Zudem seien die Mußbacher „sehr feierfreudig, bei uns wird immer etwas geboten“. Die vielen kleinen Gassen, die von den zentralen Achsen abzweigen, seien sehr schön und dort sei es sehr grün. Ferner lobt Ipach die große Hilfsbereitschaft der Bewohner. Stehe ein Projekt an, „finden sich immer Helfer, vieles bei uns geht gemeinsam“.

Dann führt der Weg noch zur Straße An der Bleiche. „An sich eine schöne Allee mit altem Baumbestand.“ Aber man müsse sich alles genauer anschauen, sagt Ipach. Denn die Wurzeln der großen Bäume haben den Gehweg an vielen Stellen aufgebrochen. Es gibt gefährliche Stolperfallen und Risse. Zudem hängt die Straßenbeleuchtung oben in den Baumkronen. „Abends sieht man hier kaum etwas, da ist die Straße noch gefährlicher.“ Für Ipach ist klar: „Wir brauchen hier eine Generalsanierung.“ Was bedeutet, dass dann die Bäume wegkommen. Daher stellt der Ortsvorsteher gleich klar: „Danach muss der Allee-Charakter wieder hergestellt werden, aber eben mit Bäumen, die fürs Stadtgrün geeignet sind und die dann auch genug Platz für ihre Wurzeln haben.“ Ipach hofft, dass Landesbetrieb Mobilität und Stadt die Straßensanierung bald angehen. Und er betont schon jetzt: „Nach der Sanierung wollen wir dort Tempo 30 haben, wie im gesamten Ortsring.“ Was an Verbesserung machbar sei, solle auch umgesetzt werden.

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