Neustadt
Förderung in Höhe von 45 000 Euro für DLR-Projekt
Klöckner sagte: „Hier finden Entwicklungen statt, die Winzern und Landwirten in der Praxis helfen.“ Sie betonte, dass beide Berufsgruppen die Ziele der Bundesregierung zum Klimaschutz und zur Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln mittrügen, doch müssten sie „auch wissen, wie das geht“. Pflanzenschutzmittel seien nicht per se böse, sondern ähnlich wie beim Menschen „passgenaue Medikamente, die gezielt eingesetzt werden müssen“.
Dass die Bundeslandwirtschaftsministerin nach Mußbach gekommen war, hatte einen besonderen Grund. Sie überreichte den Verantwortlichen des Wissenschaftsstandorts die Förderurkunde für das Projekt „Mild innovative Treatment for Wine Stabilisation“. Sie dürfen sich zudem über eine Zuwendung in Höhe von 45.000 Euro freuen. Das Geld dient dabei der Weiterentwicklung eines Gemeinschaftsprojekts der Neustadter Einrichtung mit zwei Universitäten in Warschau und Bologna mit dem Ziel, schonende Alternativen zur Weinstabilisierung zu entwickeln.
Nachgärung soll vermieden werden
Damit soll der Einsatz bisheriger Behandlungsmethoden überflüssig gemacht werden. Denn wenn der Wein die Produktionsstätte verlässt, muss sichergestellt sein, dass er langfristig frei von Trübungen und Schlieren ist. Und keine Stoffe enthält, die beispielsweise zu einer Nachgärung oder geschmacklichen Veränderungen führen. Dieser als Stabilisierung bezeichnete Vorgang beginnt bereits mit der Klärung des Jungweins unmittelbar nach dem Abschluss der alkoholischen Gärung und endet mit der Filtrierung, bevor die Weine auf die Flasche kommen.
Insbesondere weineigene Eiweiße, aber auch Metallspuren können den Wein instabil machen, erklärt Ulrich Fischer, Abteilungsleiter Weinbau am DLR. An der Universität Bologna wurde deshalb ein Filter mit Keramikmembran entwickelt, dessen sensorische Auswirkungen auf den Wein in Mußbach getestet werden. So soll die weitere Entwicklung der Membran gefördert werden. Die chemischen Auswirkungen der Methode werden danach an der Universität in Warschau untersucht.
„Vorreiter für die gesamte Branche“
Bio-Winzer würden von der Forschung besonders profitieren, betonte Klöckner. Denn Bio-Wein darf schon heute keine weinfremden Stoffe enthalten. Sie würden damit zum Vorreiter für die gesamte Branche werden, wenn die Filtration durch die Keramikmembran marktreif sei.
Die Forschung an Zukunftsthemen mache Spaß, sagte Fischer und nannte beispielhaft auch Projekte zur Entalkoholisierung von Wein, an denen zurzeit in Mußbach gearbeitet wird. So habe das Neustadter Institut nicht zuletzt an der Marktreife pilzwiderstandsfähiger Weine – so genannte PiWis – mitgearbeitet mit der Folge, dass in Kürze 150.000 Flaschen über eine große Handelskette verkauft werden.
Am DLR wird auch in den Bereichen Nutz- und Zierpflanzen daran geforscht, wie das erklärte Ziel der Europäischen Union erreicht werden kann, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren. Zurzeit fördert der Bund 30 in Mußbach laufende Projekte mit insgesamt rund neun Millionen Euro.