Neustadt
Die neue Beigeordnete: Wer ist Johanna Kunzendorff?
Die Begrüßung passt: Die kurze Mittagspause vor dem Gespräch mit der RHEINPFALZ hat Johanna Kunzendorff für eine kleine Runde um den Block genutzt. Bewegung sei ihr wichtig, sagt die 47-Jährige. Sie bewältige so viele Strecken wie möglich zu Fuß. Daher genieße sie es an ihrem neuen Job ganz besonders, dass „ich in 15 Minuten zur Arbeit laufen kann“. Und auch über den abendlichen Heimweg freue sie sich. Denn dabei könne sie gut abschalten
Arbeit bedeutet in dem Fall: das Stadthaus in der Hindenburgstraße. Seit 10. September hat Johanna Kunzendorff als neue Beigeordnete dort ihr Büro. Sie folgte auf Waltraud Blarr (Grüne). Im Stadtrat gab es eine große Mehrheit für die FWG-Frau – sie bekam 32-Ja-Stimmen. Die Koalition aus CDU, FWG und FDP, die Kunzendorff fürs Amt vorgeschlagen hatte, kommt zusammen auf 24 Mandate. Den Personalwechsel im Stadtvorstand hat Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) zudem für eine Veränderung der Aufgabenverteilung genutzt. Kunzendorff verantwortet nun den Fachbereich Ordnung, Umwelt, Bürgerdienste sowie die Stadtwerke und die Stabsstelle Klimaschutz.
Familie wohnt in der Kernstadt
Dass sich Kunzendorff um die Bereiche Umwelt und insbesondere Klima kümmern würde, lag auf der Hand. Denn zuvor war sie über vier Jahre bei der Stadt Mannheim für die Themen Klimaanpassung und Local Green Deal zuständig. Auch die Zuständigkeit für die Stadtwerke passt dabei gut, da die mit der großen Freiflächen-PV-Anlage sowie der Energiewende und Wärmeplanung ja ebenfalls große Aufgaben zu bewältigen haben, bei denen es auch um Klimaschutz geht. Neu ist der Ordnungsbereich. Doch das findet Johanna Kunzendorff gut. Sie sei in ihrem Berufsleben nie komplett auf einen Bereich spezialisiert gewesen und habe immer neue Aufgaben angenommen. „Ich freue mich auf diese Herausforderung und Themen“, sagt Kunzendorff. Sie sei am ersten Tag „gleich eingetaucht“, lerne ihre Kollegen kennen, arbeite sich in alle Themen ein.
Die neue Beigeordnete (ihre Amtszeit beträgt acht Jahre) lebt mit ihrem Mann und den zwei Kindern in der Kernstadt. Dort führt sie auch den Ortsverband der FWG und war bereits in Ausschüssen aktiv. Geboren wurde Johanna Kunzendorff in Nordhausen (Thüringen). Ihr Abitur machte sie dann in Braunschweig, ehe das Studium in Dortmund (Raumplanung) folgte. Seit 2009 lebt sie in Neustadt. „Die Pfalz ist für mich Heimat geworden“, betont sie voller Überzeugung. Dass sie nun in ihrem Wohnort arbeite, habe – jenseits der kurzen Wege zum Büro – einen besonderen Reiz: „Ich will meinen Lebensmittelpunkt mitentwickeln und Gutes umsetzen.“
Projekte in Afrika
Ganz wichtig sei, offen auf alle zuzugehen und zuzuhören – und Dinge zu erklären. Das habe sie in ihrer beruflichen Zeit in Westafrika erlebt. Dort habe sie einen Aufbau von Wasserversorgung und Abwasserentsorgung begleitet. Man habe dabei die Menschen eben mitnehmen, ihnen aufzeigen müssen, welche Vorteile ständig verfügbares sauberes Wasser bedeutet, aber dann auch erklären, warum so ein Angebot Geld kostet. Auch in Neustadt arbeite sie sich nun gründlich in die Themen ein. Viele Besprechungen und Kennenlernrunden gehören dazu. Zudem besucht sie derzeit alle Ortsteile, trifft die Ortsvorsteher. Dabei erfahre sie vieles für den Alltag in ihrem Dezernat, denn in den Orten sind Themen wie Parken oder Hochwasserschutz und Gewässerpflege ja alle bei ihr angesiedelt. Wichtig ist Kunzendorff zudem der persönliche Austausch mit Bürgern. Wer sie direkt anschreibe, solle auch eine schnelle Antwort von ihr bekommen. Das sei zwar aufwendig. „Aber ich sehe eine Verwaltung als Dienstleisterin, und so möchte ich das auch leben“, sagt die 47-Jährige.
Dass sie schon vor ihrem ersten Tag als Beigeordnete Unterlagen studiert hat, kommt ihr nun bei zwei großen Brocken zugute. Denn zum Jahresende hin stehen Beschlüsse zur Kommunalen Wärmeplanung und auch zur geplanten Freiflächen-PV-Anlage im Benzenloch an. Beides ist schon vor ihrer Amtszeit vorbereitet worden. Sie wolle jetzt aber mithelfen, dass alles vorangebracht werden kann. Und bei der Stabsstelle Klimaschutz werde sie sich auch einbringen – vor allem beim Thema Klimaanpassung, mit dem sie sich für Mannheim intensiv befasst habe.
Selbstverständlich für sie sei, dass das Diensthandy immer angeschaltet und griffbereit sei. „Ich möchte informiert werden, wenn etwas passiert.“ Trotzdem könne sie „sehr gut abschalten“. Sport (Yoga, Krafttraining, Laufen) sei ihr im Alltag wichtig, ebenso Ausflüge (Wandern, Radtouren) am Wochenende. Dass sie als Mitglied des Stadtvorstands auch Repräsentationstermine wie am Winzerfestumzug habe, gehöre dazu: „Ich mache das gerne.“ Beruflich schlage sie nun eben ein neues Kapitel auf – und darauf freue sie sich. So habe auch ihre Familie reagiert, als sie daheim erstmals über den sich abzeichnenden neuen Job bei der Stadt Neustadt gesprochen habe. Die Reaktion sei eindeutig gewesen: „Wow, Mama“.