Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Waltraud Blarr verabschiedet sich als Beigeordnete: Ihr Fazit, ihre Pläne

Endspurt im Büro: Waltraud Blarr packt viele Kisten.
Endspurt im Büro: Waltraud Blarr packt viele Kisten.

Elf Jahre lang zählte Waltraud Blarr als Beigeordnete zum Stadtvorstand. Zum Abschied sagt sie, was sie sich für Neustadt wünscht und wie es für sie nun weitergeht.

Zum Ausstand darf Waltraud Blarr (Grüne) noch einmal auf die große Bühne, denn die scheidende Umweltdezernentin wird am Samstag um 10 Uhr gemeinsam mit Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) den Zukunftstag auf dem Marktplatz eröffnen. Für die 64-Jährige ein perfekter Ausklang ihrer beruflichen Laufbahn, denn kommende Woche endet ihre Amtszeit, danach übernimmt Johanna Kunzendorff (FWG). Beim Zukunftstag wird Blarr noch einmal voll in ihrem Element sein und wird in Gesprächen mit Bürgern für ihre Themen umweltfreundliche Mobilität und Energieerzeugung sowie nachhaltigen Genuss werben.

Elf Jahre lang war Blarr Beigeordnete in Neustadt, zunächst ehrenamtlich und in den vergangenen acht Jahren hauptamtlich. Dass sich mit der Kommunalwahl 2024 die Mehrheiten im Stadtrat so verändert haben, dass die Grüne keine Chance mehr auf eine weitere Amtszeit hatte, hat die Lachen-Speyerdorferin mittlerweile akzeptiert. Sie freue sich nun darauf, nicht mehr die Verantwortung für den Umwelt- und Sozialbereich tragen zu müssen. „Ich habe immer sehr gerne mit meinen Kollegen in meinem Dezernat zusammengearbeitet“, das werde sie vermissen. Aber sie sei nun „in einem gewissen Alter“, in dem sie sich „über Entlastung, weniger Druck“ und mehr Freizeit freue.

Förster schenken eine Bank

Die vergangenen Tage waren noch einmal ziemlich anstrengend. Blarr freut sich, dass der Stadtrat am Dienstagabend das Klimaanpassungskonzept und die Biodiversitätsstrategie verabschiedet hat. Beides hat sie in ihrer Amtszeit angestoßen. „Und ich bringe Dinge dann gerne zu Ende“, sagt Blarr. Das hat sie auch in ihrer Abschiedsrede im Stadtrat mehrfach betont. Die freundlichen Worte von OB Weigel und die vielen Umarmungen und Geschenke aus den Fraktionen am Ende der Sitzung haben sie gefreut: „Diese Wertschätzung fand ich sehr schön.“ Am Mittwochabend hatte sie die Mitarbeiter der Umweltabteilung bei sich zu Hause zu Gast. „Das war schon ein familiäres Verhältnis“, so Blarr. Besonders hat sie sich über das Geschenk der Förster gefreut: eine selbst gebaute Bank für den heimischen Garten. Und dann war Blarr im Büro gefordert. Sie musste auf- und ausräumen und alles in Kisten verpacken, denn ab Montag wird Bürgermeister Stefan Ulrich (CDU), der künftig fürs Sozialdezernat zuständig sein wird, im Büro in der Konrad-Adenauer-Straße arbeiten.

Herzlicher Abschied im Stadtrat: Hier überreicht SPD-Fraktionssprecher Pascal Bender eine Rebe als Geschenk.
Herzlicher Abschied im Stadtrat: Hier überreicht SPD-Fraktionssprecher Pascal Bender eine Rebe als Geschenk.

Wer mit Waltraud Blarr zu tun hat, merkt schnell: Sie spricht Dinge gerne direkt an. Auch in ihrer Rede im Stadtrat benennt sie Erfolge in ihrem Zuständigkeitsgebiet, also Umwelt und Soziales, auf die sie „auch stolz“ sei, weist aber ebenso klar auf Situationen hin, in denen man sich zunächst nicht wirklich einig gewesen sei und man in der Sache intensiv gerungen habe. In ihrer Bilanz wirkt sie zufrieden: Der Fehlbedarf bei Kita-Plätzen sei aufgearbeitet worden. Mit dem Bündnis Nachhaltige Entwicklung (BNE) habe Neustadt Grundlagen im Bildungsbereich gelegt und mit einem bundesweiten Preis für Aufmerksamkeit gesorgt. Im Umweltbereich sei es gelungen, die Kernthemen Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Bewusstsein der städtischen Politik zu etablieren. Das sind nur ein paar Beispiele, die sie aufgeführt hat. Angesichts der Fülle an Aufgaben und deren Komplexität, gerade auch im Sozialsektor, sei es eine richtige Entscheidung von OB Weigel gewesen, „den Stadtvorstand nur noch hauptamtlich zu besetzen, das ist ehrenamtlich nicht mehr zu leisten“.

Training für Wandertour

Dass Blarr ihre Themen und Ziele immer im Blick hat, zeigt sie im Stadtrat mit einer klaren Mahnung: Den Ratsmitgliedern zeigt sie auf, dass „wir seit mindestens 50 Jahren über unsere Verhältnisse leben“. Das dürfe so nicht bleiben – das sei man den Kindern und Jugendlichen schuldig. Denn diese, so Blarr, „haben im Gegensatz zu den meisten von uns ihre Zukunft noch vor sich“. Das sitzt, einige schlucken kurz. Zwei Themen brennen der 64-Jährigen auch beim Abschied auf den Nägeln. Sie hofft auf einen Ausbau von Grünflächen und den Erhalt vieler Bäume. Im Sinne der Klimaanpassung, aber vor allem, um auch in der Stadt die Artenvielfalt zu fördern. Und ihrer Meinung nach geht es in Debatten zur Stadtentwicklung „zu oft um Parkplätze“. Dabei sei der Onlinehandel der Hauptkonkurrent der Innenstadt-Läden. Daher fragt Blarr direkt: „Kommen Menschen gerne in eine Stadt, weil sie ihr Auto auf einem nicht überdachten Parkplatz abstellen können, oder weil sie sich in einer attraktiven Umgebung aufhalten möchten?“ Blarr ist überzeugt, dass mehr für die Aufenthaltsqualität in der Neustadter Innenstadt getan werden muss, „dafür brauchen wir rund um die Geschäfte Bäume, damit auch im Hochsommer das Flanieren Spaß macht“.

Und was kommt nun im Ruhestand? Die 64-Jährige schnauft erst einmal durch. Politisch wird sie weiterhin im Bezirkstag tätig sein, dort läuft die Wahlperiode bis 2029. Privat will sie zu Hause erst einmal schauen, was in Keller und Garage alles aufzuräumen und zu erledigen ist. Angesichts der vielen Termine in den Vorjahren habe sie sich da nicht um alles kümmern müssen. Und sie müsse noch das Haus ihrer verstorbenen Mutter ausräumen. „Dafür werde ich schon etwas brauchen.“ Aber sie freue sich auch auf mehr Freizeit und Freiheiten. „Ich werde die Zeit genießen“, blickt Waltraud Blarr optimistisch nach vorne. Ein kurzfristiges Projekt gibt es auch: Mit ihrem Mann fährt sie nächste Woche in eine Jugendherberge, um auf dem Rheinsteig zu wandern. Das sei ein Trainingslager, denn Ende September ist Blarr bei einer sechstägigen Alpentour des Pfälzerwald-Vereins dabei. „Dafür muss ich schon fit sein“, weiß sie. Über Hobbys und Ehrenämter (etwa beim Kinderschutzbund oder bei Umweltverbänden) wolle sie sich auch noch Gedanken machen. Ideen für Hobbys hat sie: „Ein Chor wäre schön.“ Und sie liebe Sprachen und beherrsche Italienisch, Englisch und vor allem Französisch. Als nächstes sei Spanisch dran. „Wenn ich wo zu Gast bin, will ich schon verstehen, was um mich herum passiert und mich verständigen können.“

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