Neustadt Der Kommissar und das Meer

Neustadt. Mit einer guten Sommerlektüre kann man gleich doppelt verreisen. Man nimmt sie im Gepäck mit auf große Fahrt und versinkt beim Lesen in der Gegend, in der das Buch gerade spielt – so auch im Krimi „Der Kommissar von Barfleur“ von Maria Dries, der angenehm leichte Unterhaltung für die Reise mit der Spannung eines zunächst ungelösten Kriminalfalls und malerischen Landschaftsbeschreibungen aus der Normandie verbindet.
Der Leser spürt, dass hier eine Autorin über eine Gegend schreibt, die sie selbst schätzt und sehr gut kennt. Dries beschreibt liebevoll die malerischen Orte auf der normannischen Halbinsel Cotentin am Ärmelkanal und versetzt ihren Helden, den pensionierten Kommissar Philippe Lagarde nach Barfleur, ein idyllisches Dorf an der Küste, in dem allerdings doch das Böse lauert. Ein Vermisster und plötzliche Tote lassen nicht lange auf sich warten, und Lagarde kann gar nicht anders, er muss ermitteln. Der Kommissar hatte einer Spezialeinheit der nationalen Polizei angehört und sich nach einer schweren Schussverletzung in den Ruhestand versetzen lassen. Mit Freundin Odette de Crézy, einer passionierten Köchin und Restaurantbesitzerin auf der Jagd nach einem Michelin-Stern, lebt er nun eigentlich beschaulich in der Normandie. Doch weil ihn das Deutsche Ehepaar Karin und Günther Engelhardt um Mithilfe bei der Suche nach seinem in der Gegend auf mysteriöse Weise verschwundenen Sohn David bittet, ist er jetzt wieder mitten in einen Fall geraten. Gemeinsam mit dem Gendarmen Roselin Dumas, Witwer und ebenso gemütlich wie schwer verliebt in Madame Florence, eine energische Bauersfrau, nimmt er die Spur auf. Als beide eine Leiche entdecken, wird die Sache brenzlig. Das Buch ist klar strukturiert, die Handlung logisch aufgebaut. Während der zügig voranschreitenden Ermittlungen wünscht man sich zwar ab und zu ein etwas ausführliches Verweilen bei den spannenden Szenen, die sich in etwa mit Beschreibungen von Land und Leuten die Waage halten. Aber der besondere Reiz des Buches sind eben gerade die liebevollen Landschaftsbeschreibungen wie diese von Barfleur: „Der Ort zählte zu den schönsten Dörfern Frankreichs und verfügte über eine kleine Fischereiflotte. Dort gediehen Miesmuscheln, auf deren schwarzen Schalen goldene Reflexe schimmerten. Im hiesigen Hafen hatte sich im Jahr 1194 Richard Löwenherz eingeschifft, um sich in England krönen zu lassen. Der Tidenhub konnte bis zu zehn Metern betragen, und die Schiffe lagen bei Ebbe auf Grund, hingestreckt auf einem grasgrünen Algenteppich.“ Mit solchen Beschreibungen, detailliert aber nicht kitschig, ausgestattet, geht der Leser mit den am Kriminalgeschehen beteiligten Personen durch eine einfühlsam erzählte Geschichte, bei der trotz aller Ermittlungen auch noch Zeit für Liebe und Leidenschaft bleibt. Wer ein Buch zur Unterhaltung in gut verständlicher Sprache mit Urlaubsflair und kriminalistischen Extras lesen möchte, der liegt hier richtig. Und wem der Roman gefallen hat, der kann Kommissar Lagarde noch in einem weiteren Buch von Marie Dries begegnen, und das nächste ist bereits in Vorbereitung. Lesezeichen Maria Dries: Der Kommissar von Barfleur. Ein Kriminalroman aus der Normandie. Aufbau-Verlag, 288 Seiten, 9,99 Euro.