Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Debatte um Nextbike: Meinungen und Mehrheiten

Nextbike-Räder gibt es an 14 regulären und zwei Teststationen in Neustadt.
Nextbike-Räder gibt es an 14 regulären und zwei Teststationen in Neustadt.

Warum der Stadtrat weiterhin auf Nextbike setzt – und wie er der ganzen Welt bei einer Premiere ein Schmankerl bietet.

Spoiler: Das Fahrradmietsystem VRN-Nextbike bleibt Neustadt erhalten. Diese Entscheidung des Stadtrats am Dienstagabend ist auch insofern keine Überraschung, da sich zuvor bereits Hauptausschuss und Bauausschuss entsprechend positioniert haben. Der derzeit bis Ende 2024 laufende Vertrag wird also für rund 62.000 Euro um ein Jahr verlängert. Zugleich bedeutet der Beschluss, dass sich die Stadt auch bei der Neuausschreibung des Fahrradmietsystems ab 2026 beteiligen wird und entsprechenden Einfluss nehmen möchte.

Das sind in aller Kürze die Fakten. Wie schon in den Ausschüssen sind auch im Stadtrat noch mahnende Worte platziert worden: Clemens Stahler (CDU) will die 14 Ausleih- und zwei Teststandorte kritisch im Blick behalten und nur auf die mit gutem Zuspruch setzen. Christoph Bachtler (FWG), Rainer Grun-Marquardt (Grüne) und Pascal Bender (SPD) sind sich einig: Sollen in Neustadt mehr als die derzeit 400 Fahrten pro Monat erreicht werden, braucht es ab 2026 Verbesserungen wie leichtere Räder und möglichst auch Elektroantrieb.

„Totes Pferd“

Alles Punkte, mit denen Verkehrsdezernent Bernhard Adams leben kann und die er ähnlich sieht. Ihm und Oberbürgermeister Marc Weigel ist wichtig: Das Angebot bleibt, und Neustadt bietet einen ähnlichen Leihradservice wie die anderen Städte in der Region auch. Klingt alles nach Routine.

Die wird jedoch aufgebrochen, als Michael Frech (FWG) das Wort ergreift und sich als Nextbike-Gegner zu erkennen gibt. Seiner Meinung nach „läuft das nicht, und ein totes Pferd sollte man nicht weiter reiten“. Das sitzt in aller Deutlichkeit. Frech würde das Geld lieber für den Nahverkehr oder Radwege ausgeben. Ein Spannungsmoment. Der sicher für alle gut ist, die daheim die Sitzung verfolgen. Denn der Dienstag ist eine Neustadter Weltpremiere. Zum ersten Mal kann der Offene Kanal den Stadtrat live übertragen. Die „ganze Welt“ könne zusehen, meint OB Weigel augenzwinkernd. Frechs Wortmeldung passt: Ein bisschen Spannung muss beim „Fernsehabend“ schon sein.

„Ihr seid zwei“

Ob Giovanni Raneri (FWG) auch an die Zuhörer daheim und einen Knalleffekt denkt, wissen wir nicht. Aber er sorgt für ein besonderes Schmankerl. Nach Frech sagt auch Raneri, dass er von Nextbike nichts halte und folgert daraus: Da man ja „mehrheitlich dagegen“ sei, sollte der Vertrag nicht verlängert werden. Ein Raunen geht durch den Ratssaal. Ob Zuschauer daheim vor Spannung die Chipstüte fallen lassen, ist nicht bekannt. Weigel findet als erster wieder in die Spur. Er sieht Raneri ruhig an und sagt: „Mehrheit? Na ja, ihr seid zwei.“ Der Rest des Rates lacht und ist erleichtert. Erst recht, als FWG-Fraktionssprecher Christoph Bachtler sich „rückversichert“ und auch für die Freien Wähler eine Mehrheit zusichert.

Kurzer Sturm im Wasserglas. Bei der Abstimmung bleibt Frech konsequent und stimmt mit Nein. Raneri dagegen hat seine entschiedene Meinung wohl prompt wieder vergessen und enthält sich lediglich. So schnell kann es gehen mit Meinungen und Mehrheiten.

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