Neustadt
Brandserie: Schaden liegt bei 100.000 Euro
Wer sich bei der Feuerwehr engagiert, tut das mit Herzblut. Daher ist für Bernd Kaiser und Clemens Litty vom Medienteam der Neustadter Feuerwehr mit Blick auf die Ereignisse in der Nacht zum Sonntag auch klar: „Wenn der Melder losgeht, kommen wir und geben unser Bestes. Es kann ja eine Gefahr oder ein Schaden vorliegen.“ Dennoch sagt Bernd Kaiser auch: „Nächte mit zwei, drei Einsätzen hatten wir schon öfter. Dieses Mal war es aber besonders eng getaktet.“
Zumal die Serie mit einem kleinen Brand angefangen habe und dann bis zum frühen Montagmorgen immer schlimmer wurde. Mit jedem Mal habe die Einsatzleitung zusätzliche Kräfte anfordern müssen. „Das am Ende in der Landauer Straße war dann schon sehr heftig. Da hätte viel Schlimmeres passieren können“, sagt Kaiser. Litty spricht von einer Nacht „mit extremem Aufwand“. Denn am Montag mussten alle 50 eingesetzten Feuerwehrkameraden auch wieder zur Arbeit erscheinen. „Aber in den Momenten ist die Anstrengung nicht präsent, da geht es nur darum, den Schaden zu beheben“, betont Litty.
Person mit schwarzer Jacke gesucht
Sechs Brände gab es in der Neustadter Innenstadt am Sonntag ab 22 Uhr. Der Schaden ist immens. Die Polizei beziffert ihn am Dienstag auf 100.000 Euro. Und die Ermittler stellen auch klar: „Es wird von Brandstiftung ausgegangen.“ Weitere Einzelheiten wollen sie aus ermittlungstaktischen Gründen zu den Brandursachen nicht verraten. „Wir sind mit den Ermittlungen noch ziemlich am Anfang“, sagt Polizeisprecher Dierk Siegfried. Aber einen ersten Ansatzpunkt gebe es: „Gesucht wird eine Person, die eine schwarze Jacke und einen Kapuzenpulli getragen hat. Sie steht möglicherweise in Verbindung mit den Bränden“, sagt Siegfried.
Die Polizei hat die Anzahl der Delikte am Sonntagabend sogar auf sieben erhöht, denn ihren Angaben zufolge wurde gegen 22 Uhr ein in der Winzinger Straße geparktes Auto mit einem Silvesterböller beschädigt. Danach begannen im Prinzip nahtlos die sechs Brände.
Feuer beschädigt Auto
Der erste wurde um 22.13 Uhr aus der Robert-Stolz-Straße beim Amtsgericht gemeldet. In der dortigen Tiefgarage wurde Grünabfall angezündet, der auf einem Anhänger lagerte. Den Brand hatten die Wehrleute schnell im Griff, indem sie den Anhänger nach draußen zogen, den Grünabfall ausleerten und löschten.
Zudem wurde am Zaun der Berufsbildenden Schule ein Kleidungsstück in Brand gesetzt. Weiter ging es ab 22.53 Uhr im Harthäuserweg. Dort war eine kleine Fläche entzündet worden. Anwohner hatten sich um den Brand bereits mit Feuerlöschern gekümmert, ehe die Wehrleute eintrafen. Die waren dann ab Mitternacht erneut im Harthäuserweg gefragt, weil ein Gebüsch brannte. Nur 20 Minuten später kam ein Alarm aus der Winzinger Straße. Auf einem Grundstück brannte eine Ansammlung aus Holz, Kunststoffgittern und Reifen. Auch auf den daneben stehenden Baum waren die Flammen schon übergegriffen. Laut Polizei wurde zudem ein in der Nähe geparktes Auto beschädigt.
Ein Verletzter kommt in BG-Klinik
Während die Wehrleute noch mit dem Aufräumen in der Winzinger Straße beschäftigt waren, ging schon die nächste Meldung ein: ein Kellerbrand in der Hohenzollernstraße. Aus Feuerwehrsicht waren dort nur kleine Löscharbeiten erforderlich. Allerdings hatte ein Anwohner bereits eingegriffen und erlitt bei seinen Löschversuchen so schwere Brandverletzungen, dass er in die Oggersheimer Unfallklinik gebracht werden musste.
Zum Abschluss der Serie gab es ab kurz vor 2 Uhr noch einen Großeinsatz in der Landauer Straße, an dem 50 Wehrleute beteiligt waren. In einem Mehrfamilienhaus brannte es in einem Lagerraum für Müll. Es rauchte so stark, dass alle Bewohner des Hauses ihre Wohnungen verlassen mussten. Auch die Gäste eines angrenzenden Hotels mussten vorübergehend die Zimmer verlassen. Nach Angaben der Polizei konnten die Bewohner erst am Montagvormittag zurück in ihre Wohnungen.
Menschen und Tiere gerettet
Laut Bernd Kaiser haben bei diesem Einsatz alle sehr tatkräftig angepackt, um Verletzungen zu verhindern. „So halfen die Polizisten uns dabei, Menschen aus dem Gebäude zu holen“, so Kaiser. Insgesamt wurden elf Menschen, ein Hund und eine Katze gerettet.
Die Brandbekämpfung in der Landauer Straße erwies sich aufgrund der starken Verqualmung als sehr schwierig. Die Wehrleute mussten Atemschutzmasken tragen und eine Zwischendecke im Gebäude öffnen, um eine weite Ausbreitung des Feuers verhindern zu können. Vor allem mussten die ganzen Räume dann intensiv belüftet werden. Während des Einsatzes war bis kurz vor 3.30 Uhr die Landauer Straße im Bereich zwischen Von-der Tann-Straße und Kreuzung Landauer/Bahnhof-/Exterstraße für den Verkehr gesperrt.
Info
Zeugen sollen sich unter Telefon 06321 8540 bei der Polizei in Neustadt melden.