Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Biomüll: Fehlwürfe werden stärker geahndet

Hier könnte eine Info an den Eigentümer ausreichen: Die Tonne ist mit Biomüll befüllt, allerdings wurde falsches Verpackungsmate
Hier könnte eine Info an den Eigentümer ausreichen: Die Tonne ist mit Biomüll befüllt, allerdings wurde falsches Verpackungsmaterial verwendet.

Wer seine Biotonne falsch befüllt, muss in Neustadt künftig mit härteren Konsequenzen rechnen. Unbelehrbaren könnte die Tonne ganz weggenommen werden.

Organische Abfälle lassen sich im Prinzip wunderbar weiter verwerten. So landet der Biomüll aus Neustadt bei der ZAK, der Zentralen Abfallwirtschaft Kaiserslautern. Dort wird ein Teil des Abfalls genutzt, um Biogas zu erzeugen, aus dem anderen Teil entsteht hochwertiger Kompost. Plastikteile und andere Störstoffe haben da drin natürlich nichts zu suchen. Deshalb versucht der Eigenbetrieb Stadtentsorgung Neustadt (ESN) seit Jahren, die Bürger über die richtige Befüllung der braunen Tonnen aufzuklären. So werden „rote Karten“ verteilt, Aufkleber mit dem Hinweis, dass die Tonne falsch befüllt und deshalb stehen gelassen wurde.

Das habe durchaus Wirkung gezeigt, zieht ESN-Abfallberater Thomas Agne Bilanz. Aber es reiche noch nicht. Es sagt dies auch mit Blick auf die neue Rechtslage. Seit 1. Mai gilt eine neue Bioabfallverordnung, die schärfere Vorgaben enthält. Toleriert werden im Biomüll demnach nur noch drei Prozent Fremdstoffe, der Kunststoffanteil muss sogar unter einem Prozent liegen.

Kontrolliert wird das in Mutterstadt bei der Firma Zeller, wo der Abfall aus Neustadt umgeladen wird. Aktuell sorgen noch Mitarbeiter des Unternehmens für die Sichtkontrolle. Bald werde es dort eine technische Erkennung von Störstoffen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz geben, berichtet Holger Blaufuß, Abteilungsleiter Abfallwirtschaft beim ESN.

Vor allem ein Problem in der Innenstadt

Und wenn in dem Müllauto aus Neustadt der Störstoffanteil über drei Prozent liegt? Dann muss die ganze Charge wieder aufgesammelt werden – und es geht nach Ludwigshafen, wo die Ladung im Müllheizkraftwerk als Restmüll verbrannt wird, und nicht zur Vergärung und Kompostierung nach Kaiserslautern. Die Verbrennung schlägt mit höheren Kosten zu Buche, und auch die zusätzliche Logistik kostet. Was sich am Ende in den Abfallgebühren widerspiegelt, wie Blaufuß betont.

Eine Geschichte am Rande zeigt übrigens, dass es nicht nur um ein paar Einzelfälle geht: So schickte der ESN der RHEINPFALZ-Redaktion im Nachgang des Pressegesprächs einige Fotos von falsch befüllten Tonnen. Allerdings war die Auflösung der Bilder für den Zeitungsdruck nicht optimal. Kein Problem, teilte die ESN-Mitarbeiterin mit. Sie werde die Kollegen bitten, auf der nächsten Tour neue Fotos zu machen. Das Ergebnis: Eine ganze Reihe von heftigen Verstößen wurden dokumentiert.

Alles Mögliche, nur kein Biomüll.
Alles Mögliche, nur kein Biomüll.

Wobei das Ausmaß falscher Befüllung der Biotonne nach Erfahrungen des ESN nicht in allen Teilen Neustadts gleichermaßen groß ist. In den Weindörfern ist das Problem vergleichsweise gering ausgeprägt. Anders sehe es da in der Innenstadt und insbesondere bei Großwohnanlagen aus, berichtet Blaufuß.

Entleerung als Restmüll kostet extra

Behälter mit Störstoffen werden nicht geleert, über einen Aufkleber, die „rote Karte“, werden die Eigentümer darüber informiert. Sie erhalten auch ein Informationsschreiben. Generell gibt es für die Eigentümer der Tonne zwei Möglichkeiten, erklärt Blaufuß: Entweder sie sortieren die Störstoffe aus, damit die Tonne beim nächsten Mal geleert werden kann. Oder sie lassen sie als Restmüll leeren, als kostenpflichtige Sonderleerung.

Auch hier hält jemand nichts von Mülltrennung.
Auch hier hält jemand nichts von Mülltrennung.

Agne sagt, dass nicht hinter jeder falschen Befüllung eine böse Absicht stecke. So verpackten manche Bürger ihren Bioabfall sorgsam in biologisch abbaubare Beutel. Allerdings sind diese nicht mehr zugelassen, weil sie zu lange brauchen, bis sie tatsächlich verrottet sind. Hier könne man aber mit Aufklärung weiterkommen, weiß der Abfallberater.

Fehler auf den letzten Metern

Blaufuß sagt, man sei sich dessen bewusst, dass der Knackpunkt der Weg von der Küche zur Mülltonne sei. Also wie man den Abfall dorthin bekommt, ohne dass er auseinanderfällt. Der ESN-Abteilungsleiter rät zum Verpacken in Zeitungspapier. Das sei optimal geeignet. Manchem unterläuft auf den letzten Metern dann aber doch noch ein Fehler. So hatte ein Neustadter seine Küchenreste zwar in Papier gepackt. Am Ende umwickelte er es aber mit Paketband.

Neben Bürgern, die versehentlich oder aus Unkenntnis die braune Tonne falsch befüllen, gebe es aber auch schwierigere Fälle, berichtet Agne. Also Neustadter, die sich ganz offensichtlich nicht um die Mülltrennung scheren, die alles Mögliche in die Tonne werfen. Er kann dies mit zahlreichen Fotos dokumentieren.

Auch dann sucht der ESN zunächst mal das Gespräch, bei Großwohnanlagen nimmt er Kontakt mit dem Verwalter auf. „Dann schauen wir gemeinsam, welche Lösungen es geben kann“, sagt Agne. Hilft aber alles nichts, könnte der ESN die Biotonne bei den Unbelehrbaren künftig einkassieren. Das sei aber nur die allerletzte Option, schließlich wolle man so viel Bioabfall wie möglich erfassen, erläutert Abteilungsleiter Blaufuß. Wer keine Biotonne mehr hat, muss seine Küchenabfälle als Restmüll entsorgen – und dafür höhere Gebühren zahlen.

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