Neustadt
Berlin ruft: Kulturcafé Mon Général sagt Neustadt Lebewohl
„Wir haben uns als Café der Mitte etabliert, das sich mit den Zeiten auseinandersetzt, als Ort des Redens. Ich bereue die Zeit in Neustadt keine Minute lang – aber das alles geht an die Kräfte.“ Peter und Daniela Miklusz haben nach zwei Jahren entschieden: Das Mon Général in der Zwerchgasse wird im Frühjahr 2026 schließen.
Das Schauspielerehepaar – er Niedersachse, sie Pfälzerin – kann und will den Alltag zwischen ihren Wohnorten Berlin und Neustadt nicht mehr stemmen. In der gut 650 Kilometer entfernten Hauptstadt pulsiert nicht nur die Film- und Fernsehbranche, dort geht auch der Sohn von Peter Miklusz zur Schule. Dazu kamen Rollen und Auftritte im In- und Ausland, wie ein sechsmonatiger Dreh in Budapest, der die wöchentlichen Ortswechsel noch verkomplizierte.
Diskussionen bis spät in die Nacht
Donnerstags bis sonntags ist das Ehepaar in der Regel in Neustadt, serviert im Mon Général Spezialitäten und steht mit selbst geschriebenen Theaterstücken auf der Bühne, die erst entsteht, wenn die Theke auf Rollen beiseitegeschafft wurde. 25 Plätzen gibt es im Publikum. Aufführungen und anschließende Diskussionen seien bis spät in die Nacht gegangen, erzählt Miklusz, der als gelernter Konditor am frühen Sonntagmorgen wieder in der Backstube steht, um die französischen Leckereien für den Cafébetrieb zu produzieren. Nur das Theater würde in Neustadt nicht funktionieren, „und so, wie es jetzt war, mussten wir zu viele Kompromisse eingehen“.
Stammgäste hätten nach Verkündung der Entscheidung verständnisvoll reagiert, „viele haben sich schon lange gefragt, wie wir das jede Woche schaffen“. Neustadt zu verlassen, sei traurig. „Hier sind Freundschaften entstanden, wir werden die Stadt vermissen. Wir bleiben aber mit der Gemeinschaft verbunden und sind weiterhin in der Pfalz buchbar“, betont das Ehepaar, das im März noch in Haßloch, im April in Edenkoben und im September beim Theaterfestival im Neustadt auf der Bühne stehen wird. Möglichkeiten für Freilichttheater in der Zwerchgasse sehen die beiden künftig ebenso. „Wer weiß, welche Spielräume sich noch eröffnen.“
„Wir bleiben präsent“
Im Mon Général werden noch bis März Theateraufführungen stattfinden, darunter am 23., 24. und 25. Januar. Bis zur Landtagswahl im März werden sich zudem noch Politiker im Kulturcafé Diskussionen stellen. Das Café bleibt ab sofort geschlossen. „Die politischen Zeiten werden wilder“, meint Miklusz. Klare Kante und provokative Stücke hätten das Mon Général „aufs Radar von Leuten gebracht, die unser Engagement nicht mochten“, weiß der Schauspieler und schiebt hinterher: „Wir sind nicht weg und bleiben weiter in Neustadt präsent.“ Gruppierungen hätten immer wieder versucht, das Kulturcafé „in eine Schublade zu stecken“, so Miklusz, der appelliert, Diskurse zuzulassen und „Meinungen zu hören, auch wenn ich sie nicht teile“.
Viel Engagement sieht er in privaten Initiativen und Kooperationen mit Schulen und Vereinen vor Ort. „Wir haben bewiesen, dass man mit wenig Geld Tolles erreichen kann“, blickt das Ehepaar auf die Zeit in Neustadt zurück. Kultur, so sind sie sich einig, sollte im ländlichen Raum genauso aufgestellt sein wie in Ballungsräumen. „Dafür muss man kämpfen“, sagt Miklusz, der unter anderem bedauert, dass er und seine Frau nie im Saalbau oder Hambacher Schloss auf der Bühne standen. „In puncto Kultur muss die Stadt besser werden“, zum Beispiel „mehr Tiefe ins Demokratiefest bringen, um die große Bedeutung herauszustellen“.
Mon Général wird vegan
Die neue Wirkungsstätte der Miklusz’ in der Hauptstadt findet sich künftig im Bezirk Prenzlauer Berg unter dem Namen „Kurttt“ – je ein t für Kurt Schumacher, dem Miklusz 2024 ein Theaterstück widmete, Schriftsteller und Satiriker Kurt Tucholsky sowie Schauspieler und Sänger Kurt Gerron. Das Mon Général werde als kleines veganes Café in den Berliner Räumen fortbestehen – die Waren wird der Konditor aber nicht mehr selbst backen, sondern von außerhalb beziehen. Dafür werde das politische Theater mit doppelt so vielen Sitzplätzen ausgebaut, und es gibt Platz eine weitere Leidenschaft von Daniela Miklusz: Yoga.