Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Bahnhofsvorplatz: Aufregung um Platanen

Der Bauzaun zeigt: Die drei Platanen stehen auf dem Gelände des Investors.
Der Bauzaun zeigt: Die drei Platanen stehen auf dem Gelände des Investors.

Der Bahnhofsvorplatz in Neustadt soll ein komplett neues Gesicht bekommen. Das Gelände wird umgestaltet und im Westen von einem Hotel und Parkhaus abgerundet. Die Weichen wurden vor Jahren schon gestellt, doch jetzt regt sich Protest, weil drei große Bäume gefällt werden sollen.

Bürger haben eine Online-Petition „Erhalt des Baumbestandes in Neustadt“ gestartet. Innerhalb weniger Tage sind über 1000 Unterstützer zusammengekommen. Abgebildet sind dabei die drei großen Platanen am westlichen Rand des Bahnhofsvorplatzes. Sie sollen gefällt werden, damit dort wie geplant ein Hotel und ein Parkhaus gebaut werden können. In ihren Kommentaren üben die Unterstützer scharfe Kritik an der Stadtverwaltung, werfen ihr eine schlechte Planung vor – und dass zu wenig für den Erhalt der Bäume im Stadtgebiet getan werde.

Auch eine Bundesbürgerinitiative Waldschutz hat sich zu Wort gemeldet und spricht mit Blick auf die geplanten Fällungen von „erschreckend unsensiblen Maßnahmen“, denn Bäume seien gerade für den Hitzeschutz extrem wichtig. Die Platanen werden in dem Beitrag als „Beispiel für die Schönheit alter Bäume im städtischen Raum“ bezeichnet. Daher sollten sie erhalten werden, zumal Neupflanzungen mit erheblichem Aufwand (häufiges Gießen) verbunden seien. Es sollte Aufgabe der Stadtplaner sein, solche Bäume zu erhalten, schreibt die Bundesbürgerinitiative, die auch von Bürgern aus Neustadt Informationen zum Thema bekommen hat. Kritisiert wird, so heißt es im Beitrag, dass sich die Stadt „nicht bemüht“ habe, „die Bäume in eine Planung zu integrieren“.

„Sonst nicht realisierbar“

Baudezernent Bernhard Adams kennt die Onlinepetition und die damit in verschiedenen Foren geäußerte Kritik an der Stadtverwaltung. Er erinnert an den langen Entscheidungsprozess. So habe der Stadtrat zwischen 2015 und 2019 bereits die Beschlüsse gefasst, die nun mit dem Umgestaltungs- und Bauprojekt umgesetzt werden. „Der Stadtrat war also mehrfach involviert und hat die meisten Beschlüsse einstimmig getroffen. Beim Beschluss über die Neugestaltung mit Hotel und Parkhaus hat es nur eine Gegenstimme gegeben“, sagt Adams.

Inzwischen sei das entsprechende Gelände an Hotelinvestor Hans Sachs aus Kaiserslautern verkauft worden. Mit ersten Vorarbeiten für Hotel- und Parkhausbau wurde im Juli begonnen – zu erkennen ist das unter anderem an einem Bauzaun, hinter dem auch die drei Platanen stehen. Daher betont Adams: „Die drei Platanen stehen auf einem Privatgrundstück.“ Folglich lasse die Stadt diese auch nicht fällen. Allerdings will Adams auch nicht, „dass dem Investor nun der Schwarze Peter zugeschoben wird“. In den damaligen Beratungen im Stadtrat sei offen kommuniziert worden, dass der Investor für Hotel und Parkhaus eine gewisse Größe brauche, um diese wirtschaftlich betreiben zu können. Eine Verkleinerung des Bauplatzes zum Erhalt der Platanen hätte dazu geführt, dass Hotel und Parkhaus „nicht realisierbar“ gewesen wären.

Verpflanzung geprüft

Die Stadt habe im Frühjahr 2020 eine Verpflanzung der drei Platanen prüfen lassen. Das habe sich jedoch als sehr langwierig (mindestens ein Jahr Vorbereitung) und teuer (Kosten: 150.000 bis 270.000 Euro) herausgestellt. Zudem gebe es keine Anwuchsgarantie am neuen Standort. Vielmehr seien die Experten bei dieser Frage angesichts des Alters der Bäume sehr skeptisch gewesen, so Adams.

Letztlich habe der Stadtrat eine „Abwägungsentscheidung“ treffen müssen, betonten Adams und auch Oberbürgermeister Marc Weigel. Denn das Hotelprojekt samt Parkhaus und überdachter Radabstellanlage sei für die Stadtentwicklung extrem wichtig. Neustadt brauche zusätzliche Hotelbetten im Innenstadtbereich. Außerdem müsse die Stadt in der Nähe Ersatz für die wegen der Bahnhofsvorplatz-Umgestaltung wegfallenden Parkplätze anbieten. Diese seien zudem für Veranstaltungen und Tagungen im Saalbau wichtig. Und auch die überdachten und bewachten Radabstellplätze beim Hotel seien mit Blick auf die angestrebte Verkehrswende von großer Bedeutung, so Adams.

13 Neupflanzungen

Ihm sei bewusst, dass bei früheren Vorhaben beim Thema Erhalt/Fällung von Bäumen nicht alles optimal gelaufen sei. „Aber wir bemühen uns wirklich um den Erhalt von Bäumen. So bleibt am Bahnhofsvorplatz ja auch die große, alte Kastanie stehen“, sagt Adams. Außerdem sollen bei der Bahnhofsvorplatz-Umgestaltung auch 13 neue Bäume gepflanzt werden.

Adams betont: „Im Moment haben wir auf die drei Platanen keinen Zugriff mehr, da das Grundstück verkauft wurde. Aber das Gesamtprojekt ist genauso vom Stadtrat gewünscht worden.“ Dieser Hintergrund sei wichtig: „Wir können die Prozesse erklären.“

Er wolle das Gespräch mit den Initiatoren der Petition suchen. In der Petition sehe er zudem „keine Attacke“ auf das Bahnhofsprojekt. „Zur Hälfte geht es ja auch generell um den Erhalt der Bäume in Neustadt“, sagt Adams. Diese Einschätzung teile er, und in der Stadtplanung seien die Anstrengungen in diese Richtung verstärkt worden. So sollen bei Projekten immer möglichst viele Bäume erhalten werden. Zudem gebe es immer die Pflicht zu Neupflanzungen. „Wir haben auch schon in vielen Bereichen neu gepflanzt und Neustadt dadurch aufgewertet, etwa im Böbig, in der Wallgasse, im Rosengarten und im Kriegergarten“, zählt Adams auf. „Insofern sehe ich das alles nicht als Vorstoß gegen das Hotelprojekt, sondern vor allem als eine Bewusstseinsschärfung beim Erhalt von Bäumen.“

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