Neustadt
Bahn nimmt Proben vor Sanierung des Schrottplatzgeländes
Seit knapp 30 Jahren ist bekannt, dass sich im Untergrund des Areals an der Ecke Winzinger Straße/ Landauer Straße (B 39) Schadstoffe im Boden befinden. In den 1950er-Jahren sind dort zwei Tanks einer Tankstelle leckgeschlagen, Benzol gelangte ins Erdreich. Nicht lange danach gab es ein Zugunglück, bei dem Tankwaggons von den Gleisen gekippt sind. Wieder geriet Benzol in den Boden. Was alles durch die Rohstoffverwertung eines Unternehmens in die nur teilweise versiegelte Fläche drang, ist nicht bekannt. Vermutet werden Schwermetalle wie Blei.
Seit den 1990er-Jahren gehört das Gelände der Deutschen Bahn (DB). Sie verpachtete es zeitweise an die Rohstoffverwertungsfirma und später dann an einen Schrotthandel. 1992 war bereits Benzol im Grundwasser entdeckt worden. Das stelle zwar keine Gefährdung für das Grundwasser und somit für die Bürger dar, sei aber trotzdem nicht tragbar, so die Stadt. Laut Untersuchungen gibt es auf 10.000 Quadratmetern 13 mit Altlasten kontaminierte Flächen, die sich teilweise überlagern.
Acht zusätzliche Messstellen
Auf Drängen der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd muss die Bahn als Eigentümerin das Gelände sanieren, doch war dazu lange kein Geld im Bahn-Haushalt. Die SGD Süd verdeutlichte im April gegenüber der RHEINPFALZ: Eine Sanierung bedeutet nicht zwingend, dass der Boden vollständig dekontaminiert wird. Laut der Behörde ist das etwa an der Grundstücksgrenze in Richtung Bundesstraße 39 gar nicht möglich ohne „erhebliche Standsicherheitsprobleme mit entsprechenden Einschränkungen für die verkehrliche Situation“. Als Sanierung könnten auch Sicherungsarbeiten gelten, das Gelände müsse dann weiterhin über Messungen überwacht werden.
Nachdem die SGD Süd die von der Bahn 2020 vorgelegte Machbarkeitsstudie abgesegnet hat, befindet sich die DB nach eigenen Angaben nun in der Planungsphase der Sanierung. Dazu werden acht zusätzliche Messstellen in Tiefen bis zu 23 Metern aufgebaut, Boden- und Grundwasserproben entnommen. Dies sei erforderlich, „um die Sanierungsmaßnahme konkret konzipieren zu können“, wie eine Sprecherin der Bahn auf Anfrage mitteilt. Wie viele Messstellen es insgesamt sind, dazu liegen der Bahn-Pressestelle keine Angaben vor.
Sanierungsstart noch ungewiss
Wann die DB mit ersten Messergebnissen rechnet, steht noch nicht fest. Laut dem Unternehmen wurde bislang nur ein Teil der Proben entnommen. Die Untersuchungen nähmen mehrere Wochen in Anspruch. Wenn alle Ergebnisse vorliegen, würden sie als Ganzes betrachtet und bewertet. Erst dann könne der Sanierungsstart festgelegt werden.
In der Machbarkeitsstudie, die als Grundlage für das geplante Sanierungskonzept dient und die auch der Neustadter Stadtverwaltung vorliegt, spricht die Bahn über eine Dauer der Arbeiten von maximal sieben Jahren – je nachdem, wie viele Schadstoffe noch gefunden werden. Die Sanierung könnte sich auch nur über zwei Jahre ziehen, nämlich dann, wenn alle Schadstoffe im Boden bekannt sind. Wie lange auch immer sie dauert, das Grundwasser muss anschließend mehrere Jahre lang über ein sogenanntes Monitoring im Auge behalten werden.
Zu den Plänen, was mit dem Gelände geschehen soll, wenn es erst einmal saniert ist, äußert sich die Bahn auf Nachfrage nur sehr vage: Es schließe sich „temporär eine bahnbetriebsnotwendige Nutzung“ an. Auf die Nachfrage, ob es verkauft werden soll, hat die Bahn nach eigenen Angaben ebenfalls keine weiteren Informationen vorliegen.