Neustadt
Auswirkungen von 2G plus: Der nächste Gastronom schließt
Die Gästezahlen sind in der Neustadter Gastronomie fast überall immens eingebrochen. Während normale Belegungen die Ausnahme bleiben, klammern sich die meisten Gastronomen an letzte Strohhalme. Allein am Neustadter Marktplatz sahen sich drei Betriebe gezwungen zu schließen. Der Grund: die 2G-plus-Regelung und damit verbundene Umsatzeinbußen in den zurückliegenden Tagen. Der Schwarze Löwe, das Bistro Barbarossa sowie das City-Marktcafé haben bis auf Weiteres zu. Nun ist noch ein weiteres Restaurant hinzugekommen.
Stefan Braun, Inhaber des Restaurants Gimmeldinger Winzer, hat es zunächst mit reduzierten Öffnungszeiten versucht. „Es rentierte sich trotzdem nicht. Jetzt haben wir bis auf Weiteres geschlossen“, sagt er. Ihm ist anzuhören, dass ihm die Entscheidung nicht leichtgefallen ist. Eine Ausnahme ist Weihnachten: An den Feiertagen bewirtet er Gäste, die schon vor längerer Zeit Tische gebucht haben. „Aber auch da mussten wir schon drei Stornierungen entgegennehmen“, so Braun. Das seien Familien, von denen die älteren bereits eine Booster-Spritze erhalten hätten und die jüngeren Familienmitglieder keine Lust auf einen Testcenter-Besuch an den Feiertagen hätten.
Das Telefon bleibt still
Selbst Tests anzubieten, kam für ihn nicht in Frage: „Das ist zu aufwendig. Wir müssen uns gänzlich in Schutzanzüge hüllen, die Tests durchführen und dann den ganzen dazugehörigen Papierkram bewältigen“, meint der Gastwirt. Auch Speisen zum Mitnehmen sind für Braun kein Thema. Den Versuch habe er bereits im vergangenen Jahr unternommen: „Ich musste zu viele Lebensmittel wegwerfen, da ich dabei keine Planungssicherheit habe.“
Beim indischen Restaurant Maharaja hingegen werden Tests gemacht – im Innenhof, dort, wo im Sommer die Gäste sitzen. Die Selbsttests werden mitgebracht, getestet wird in Anwesenheit des Personals. „Für die Wartezeit bieten wir ihnen einen Chai oder einen Kaffee aufs Haus an“, berichtet Maharaja-Inhaber Simon Daniel. Er hat vergangene Woche tageweise sein Restaurant geschlossen, immer mit Blick auf die Reservierungslage. Hätten sich kurzfristig Gäste gemeldet, hätte er reagiert, so musste er vereinzelte Reservierungen stornieren. Stattdessen bot er einen Abhol- und Lieferservice an. „Am Donnerstag hatten wir auf, das Telefon hat genau null Mal geklingelt“, bedauert der Gastronom. Am Wochenende seien dann vier Tische belegt gewesen – immerhin. Ihm sei es wichtig, den Gästen zu erklären, warum er wie handelt. Und er bemerkt: „Die Leute sind sehr, sehr verständnisvoll.“
Anteil der Geboosterten noch zu gering
Daniel habe immer hinter den Corona-Vorgaben für die Gastronomie gestanden, auch wenn er einige Regeln durchaus hinterfragt habe. „Aber für die 2G-plus-Regel fehlt mir das Verständnis.“ Der Anteil der Geboosterten sei noch zu gering, als dass es sich positiv aufs Geschäft auswirken würde. „Damit rechne ich erst im Januar oder Februar.“
Im Oktober und November habe er noch gedacht, das beste Weihnachten seit der Eröffnung 2017 stünde bevor: 80 Reservierungen standen im Buch. Doch alle wurden in den vergangenen zweieinhalb Wochen storniert, einige wenige kamen hinzu. Für Silvester sehe es wieder besser aus. Trotzdem: Seine Köche aus Indien bangten um ihre Jobs. „Ich sage ihnen, es kommen bessere Zeiten. Aber wenn man selbst am Zweifeln ist, ist es schwer, positiv zu bleiben“, so Daniel.
Mehr als 400 stornierte Plätze
Im Restaurant Tafel & Wein in Königsbach ist man froh, überhaupt noch öffnen zu können. Dort wurden Öffnungszeiten wie auch Personal deutlich herunterfahren. „Wir freuen uns über jeden Gast, der zu uns findet“, sagt Restaurantleiterin Saskia Mai. Allerdings seien die Reservierungen merklich weniger als üblich in der Vorweihnachtszeit. Dazu kommen die Absagen von Weihnachtsfeiern. „Die Stornierungen großer Gruppen tun uns schon weh“, sagt sie. Sie schätzt die Anzahl der stornierten Plätze auf rund 200. An Heiligabend ist das Restaurant planmäßig geschlossen. Für die Weihnachtsfeiertage liegen nach aktuellem Stand schon einige Reservierung vor. Prinzipiell würden alle Speisen im Restaurant auch zum Mitnehmen angeboten. „Wir reagieren flexibel, bitten um vorherige Bestellung und Absprache“, bittet Restaurantleiterin Mai.
Hart getroffen haben die Auswirkungen von 2G plus auch das Restaurant Drei Engel in Winzingen. Mitarbeiterin Sabine Schwartz berichtet von 400 stornierten Plätzen innerhalb von einer Woche: „Das wären alles größere Gesellschaften gewesen, über die Tage verteilt.“ Aktuell kämen fünf bis zehn Personen pro Tag. Die Stimmung im Betrieb sei entsprechend mau. Über Weihnachten ist das Restaurant wieder geschlossen, jedoch wird eine spezielle Weihnachtskarte für den Abholservice angeboten. „Es gibt auch schon ein paar Bestellungen“, berichtet Schwartz. Und sie bleibt optimistisch: „Da müssen wir jetzt durch. Es kann nur besser werden.“
Lage vergleichsweise gut
„Bei uns ist alles gut“, sagt Christiana Mix von Restaurant Spinne in Haardt. „Wir sind gut ausgebucht.“ Sie könne sich glücklicherweise nicht beklagen. Aufgrund der Abstandsregelung seien natürlich weniger Tische zu belegen. Die 2G-plus-Regelung mache für sie kaum einen Unterschied. „Eigentlich haben wir die Verschärfung bei den Buchungen gar nicht bemerkt. Die meisten unserer Gäste sind geboostert und schreiben dies in ihrer Reservierungsmail dazu.“ Essen zum Mitnehmen werde in ihrem Restaurant gar nicht nachgefragt und sei deshalb auch nicht geplant.
Natürlich bekomme auch sie Stornierungen. „Doch wir freuen uns, dass wir die Tische gleich an anfragende Gäste weitergeben können“, so Mix. Auch an den Feiertagen sei das Restaurant gut belegt. Gründe für die positive Auslastung kann Mix nicht benennen. Sie handele auch nicht anders als in „normalen“ Zeiten, sagt sie. Sie wisse, dass einige ihrer Kollegen mit Schwierigkeiten kämpfen müssen. „Ich befürchte, dass die Monate Januar und Februar schwächer werden. Das ist jedes Jahr so, aber in dieser Saison bestimmt noch gruseliger als üblich.“