Neustadt „Aufstehen für den Wechsel“

Sie sind bekannt aus der Kommunalpolitik und neu auf dem Weg in die Landespolitik. Etwas nervös auf der ungewohnten Bühne, aber mit neuen An- und Vorsätzen präsentierten sich die vier Bewerber der CDU für die Landtagswahl im Wahlkreis Neustadt-Haßloch-Lambrecht am Mittwochabend in der Festhalle von Diedesfeld über 100 Parteimitgliedern.
Die CDU-Landtagsabgeordnete Brigitte Hayn zieht sich nach zehn Jahren auf eigenen Wunsch zurück. Was auf dem Spiel steht, unterstrich der Kreisvorsitzende Ingo Röthlingshöfer. „Die Chance, in Mainz wieder die Regierung zu übernehmen, war in den vergangenen 25 Jahren nie größer“, gab er den Optimismus für die Wahl im Frühjahr 2016 vor. Und obwohl dies eine gute Perspektive sei, den Wahlkreis wie vor fünf Jahren für die CDU zu gewinnen, sei dies kein Selbstläufer: „Mit dem Kandidaten oder der Kandidatin müssen wir vom ersten Tag an um jede Stimme kämpfen.“ Gekürt wird der Kandidat am 9. Juli bei einer Delegiertenversammlung, an der auch die Verbände aus Haßloch und Lambrecht teilnehmen. Für die Neustadter trifft der Kreisparteitag am 23. Juni eine Vorentscheidung. In Diedesfeld stand nur das Kennenlernen im Blickpunkt. Die Kandidaten stellten sich den Fragen von Moderator Tobias Meyer, dem ersten Beigeordneten von Haßloch. Dabei galt im ersten Teil der Überraschungseffekt – die drei Mitbewerber mussten während des Interviews und der Selbstvorstellung vor der Halle warten. Die Reihenfolge war zuvor ausgelost worden. Ernst Ohmer (58) brachte gleich Stimmung in die Halle. Mit der Forderung „Aufstehen für den Wechsel in Mainz“ machte er vor, dass die Mitglieder ihm folgen. Inhaltlich betonte er in seiner Rede die christlichen Werte innerhalb der Union. Der Leiter des Caritas-Altenzentrums St. Ulrich würde sich in Mainz vor allem mit dem demografischen Wandel befassen. Im Hinblick auf die Diskussion über Schulfusionen mit dem Landkreis und eine Integrierte Gesamtschule sagte Ohmer: „Wir müssen die Schulen und die Eltern mehr beteiligen an den Prozessen.“ Dirk Herber (35), Ortsvorsteher von Mußbach und Polizist, berichtete aus seinem Berufsalltag: „Ich spüre täglich, dass in unserer Gesellschaft Werte verloren gegangen sind.“ Er stehe für eine Politik rechts der Mitte, die noch lange nicht national sei. Das Land vernachlässige die Sicherheit der Bevölkerung. „Nur elf Prozent der Wohnungseinbrüche werden aufgeklärt. Wir laufen nur noch hinterher, weil keine Zeit für Prävention ist“, berichtete er aus der Polizeiarbeit. Stattdessen fließe das Geld in überflüssige Naturparks und den Nürburgring. Claudia Albrecht (50), Unternehmensberaterin und Ortsvorsteherin von Gimmeldingen, bezeichnete sich als Quereinsteigerin, die auch in der Politik für Service und Dienstleistungsgedanke stehe. Als Negativbeispiel, wie man es nicht machen solle, nannte sie die Umsetzung des Mindestlohns, der für große Probleme in Gastronomie und Weinbau sorge. Auf die Frage aus dem Publikum, für welchen Mindestlohn sie sich ausspreche, wollte sie sich nicht festlegen lassen: „Aber die 8,50 Euro sind zu wenig.“ Alexander Graf (57), selbstständiger Ingenieur aus Lachen-Speyerdorf, würde sich im Landtag „für Heimatnähe und soziale Marktwirtschaft einsetzen“. Es nütze nicht, dass die Landesregierung eine Ehrenamtskarte einführe, aber in der Praxis die ehrenamtliche Arbeit behindere, wie bei der Diskussion um die Markierungsrechte im Pfälzerwald. Der Ausgang des Rennen scheint offen. Klar ist, dass Giorgina Kazungu-Haß, die Kandidatin der SPD aus Haßloch, als ehemaliges Mitglied des SPD-Landesvorstands eine Konkurrentin sein wird, die der CDU das Leben schwer machen kann. (wkr)