Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Antworten vom Arzt: Was tun bei unkontrolliertem Urinverlust?

Beckenbodentraining ist eine Möglichkeit, um ständigen Harndrang in den Griff zu bekommen.
Beckenbodentraining ist eine Möglichkeit, um ständigen Harndrang in den Griff zu bekommen.

Eine Stunde lang hat Hetzelstift-Chefarzt Gerald Staudenmaier am Dienstag Fragen von RHEINPFALZ-Leserinnen zum Thema Urinverlust beantwortet. Zwei Anrufe verblüfften.

Eine Stunde nahm sich Gerald Staudenmaier, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe am Neustadter Hetzelstift-Krankenhaus, am frühen Dienstagabend Zeit, um Fragen von RHEINPFALZ-Leserinnen rund ums Thema unwillkürlicher Urinverlust und Beckenbodensenkung zu beantworten. Dass in der Stunde regelmäßig das Telefon klingelte, bestätigte Staudenmaiers These, wonach jede zehnte Frau davon betroffen sei. Ihm sei es daher wichtig, dass das bisher oft schambesetzte Problem angesprochen und nicht einfach hingenommen werde. „Denn wir können da helfen“, so Staudenmaier.

Gerald Staudenmaier
Gerald Staudenmaier

Details konnte der Chefarzt am Telefon natürlich nicht besprechen, aber den Anruferinnen schon erste Wege aufzeigen, ihnen Ängste nehmen und sie ermuntern, zur Untersuchung und Beratung zu kommen. So meldete sich eine 75-Jährige, die vor ein paar Jahren bereits bei Staudenmaier wegen Inkontinenz in Behandlung war – damals ohne Operation. Jetzt nehmen die Probleme zu, schilderte die Anruferin. Der Mediziner bat sie, einen Termin in der Klinik zu vereinbaren. Er werde sich alles ansehen. Es könne sein, dass nun eine Operation nötig sei. Eine 69-Jährige konnte Staudenmaier erst einmal beruhigen. Wer sich mit dem Problem Urinverlust in der Frauenklinik melde, werde auf keinen Fall „gleich auf den OP-Tisch gezerrt“. Es erfolge in der regelmäßigen Sprechstunde zu diesem Spezialgebiet erst einmal eine Untersuchung. Gemeinsam würden dann die Ergebnisse beraten. „Danach entscheiden wir gemeinsam, welche Behandlungsmethode wir wählen“, betonte Staudenmaier.

Neu: VR-Brille im OP-Saal

Er freute sich über jede Anruferin, denn dieser erste Schritt, sich Rat zu holen, sei enorm wichtig: „Wir haben so gute Möglichkeiten zu helfen.“ Die Betroffenen müssten sich eben nur trauen, das Thema bei einem Arzt anzusprechen. Einer 81-Jährigen konnte Staudenmaier Mut zusprechen. Er ermunterte sie zur Terminvereinbarung für die Sprechstunde und erläuterte, dass selbst im Falle einer Operation nicht zwingend eine Vollnarkose erforderlich sei. Meist reiche eine örtliche Betäubung über eine Spritze. „Außerdem wollen wir auch VR-Brillen anbieten. Die Patientinnen schauen dann für die Dauer des Eingriffs einen Film“, so Staudenmaier. Eine Anruferin beruhigte er: „Sie haben nichts falsch gemacht. Sie haben Kinder geboren und hart gearbeitet. Jetzt leiden Sie unter einer Bindegewebsschwäche, die das Alter mit sich bringt. Aber wir können da helfen.“ Das sei auch wichtig, weil sich die Betroffenen sonst aus dem öffentlichen Leben zurückziehen – aus Angst, nicht überall Zugang zu einer Toilette zu haben, erläuterte der Chefarzt.

Mitten in diese intensive Beratung kamen zwei für Staudenmaier verblüffende Anrufe. Eine Frau aus Mannheim wollte einfach Danke sagen. Sie sei 2011 von ihm in Neustadt operiert worden, seither sei die Beckenbodensenkung samt aller Probleme behoben. „Das freut mich. Wir können mit dieser Art OP tatsächlich dauerhafte Erfolge erzielen“, sagte Staudenmaier. 180 solcher Eingriffe nehme die Frauenklinik am Hetzelstift im Jahr vor. Insgesamt kommen jährlich 300 bis 350 Betroffene in die Sprechstunde. Zwei Drittel würden operiert, bei einem Drittel könne man mit einer konservativen Behandlung helfen, so Staudenmaier. Die Operationen erfolgten zudem schonend und ohne große Schnitte am Bauch. Zum Teil könne man Betroffenen auch mit Botox-Injektionen in die Blase helfen. Das reduziere den Harndrang für gut ein Jahr.

Hilft Beckenbodentraining?

Und dann der zweite verblüffende Anruf: Die Sprechstunde war ja gezielt für Frauen gedacht. Und doch meldete sich auch ein Mann. Er wollte wissen, ob es stimme, dass Beckenbodentraining helfen könne. Staudenmaier antwortete auch da gerne: Ja, die Übungen könnten hilfreich sein, und man könne sie gut in den Alltag integrieren. „Wichtig ist, dass man bei einem Physio gezeigt bekommt, wie die Übungen richtig funktionieren.“

Über das Thema Urinverlust und Bockenbodensenkung, die Symptome und Behandlungsmöglichkeiten spricht Gerald Staudenmaier zudem am Mittwoch, 26. Februar, ab 16 Uhr in einem kostenfreien Vortrag im GDA Wohnstift in der Haardter Straße. Organisiert wird diese Reihe vom Hetzelstift-Förderverein.

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