Neustadt Wenn die Blase zu oft drückt: Hetzelstift-Chefärzte informieren über Inkontinenz
Rund zehn Millionen Deutsche leiden unter Inkontinenz. „Das ist jeder achte“, verdeutlich Gerald Staudenmaier, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Neustadter Hetzelstift-Krankenhaus. Er vermutet eine „viel höhere Dunkelziffer, denn das Thema ist sehr schambehaftet“. Kein Wunder: Schließlich handelt es sich bei Inkontinenz um die mangelnde Fähigkeit eines Körpers, Urin oder Stuhl zu halten oder kontrolliert abzugeben.
Doch Staudenmaier betont: „Niemand muss sich schämen, denn niemand kann etwas für diese Erkrankung.“ Daher nutzt er mit seinen Neustadter Chefarzt-Kollegen Tobias Lingenfelder (Urologie) und Christoph Justinger (Chirurgie) die Welt-Kontinenz-Woche, um am Mittwochnachmittag umfassend über die Harninkontinenz-Krankheitsbilder bei Männern und Frauen sowie die Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Justinger wird sich zudem mit dem Thema Stuhlinkontinenz befassen.
Inkontinenz sei ein Riesenthema, betont Staudenmaier – obwohl niemand darüber rede. Aber er erkenne dies in Geschäften: „Da ist die Windelabteilung für Erwachsene inzwischen größer als die für Babys.“ Staudenmaier hofft, dass das Informationsangebot am Mittwoch angenommen werde. Denn Menschen, die unter Inkontinenz leiden, ziehen sich häufig aus dem öffentlichen Leben zurück und vereinsamen. Das müsse aber nicht sein, sagt Staudenmaier. „Es gibt viele Hilfsmöglichkeiten jenseits von Windeln und Kathetern.“ Die Patienten müssten sich eben nur ein Herz fassen, zu ihrem Problem stehen und Ärzte um Rat fragen.
Schnelle Operation
Man unterscheidet laut Staudenmaier zwei Formen von Inkontinenz. Bei der Belastungsinkontinenz komme es ungewollt zum Urinverlust, wenn jemand huste, lache, niese oder beim Nordic-Walking bergab gehe. Außerdem gebe es die Dranginkontinenz, bei der die Betroffenen „gefühlt alle halbe Stunde aufs Klo müssen“. Wer darunter leide, kenne in der Regel alle öffentlichen Toiletten in seiner Umgebung. Weil es dann eben schnell gehen müsse. Betroffen sei vor allem die Generation ab 55. Aber er habe auch schon jüngere Patienten behandelt. Daher sei es wichtig, keinen „zu langen Leidensweg“ in Kauf zu nehmen, sondern um ärztliche Hilfe zu bitten. Die sei nämlich meist möglich. Staudenmaier verweist bei der Dranginkontinenz auf Medikamente, das Einsetzen von Blasenschrittmachern oder aber die Botox-Behandlung der Blase. Bei Patienten mit Belastungsinkontinenz werde ein Band unter die Harnröhre gelegt. „Der Eingriff dauert 25 Minuten, die Patienten sind eine Nacht im Krankenhaus“, so Staudenmaier. „Das Krankheitsbild können wir oft leicht beheben.“ Das gelte auch für die Stuhlinkontinenz, bei der auch Schrittmacher verwendet werden oder der Schließmuskel verstärkt wird.
Info
„Raus aus der Tabuzone – Welt-Kontinenz-Woche“: Unter diesem Motto laden die drei Chefärzte des Marienhaus Klinikums Hetzelstift, Gerald Staudenmaier, Tobias Lingenfelder und Christoph Justinger, für Mittwoch, 16 bis 18 Uhr, zu Vorträgen ein. Es geht um Harninkontinenz bei Frauen und Männern sowie Stuhlinkontinenz. Die Veranstaltung ist in der Krankenhaus-Cafeteria. Der Parkplatz am Hetzelstift kann in dieser Zeit kostenlos genutzt werden.