Hassloch
Andechser Bierfest: Wieso das Festzelt schließen musste (mit Bildergalerie und Video)
Wenn ein ganzes Dorf im Ausnahmezustand ist, dann ist Andechser Bierfest. Vier Tage lang hallte Musik durch die Straßen, hoben sich Maßkrüge im Takt, und im Festzelt bebten die Bänke. Von Katerstimmung war auch am Sonntagnachmittag nichts zu spüren. Im Gegenteil: Während auf der Bühne „Die zwoa Spitzbuam“ ein „Prosit der Gemütlichkeit“ anstimmten, reckte das Publikum die Biergläser in die Höhe. Eine Choreographie, die in den vergangenen Tagen fleißig geübt worden ist. Dazu gab es für viele ganz traditionell Haxe.
Offiziell eröffnet wurde das größte Bierfest der Pfalz zwar erst am Freitag, doch rund 800 Menschen, die eines der begehrten Tickets für den Krönungsabend ergattern konnten, stimmten sich bereits am Donnerstag auf das Fest ein. Wie beliebt dieser Auftakt ist, zeigte sich beim Ticketverkauf: Innerhalb von fünf Minuten waren alle Karten vergriffen – diesmal streng limitiert, personalisiert und ausschließlich online erhältlich. Dass der Kartenkauf in diesem Jahr anderen Regeln folgte, gefiel nicht allen. Nach den Problemen im Vorjahr sei das neue System aber notwendig gewesen, um die Sicherheit im Zelt zu gewährleisten, erklärte Bürgermeister Tobias Meyer (CDU).
Neue Bierhoheiten gekrönt
Der Feierlaune der Besucher tat das keinen Abbruch. Während draußen der Regen auf das Zelt trommelte, kochte die Stimmung im Inneren, noch bevor die neue Bierkönigin die Bühne betrat. Menschen standen auf den Bänken, prosteten einander zu und sangen lauthals mit. „Für mich ist die Krönung der Höhepunkt des Fests“, erklärte Werner Schmid, Vertreter des Partnerlandkreises Starnberg, der den symbolischen Bierkrug an die neuen Majestäten übergab und zugleich die Patenschaft für die Bierhoheiten übernahm. Im kommenden Jahr werden sie Haßloch und die Region auf Messen, Umzügen und Festen repräsentieren.
Die bisherige Bierfestkönigin Emelie Franke verabschiedete sich sichtlich bewegt: „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es war eine unvergessliche Zeit.“ Ihre Nachfolge tritt die 24-jährige Celina Nicole Usner an, die zur zwölften Andechser Bierkönigin gekrönt wurde. „Das Gefühl ist unbeschreiblich“, sagte sie. An ihre Seite rückte die Haßlocherin Simone Dreier als Prinzessin, die versprach, ihr Amt mit „Stolz, Charme und Heimatverbundenheit“ auszufüllen. Bürgermeister Meyer erinnerte an die noch junge Tradition des Krönungsabends: „Erst vor wenigen Jahren eingeführt, ist er schon heute ein Höhepunkt. Und ihr, liebe Hoheiten, habt Haßloch glänzen lassen.“
Fassanstich mit „Sicherheitsschlägen“
Nach dem Umzug vom Pfalzplatz zum Jahnplatz, dessen Start sich wegen eines medizinischen Notfalls verzögerte, fiel am Freitagabend dann auch offiziell der Startschuss. In diesem Jahr griff der neue Bezirkstagsvorsitzende der Pfalz und ehemalige Haßlocher Bürgermeister, Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld, zum Hammer.
Mit kräftigem Schlag und „drei Sicherheitsschlägen“ zapfte Ihlenfeld das erste Fass an, während sich vor der Bühne bereits eine Menschentraube gebildet hatte, die auf Freibier hoffte. „Der Landkreis Bad Dürkheim ist stolz darauf, dass Haßloch das größte Bierfest der Pfalz ausrichtet. Das ist eine großartige Leistung“, so Ihlenfeld.
Großer Besucherandrang am Samstag
Am stärksten besucht war jedoch der Samstagabend. Dreimal musste das Zelt wegen Überfüllung vorübergehend geschlossen werden. „Der DJ hat uns die Hütte abgerissen“, berichtet Festwirt Ralf Mühlberger am Sonntag. Auch Gunther Metz, Veranstaltungsmanager der Gemeinde, zeigte sich überrascht: „Das haben wir nicht erwartet. Es war unglaublich gut besucht, die Stimmung war toll.“ Schon der Freitag sei gut angenommen worden, habe sich jedoch später spürbar geleert – wohl wegen der Kälte. Kurzfristig sei deshalb sogar eine Heizung organisiert worden, ein Novum.
Ebenfalls „ein voller Erfolg“ sei das Weißwurstfrühstück auf dem Riesenrad gewesen, das dieses Jahr zum ersten Mal angeboten wurde. Insgesamt zieht er ein positives Fazit: „Wir sind sehr zufrieden.“ In der Spitze seien bis zu 13.000 Menschen gleichzeitig auf dem Fest gewesen, insgesamt rund 50.000 und damit trotz schlechten Wetters etwa so viele wie im Vorjahr.
Stimmen aus dem Zelt: Von Nostalgie bis Kritik
Wer im Festzelt Platz nahm, brachte nicht nur Durst, sondern auch Meinung mit. Eine Zwölfergruppe aus Haßloch und Elmstein traf sich am Samstag bereits um 11 Uhr zum Frühschoppen. Für sie ist das Bierfest „Pflichtprogramm“, doch nicht alles überzeugte: „Wir wollen die Blaskapelle Frieding zurück“, hieß es. Auch die Sitzbänke wurden kritisch betrachtet: „Wenn drei Leute draufstehen, biegen die sich schon durch.“
Renate und Fritz aus Ottersheim (Kreis Germersheim) waren zuletzt vor 20 Jahren auf dem Andechser Bierfest. „Wir haben die Ankündigung im Freizeitmagazin Leo gelesen und dachten, wir müssen mal wieder kommen“, erklärt Renate und Fritz ergänzt lachend: „Wir gehen dem Bier nach.“ In zwei Jahrzehnten habe sich das Fest verändert, heute sei mehr Rummel dabei als früher – Spaß mache es dennoch wie in alten Zeiten.
Jörg, gebürtiger Haßlocher, inzwischen weggezogen, war mit seiner Frau Thalia da: „Das Andechser ist Tradition, man sieht bekannte Gesichter wieder.“ Doch diesmal wirkten Zelt und Deko auf ihn „kleiner, kühler“. Früher auf dem Rathausplatz sei es lebendiger gewesen. „Mit Kindern geht man aber ohnehin mehr auf den Rummel.“
Erstmals Weißwurstfrühstück auf dem Riesenrad
Beim Musikangebot beim Pre-Opening „scheiden sich die Geister“, sagten Christoph, Pascal, Tim und Torben aus Haßloch, doch das Weißwurstfrühstück auf dem Riesenrad sei „mega cool“ gewesen – sogar die Blaskapelle sei eine Runde mitgefahren. David, Meike und Julian brachen sogar ihren Norwegen-Urlaub ab, um rechtzeitig zurück zu sein: „Wir schätzen das Bier und die Gesellschaft hier.“
Schlagzeuger Lars von der Band „Die Testsieger“ schwärmt vorm Auftritt: „Haßloch ist wie ein kleines Heimspiel. Wir sind schon zig Mal hier gewesen.“ Und Bernd, ein Münchner, der seit zwei Jahren in Haßloch lebt, zog den Vergleich zur Heimat: „Normalerweise trinken die Pfälzer Wein und die Bayern Bier. Aber die Stimmung und Freundlichkeit sind gleich.“ Ans Oktoberfest reiche das Andechser aber nicht heran.
Premiere für neue Festzeltwirte
Für die meisten Besucher ist das Fest ein liebgewonnenes Ritual, für drei Männer aber war es eine Premiere: Die Festwirte von Luminara Events brachten ein neues Konzept ins Zelt: Kartenzahlung am Tisch, dichtes Programm und einen Mix aus bayerischer und pfälzischer Küche. „Es lief wunderbar, ganz toll. Haßloch hat unser Konzept angenommen, zog Ralf Mühlberger am Sonntag Bilanz. Ob Luminara auch 2026 das Festzelt betreiben wird, ist zwar noch offen, der Wirt sagt: „Zu 95 Prozent.“
Das würde auch Veranstaltungsleiter Metz begrüßen: „Wir hatten eine sehr gute Zusammenarbeit. Sie haben fantastische Arbeit geleistet mit guten Ideen, gutem Service, starkem Caterer, tollen Abläufen und einem sauberen Zelt. Die Jungs sind großartig.“
Regen macht sich im Umsatz bemerkbar
Während im Zelt gefeiert wurde, spürten Beschicker und Vereine im Ortskern das Wetter. „Am Freitag war es für Andechser-Verhältnisse relativ ruhig“, sagte Daniel Mischon, der am Ausschank der CDU in der Leo-Loeb-Straße stand. „Aber am Samstagabend war es voll, die Testsieger haben die Leute gezogen. Insgesamt war es ein schönes, friedliches Andechser“, so seine Einschätzung.
Deutlich weniger los war laut Niklas Heil wetterbedingt auch am Stand des Carnevalvereins. Nicole Fützenreiter, Vorsitzende des Tierschutzvereins, sprach von einem „schleppenden Samstag“, am Sonntag dagegen von „wesentlich mehr Betrieb“. Beim Stand von „The Space“ zog Emely Riebel ein ähnliches Fazit: „Es waren weniger Leute als im Vorjahr, aber die haben mehr getrunken, also mehr Umsatz.“
Auch die Polizeiinspektion Haßloch zog am Sonntag eine erste Bilanz: Es sei ruhig gewesen, nur die „üblichen Vorfälle“ hätten die Beamten beschäftigt. Eine endgültige Auswertung soll erst am Montag erfolgen. Dann ist das 36. Andechser Bierfest offiziell zu Ende.
