Hassloch / Zeiskam
Andechser Bierfest: Wieso der FCK-Weinhändler das Bier liefert (mit Video)
Zwischen hohen Regalwänden verliert sich das Licht. Kartons mit Wein und Spirituosen stapeln sich in der Lagerhalle des Weinhändlers Bührmann am Standort Zeiskam (Landkreis Germersheim). Hier, wo normalerweise Riesling, Grauburgunder und Gin die Regale füllen, dreht sich in diesen Tagen alles ums Bier. Ums Andechser Bier.
„Das hier ist unsere Andechser-Ecke“, sagt Christian Holz, während er durch die Halle führt. Der 36-jährige Kaiserslauterer ist zuständig für die Betreuung von Großkunden in Rheinland-Pfalz und im Saarland und dafür, dass auf dem Andechser Bierfest in Haßloch der Gerstensaft nicht ausgeht. Deshalb lagern in einer Ecke der Halle rund 1000 Bierfässer in verschiedenen Größen. Ordentlich aufgereiht und auf Paletten gestapelt, etikettiert mit dem geschwungenen Schriftzug der Klosterbrauerei Andechs. Neben Fässern aus Edelstahl und Kunststoff fällt ein Exemplar sofort ins Auge: dunkel, schwer, aus Holz. „Das ist das Anstichfass für den Eröffnungsabend“, erklärt Holz. „Echtholz, von den Mönchen befüllt. Dass die das noch so hinkriegen, ist wirklich besonders.“
Zwischenlager für den „Heiligen Berg“
Das Bier, das in Haßloch ausgeschenkt wird, kommt direkt aus der Klosterbrauerei. Auf dem „Heiligen Berg“ oberhalb des Ammersees brauen Benediktinermönche in Handarbeit, nach jahrhundertealter Tradition. 80 Prozent der Gewinne fließen in wohltätige Zwecke. „Das Bier fürs Fest wird eigens für uns gebraut“, betont Holz.
Rund zwei Wochen vor Festbeginn rollen die ersten Lastzüge aus Oberbayern in die Pfalz. Acht Tage lang befördern sechs Lkw-Züge insgesamt 40.000 Liter Bier nach Zeiskam. „Wir sind hier quasi das Zwischenlager“, sagt Holz, „von hier aus beliefern wir das gesamte Fest.“ 80 Prozent des Vorrats gehen direkt aufs Festgelände nach Haßloch, 20 Prozent bleiben in Zeiskam – als Reserve. „Wir können jederzeit nachliefern“, sagt Holz.
Wein als DNA, Bier als Ausnahme
Es ist das zweite Jahr, in dem das Andechser Bierfest durch Bührmann beliefert wird. Seit fast 100 Jahren beliefert das Familienunternehmen aus Moers am Niederrhein Kunden in ganz Deutschland. „Unsere DNA ist ganz klar der Wein. Vergangenes Jahr wurden wir als Weinhändler des Jahres ausgezeichnet“, erklärt Holz. Zum Kundenkreis gehören Restaurants, Vereine, Händler und auch der 1. FC Kaiserslautern. „Das ist einer unserer großen Kunden“, sagt der Lauterer, während er eine Flasche aus dem Regal nimmt, auf deren Etikett das Logo der Roten Teufel prangt. „Eine Woche im Jahr schlägt unser Herz jedoch fürs Bier – fürs Andechser Bier“, sagt er schmunzelnd.
Die Vorbereitungen auf das Bierfest laufen jedoch das ganze Jahr. „Ein Fest in dieser Größenordnung ist auch für uns eine besondere Herausforderung. Vor dem Andechser ist nach dem Andechser“, sagt der 36-Jährige. Und da gilt es, vorbereitet zu sein. Dass das Bier ausgeht, könne man sich nicht leisten.
Vom Rückgang zur Rekordnachfrage
Vor Corona sei der Bierkonsum auch beim Andechser Fest stark zurückgegangen. „Wir waren bei 150 Hektolitern“, erinnert sich Holz. Im vergangenen Jahr wurden 300 Hektoliter verkauft. In diesem Jahr hofft man auf 400. „Wir sind vorbereitet und freue uns“, sagt Holz.
Doch vorbereitet zu sein, heißt auch vorzufinanzieren. Rund 150.000 Euro steckt Bührmann allein in die Ware, noch bevor der erste Krug gezapft wird – ohne Logistik, ohne eigenes Personal. „Wenn statt zwei Lkw ein dritter nötig wird, frisst allein der Transport Tausende Euro“, erklärt Holz. Das finanzielle Risiko sei groß. Alles, was nicht getrunken wird, bleibt bei Bührmann. „Wenn das Wetter schlecht ist oder ein Anschlag die Leute fernhält, bleiben wir darauf sitzen.“
Premiere für Wormser Veranstalter
Nicht nur beim Weinhändler in Zeiskam steigt die Anspannung, je näher der Festauftakt rückt. In diesem Jahr übernimmt zum ersten Mal die Wormser Eventfirma Luminara das Herzstück des Andechser Bierfests: das große Festzelt. Gegründet während der Corona-Zeit, als viele Veranstalter ihre Aktivitäten einstellen mussten, besteht das Team aus drei langjährigen Freunden aus den Branchen IT und Sicherheit. Étienne Riebel, 32, bringt seine Erfahrung aus Medien-, Grafik- und Videoproduktion ein.
„Wir haben klein angefangen, mit Studentenpartys, Stadtfesten, Konzerten“, sagt Riebel. Ein Fest in der Dimension des Andechsers sei eine neue Herausforderung. Für die Veranstalter bedeutet das vor allem logistische und organisatorische Höchstleistung. Allein die Gläser füllten einen kompletten Lkw, sagt Riebel. Hinzu kommen Bühne, Licht, Ton, Kassensysteme und die gesamte technische Infrastruktur.
Neues Konzept fürs Festzelt
Kulinarisch will Luminara mit der Bewirtung zurück zu den Wurzeln. „In den vergangenen Jahren gab es oft nur belegte Brötchen, teils weil Caterer kurzfristig abgesprungen sind“, sagt Riebel. „Wir wollen richtiges Festessen anbieten: Haxe, Grillhähnchen, Pfälzer Teller, Käsespätzle.“
Musikalisch setzt Luminara auf Kontinuität. Livebands wie Grand Malör sowie Radio-DJs sollen auf der Bühne für Stimmung sorgen – ganztägig, lückenlos, abwechslungsreich.
Für Riebel und sein Team bedeutet das akribische Vorbereitung. Vom ersten Tag an muss alles stimmen, jede Bewegung sitzen, jeder Ablauf greifen. „Es ist unsere Premiere in dieser Größenordnung“, sagt Riebel, „aber wir wollen zeigen, dass wir ein Fest auf höchstem Niveau liefern können.“
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