Neustadt „Am Ende der Fahnenstange“
Vor 50 Jahren gegründet, rund 1000 Schüler, 29 Lehrkräfte, davon 24 fest angestellte: Die Haßlocher Musikschule, eine der größten im Land, stellte Kulturdezernent Tobias Meyer (CDU) zu Beginn der Runde vor, zu der die SPD-Landtagsabgeordnete Giorgina Kazungu-Haß eingeladen hatte. Am Gespräch nahmen neben der Verwaltungsspitze Vertreter des Landesverbands Musikschulen, des Schulbeirats und des Fördervereins der Haßlocher Einrichtung teil. Die Ausgaben für die Haßlocher Musikschule bezifferte Meyer auf jährlich 1,15 bis 1,2 Millionen Euro. Der Zuschuss der Gemeinde betrage etwa die Hälfte (aktuell 620.000 Euro), das Land übernehme mit 85.000 Euro sieben Prozent, und der Rest von 451.000 Euro werde über Gebühren finanziert (35 Prozent). Stolz sei die Gemeinde auf die Zusammenarbeit mit externen Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Grundschulen und Hannah-Arendt-Gymnasium. Meyer und Bürgermeister Lothar Lorch (CDU) betonten, dass sich die Gemeinde die Musikschule etwas kosten lasse. Dennoch komme man sowohl bei den Zuschussmöglichkeiten als auch bei der Belastung der Eltern mit Gebühren „ans Ende der Fahnenstange“, so Meyer. Die Ausgaben für die Musikschule stellten einen „großen Batzen“ bei den freiwilligen Leistungen dar. Obwohl in Haßloch „keine horrenden Gebühren“ verlangt würden, hätten in der Vergangenheit Erhöhungen zu sinkenden Schülerzahlen geführt. Meyer wünschte sich „weitere Möglichkeiten der Finanzierung“. Er gab auch zu bedenken, „dass wir irgendwann Geld in die Hand nehmen müssen, um das Gebäude in Ordnung zu bringen“. 97 Prozent der Kosten sind nach seinen Angaben Ausgaben für Personal. Zwar sei der Betrieb der Musikschule mit Honorarkräften günstiger möglich, aber er betonte, dass man weiter auf die Arbeit von fest angestellten Musiklehrern bauen wolle. Das unterstrich Kazungu-Haß: Mit Honorarkräften lasse sich nicht unbedingt Geld sparen. Ohne Festanstellung bestehe immer die Gefahr, dass eine Lehrkraft die Musikschule wegen eines besseren Angebots verlasse – und auch noch Schüler „mitnimmt“. Für die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion geht die Bedeutung von Musikschulen darüber hinaus, Instrumente zu lernen: Sie wirkten auf vielfältige Weise in Kommunen hinein. Mit der Erhöhung der Landeszuschüsse – von 1,65 Millionen (2018) auf 2,05 Millionen Euro (2020) – sei ein Level erreicht, mit dem man arbeiten könne. Die Akzeptanz der Haßlocher Musikschule sei groß, sagte Förderkreis-Vorsitzender Rainer Eckelmann. 950 Mitglieder habe der Förderkreis, der innerhalb von 25 Jahren 280.000 Euro aufgebracht habe. Die Anschaffung von 120 Leihinstrumenten sei durch diese Förderung möglich geworden. Christoph Utz, Vorsitzender des Landesverbands Musikschulen, nannte die Haßlocher Musikschule eine der am besten ausgebauten im Land. Den meisten Einrichtungen gehe es aber „nicht so gut“. Zwischen 2007 und 2017 seien die Kosten der Musikschulen im Land um 17 Prozent gestiegen. In der Folge werde immer weiter an der „Gebührenschraube“ gedreht. Nicht mehr alle Eltern aus den mittleren und unteren Einkommensbereichen könnten sich diese Ausgaben noch leisten. Das widerspreche dem Ansatz, allen Teilhabe an der Musik zu ermöglichen. Häufig würden freiwerdende feste Stellen durch Honorarkräfte ersetzt. All das führe zu „Substanzverlust“. Eine Drittel-Finanzierung – Land, Kommunen und Eltern übernehmen je ein Drittel der Kosten – würde nach Ansicht von Utz die Zukunft der Musikschulen sichern. Aber das hält er wie auch Thomas Germain, Schatzmeister des Landesverbandes Musikschulen, für „Wunschdenken“. Wenigstens die elementare Musikpädagogik solle gebührenfrei sein, so Utz. Einführungsangebote weckten bei Kindern den Wunsch, an der Musikschule weiterzulernen. Konrad Wolf betonte den Anspruch der Landesregierung, dass alle Menschen Zugang zu kulturellen Angeboten bekommen sollten. Musikschulen spielten da eine zentrale Rolle und dienten häufig als „Türöffner“, sagte der Kulturminister, der das Land in diesem Bereich „nicht schlecht aufgestellt“ sieht. Er wies darauf hin, dass im Landeshaushalt die Zuschüsse für Musikschulen seit 2018 um 400.000 Euro erhöht worden seien: Mit der Förderung liege Rheinland-Pfalz über dem Durchschnitt der Flächenländer. „Musikschulen gewinnen nicht, wenn sie billig sind, sondern wenn die Akzeptanz in der Bevölkerung hoch ist“, sagte Wolf. Gerade Fördervereine wie in Haßloch schafften die Voraussetzung für eine „positive Grundatmosphäre“. Skeptisch beurteilte Wolf die Frage, ob Zuschüsse der Kommunen Pflichtleistungen sein sollten. Das schränke die kommunale Entscheidungsgewalt ein, so der Kulturminister: Kommunen müssten einen Spielraum haben, um selbst Prioritäten setzen zu können. Jörg Zintl, Vorsitzender des Schulbeirats, sah die Haßlocher Musikschule vor einem strukturellen Umbruch. Er wies darauf hin, dass viele Berufstätige interessiert seien, Kurse zwischen 16 und 19 Uhr zu belegen. Es fehle aber an Raumkapazitäten und auch an Geld, die Musikschule „fit zu machen“. Hier wäre seiner Ansicht nach das Land gefordert. „Nicht den billigen, sondern den effizienten Jakob“ : Darum gehe es, sagte der 2. Beigeordnete Ralf Trösch (SPD), der bei rund 600 Euro Kosten pro Schüler wissen wollte, „wo wir im Vergleich mit anderen stehen“. Die Vertreter des Landesverbands entgegneten, Musikschulen seien wegen der unterschiedlichen Struktur schwer miteinander zu vergleichen.