Geschichten aus der Geschichte
Als der VfL Neustadt noch in der Mußbacher Landstraße gespielt hat ...
Drei der Fußballvereine der Region, deren Erste Mannschaften am Sonntag in der Fußball-Bezirksliga Vorderpfalz oder der A-Klasse Rhein-Mittelhaardt Punktspiele bestreiten, haben eine Gemeinsamkeit: Sie mussten in ihrer sämtlich über einhundertjährigen Vereinsgeschichte mehrmals den Standort wechseln. Während TuS Niederkirchen und 1. FC 08 Haßloch, die um 15.30 Uhr auf der Niederkirchener Sportanlage aufeinandertreffen, bereits seit mehreren Jahrzehnten auf dem gleichen Gelände antreten, betreten die Teams des VfL Neustadt im wahrsten Sinne des Wortes Neuland. Das um 16 Uhr angesetzte Heimspiel des VfL in der A-Klasse gegen den ASV Waldsee ist das erste, das der VfL nach über 50 Jahren wieder im Stadion austrägt. Es gibt sogar Zeitzeugen, die sich an eine noch frühere Heimstätte des VfL erinnern.
VfL an Mußbacher Landstraße
„Als ich 1942 begann, im VfL Neustadt Fußball zu spielen, verfügte der Verein noch über ein eigenes Gelände an der Mußbacher Landstraße. Dies war dort, wo sich zuvor das Autohaus Holz befand“, erzählt Kurt Staiger (94), mit der älteste noch lebende frühere aktive VfL-Fußballer. Der Verein entstand 1928 in einer Fusion der Neustadter Vereine FC Pfalz 1907, SV Olympia 1913 und Germania 1926, der nach dem Zweiten Weltkrieg von der französischen Besatzungsmacht verboten, aber bereits am 16. Februar 1946 erneut gegründet worden war. „Von 1948 bis 1950 spielte auch Stürmer Karl Wanger bei uns. Er stammte aus Rülzheim und wechselte vom VfL zum 1. FC Kaiserslautern, mit dem er 1951 und 1953 deutscher Meister wurde“, erzählt er. Wanger war sieben Jahre im FCK, danach von 1957 bis 1963 im VfR Frankenthal aktiv.
Als Staiger und Wanger gemeinsam das VfL-Trikot trugen, war der Neustadter Traditionsverein zum ersten Mal ins Neustadter Stadion umgezogen. „Wir haben gesagt bekommen, dass wir im Stadion immer die Nummer eins werden“, erinnert sich der Senior. Nachdem am 13. Juli 1953 der SV Schöntal, damals noch als reiner Fußballverein, gegründet worden sei und das Recht bekommen habe, ebenfalls im Stadion zu spielen, sei es schon damals eng gewesen. Wagner: „Der SV Schöntal verfügte auch über drei Mannschaften.“ Die Schöntaler hätten den Nebenplatz nutzen müssen. Das Hauptspielfeld sei für den VfL reserviert gewesen.
Von 1929 bis 1932 Stadion erbaut
Gut zwei Jahre später wurde das von 1929 bis 1932 erbaute und im Mai 1948 renovierte Stadion im Schöntal zur Heimstätte. Dort war der VfL bis heute am erfolgreichsten. Von 1947 bis 1952 gehörte er der Oberliga Südwest und damit der höchsten Spielklasse an, da es weder eine Erste noch Zweite Bundesliga sowie keine Dritte Liga und Regionalliga gab. Heute handelt es sich bei der Oberliga nur noch um die fünfthöchste Liga.
Höhepunkte waren in dieser Zeit der 2:0-Sieg am 14. März 1948 gegen den 1. FC Kaiserslautern, bei dem vor 10.000 Zuschauern mit Werner Kohlmeyer, Werner Liebrich sowie Fritz und Otmar Walter vier Spieler aufliefen, die 1954 in der Schweiz den WM-Titel gewannen, und ein 10:1-Erfolg am 23. April 1951 gegen den vom früheren Nationalspieler Josef Gauchel trainierten TuS Neuendorf, Vorgängerverein der TuS Koblenz.
Brix lässt VfL an Haidmühle umziehen
Zwischenzeitlich hatte mit Günter Göhring (84) ein weiterer langjähriger Spieler, der nach seiner aktiven Karriere auch als Vorstandsmitglied und Sponsor tätig war, seine Karriere im VfL begonnen. „1948 lief ich im Alter von 18 Jahren erstmals bei der Ersten Mannschaft auf“, sagt er zu seinen Anfängen. Er erlebte die komplette erste Zeit im Stadion mit. Diese Epoche endete während der Ära des Neustadter Oberbürgermeisters Wolfgang Brix. Der 1930 in Ostpreußen in Insterburg geborene Jurist und Wirtschaftswissenschaftler, der kurzzeitig an der amerikanischen Eliteuniversität Harvard studiert hatte, wurde 1964 mit erst 34 Jahren Oberbürgermeister. „Er hat den damaligen Verantwortlichen des VfL Anfang der 1970er-Jahre mitgeteilt, dass das Stadion im Schöntal für den Schulsport benötigt werde und er deshalb eine Fusion mit dem an der Haidmühle beheimateten Lokalrivalen Blau-Weiß Neustadt wünsche.“
„Blau-Weiß hatte damals nur einen Hartplatz und keine große Mannschaft“, sagt Göhring. Brix habe versprochen, dass an der Haidmühle ein Sportpark mit Fußball- und Tennisplätzen entstehe. „Als VfL-Vorsitzender war seit 1972 Jürgen Johannes im Amt. Ich habe ihm gesagt, er solle sich diese Zusage schriftlich geben lassen, aber dies ist nie erfolgt. Es folgte nach der Übernahme von Blau-Weiß lediglich die Umwandung des Hartplatzes in einen Rasen und später die Errichtung des neuen Hartplatzes, so wie sich das Gelände auch jetzt noch präsentiert“, erinnert sich der als Spieler wie Staiger einst im Angriff beheimatete Göhring. Johannes, im April 2023 verstorbener VfL-Ehrenvorsitzender, hatte vielleicht deshalb immer eine Rückkehr ins Stadion im Schöntal befürwortet und sogar einmal eine Fusion mit dem SV Schöntal angedacht.
08 Haßloch auf Friesen- und Jahnplatz
Der TuS Niederkirchen hat es den Erfolgen der Frauenfußballmannschaften zu verdanken, in den 1990er-Jahren den alten Hartplatz zu verlassen und das von der Ortsgemeinde Niederkirchen errichtete Sportgelände an der Nachtweide, auf es inzwischen zwei Rasenplätze gibt, nutzen zu können. Gegner 1. FC 08 Haßloch ist seit 1968 westlich des Lachener Weges beheimatet. Als die 08er noch als Fußballabteilung der TSG Haßloch antraten, konnten sie den Friesen- wie auch den Jahnplatz nutzen. Dies untersagte ihnen die TSG, nachdem sich die Fußballer 1965 als 1. FC 08 selbstständig gemacht hatten. Zunächst gewährt ihnen deshalb der FV 1921 Asyl, danach der Pfälzer Handball-Verband, dem der neben der Schillerschule gelegene Pfalzplatz gehörte. Er ließ die 08er hier trotz Widerstandes der TSG spielen.
Termine
Bezirksliga: TSG Deidesheim - VTG Queichhambach (Freitag, 19.30 Uhr), SV Geinsheim - TSV Landau (Sonntag, 15 Uhr), TuS Niederkirchen - 1. FC 08 Haßloch (Sonntag, 15.30 Uhr), TSG Deidesheim - FC Speyer (18. September, 19.30 Uhr), VTG Queichhambach - TuS Niederkirchen (20. September, 19.30 Uhr).
A-Klasse: TuS Friedelsheim - VfB Haßloch (Sonntag, 15 Uhr), VfL Neustadt - ASV Waldsee (Sonntag, 16 Uhr, im Neustadter Stadion), SV Altdorf-Böbingen - TuS Maikammer (Montag, 19.30 Uhr), VfB Haßloch - VfL Neustadt (18. September, 19.30 Uhr), TuS Maikammer - FSV Schifferstadt II (20. September, 19.30 Uhr);
Frauen-Verbandsliga: TuS Heltersberg - 1. FFC Niederkirchen (Samstag, 18 Uhr).
