Neustadt
Neue Chefärztin der Geriatrie: Alten Menschen Halt geben
Visionen sind ihr Ding. Aber nur, wenn es nicht bei der Vision bleibt, sondern sie Ideen auch umsetzen kann. Ihre aktuelle Vision: die geriatrische Medizin am Marienhaus Klinikum Hetzelstift auszubauen und weiterzuentwickeln. Dafür hat sie beste Startbedingungen. Denn seit April ist Silke Kapper Chefärztin der Klinik für Innere Medizin III, was Geriatrie, Diabetologie und Nephrologie (Nierenheilkunde) umfasst.
Aktuell ist ihr Schreibtisch im vierten Stock des Krankenhauses noch angenehm leer. Ein paar Bücher, zwei Willkommen-Blumensträuße, ein Schokoladen-Osterhase. Gut gelaunt sitzt die 54-Jährige hinter dem Schreibtisch. Sie freut sich, wieder zurück am Hetzelstift zu sein. Und hat das Gefühl, „dass die Kolleginnen und Kollegen sich auch freuen, dass ich wieder da bin.“ Die Stimmung im Haus habe ihr immer gut gefallen, „man kennt sich und hat kurze Wege“.
Viele Disziplinen
Im Moment umfasst „ihre“ Klinik zwölf Betten. Im Mittelpunkt der Geriatrie stehen spezielle Erkrankungen alter Menschen, meist über 80-Jähriger. Dabei kann die Diagnose schwierig sein: Alte Menschen sind oft gebrechlich, leiden unter mehreren Krankheiten, und diese können anders aussehen als bei jungen Leuten. Wichtig ist deshalb, alles in den Blick zu nehmen – was wiederum ein interdisziplinäres Team – Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Logopäden und Sozialarbeiter – erfordert. Pflege, Hilfestellung und Seelsorge, fasst es Kapper zusammen. Im besten Fall immer im Zusammenspiel mit den Angehörigen.
Ihr Team kann sich Kapper nach eigenen Worten aufbauen. Einen Oberarzt hat sie bereits gefunden, nun sucht sie weitere Mitarbeitende, „die gut zu uns passen“. Das gemeinsame Ziel ist klar: Alte Menschen so zu behandeln, dass sie auch weiterhin so selbstbestimmt wie möglich leben können. Die Frage laute, wie der Patient vorher war, sagt Kapper. Und wie man ihm helfen kann, wieder ganz oder zumindest teilweise in die Selbstversorgung zurückzukehren. Dafür brauche es eine gute Struktur, um dem Patienten Halt und Sicherheit zu geben.
Neugierig geblieben
Die promovierte Medizinerin beschreibt sich selbst als neugierigen Menschen, als eine, die nicht stehenbleiben, sondern sich immer weiterentwickeln will. Hinzu komme viel Empathie. Ihren Beruf liebt sie über alles, „ich wollte schon als Kind Ärztin werden“, und sie hat ihn von der Pike auf gelernt. Sich alles selbst erarbeitet zu haben, das habe sie geprägt, ist Silke Kapper überzeugt. Wie davon, dass die Liebe zum Menschen untrennbar damit verbunden ist.
Erste „Branchenkontakte“ gab es als Hilfskraft in der Psychiatrie, gefolgt von einer Ausbildung zur Krankenschwester und einem Medizinstudium in Halle. Ihren Facharzt in Nierenheilkunde und für Innere Medizin machte sie am Uniklinikum Mannheim. Dann kam das Hetzelstift. Von 2004 bis 2021 war sie im Haus – in der Medizinischen Klinik I, in der Kardiologie und zuletzt als Oberärztin der Geriatrie, geleitet von Wiltrud Brech, deren Nachfolge sie nun angetreten hat.
Boxenstopp in Ludwigshafen
Dass sie dazwischen noch einmal in die Geriatrie des St. Marienkrankenhauses Ludwigshafen wechselte, „eine große Abteilung mit 50 Betten“, hängt wieder mit ihrer Neugierde zusammen. Sie habe schon immer dorthin gewollt, wo man viel lernen, sich weiterbilden konnte. Gerade in der Geriatrie sei es wichtig, „viele Krankheitsbilder zu kennen“. Zur Geriatrie insgesamt war die Medizinerin allerdings indirekt gekommen. Denn von Hause aus ist sie Nephrologin. Doch die Nierenheilkunde sei ebenfalls ein sehr komplexes Fach und der enge Bezug zum Patienten wichtig. Auch dort würden die Patienten immer älter, auch wenn es für die Geriatrie noch ein ganz anderes Wissen brauche.
