Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel 90 Jahre Freibad Duttweiler: „Treffpunkt für alle“

Bevor das Becken mit Wasser befüllt wird, wird es von den Mitgliedern des Fördervereins gründlich gereinigt. Am 6. Juni wird die
Bevor das Becken mit Wasser befüllt wird, wird es von den Mitgliedern des Fördervereins gründlich gereinigt. Am 6. Juni wird die Freibadsaison in Duttweiler eröffnet und es kann wieder geplanscht werden.

In Duttweiler wird das 90-jährige Jubiläum des Freibads gefeiert. Ein kostenintensiver Luxus für das kleine Weindorf, für den sich die Duttweilerer fleißig engagieren.

Das Weindorf Duttweiler zählt nur wenig mehr als 1000 Einwohner. Im Ort gibt es mehrere Weingüter, einen Lebensmittelladen, eine Kirche – und ein Schwimmbad. Das Freibad wurde 1936 eröffnet und feiert in diesem Jahr sein 90-jähriges Bestehen. Ganz einfach war es nicht, es über die Jahre zu erhalten. Immer wieder drückten die hohen Unterhaltskosten auf den Gemeindesäckel.

Als das Bad im Juni 1936 eingeweiht wurde, feierten die Duttweilerer begeistert mit einem Festzug, Musik und Tanz. Kurz darauf, während des Zweiten Weltkriegs, litt das Bad erheblich. Es wieder aufzubauen, glich einem Kraftakt an Engagement und Geld. In den 1960er-Jahren führte kein Weg mehr an der Generalsanierung vorbei. Die Gemeindeverwaltung kalkulierte mit Kosten in Höhe von rund 150.000 Mark. Das war für das kleine Weindorf damals kaum zu stemmen. Deshalb bat der damalige Ortsbürgermeister Jakob Müller seine Bürger um Spenden: einen „Baustein in Gestalt eines Betrages“ sollten sie der Verwaltung zukommen lassen. Und die Duttweilerer spendeten.

Schließung drohte

Die nächste Finanzspritze sollte 1986 von der Stadt Neustadt kommen, wozu das Weindorf nach der Eingemeindung mittlerweile gehörte. Oberbürgermeister Dieter Ohnesorge mahnte schon damals die Personalkosten an, die auch in Duttweiler tiefe Löcher in die Kassen rissen. Das Freibad sei „auf Pächtersuche“, titelte die RHEINPFALZ im Mai 1987. Mittlerweile mussten alle vier Neustadter Bäder – Schöntal, Hambach, Mußbach und Duttweiler – Kritik wegen ihrer fehlenden Attraktivität bei zu hohen Kosten einstecken. Es drohten Schließungen, die überall für erhitzte Gemüter sorgten. Welches Bad betroffen wäre, wurde intensiv diskutiert. Weil ihres außerhalb lag und für die Schüler der Weg zum Hambacher Freibad zu weit war, hofften die Duttweilerer, von der Schließung ausgenommen zu werden.

Als dann 1993 in Mußbach und Hambach die ersten Fördervereine gegründet wurden, zog Duttweiler mit. Obwohl das Weindorf mit 220 Mitgliedern die kleinste Fördergemeinschaft aufwies, schafften es die Ehrenamtlichen mit ihrem Vorsitzenden Roland Kirchner, das Bad am Leben zu halten.

Warmwasser erst seit 25 Jahren

Im Jahr 2001 erhielt das Schwimmbad seine erste Warmwasserdusche. Bis dahin „war bei uns alles Natur“, wie Kay Lützel, damals Vorsitzender des Fördervereins und heute Ortsvorsteher, bei dieser Gelegenheit feststellte. Das Wasser des Naturbads erwärmt sich bis heute nur durch die Sonneneinstrahlung und ist aus diesem Grund im Reigen der Neustadter Schwimmbäder immer das letzte, das öffnet.

Seit 2021 wird der Förderverein von Steffen Hartung geleitet. Rund die Hälfte der Duttweilerer engagiert sich laut Hartung ehrenamtlich für den Erhalt des Bades. Sogar aus den Nachbargemeinden helfen Freiwillige bei den anstehenden Arbeiten regelmäßig mit. „Unser Schwimmbad ist nicht spektakulär mit wilden Rutschen oder Sprungturm ausgestattet“, sagt Hartung. Die Attraktivität stamme nicht aus einer modernen Anmutung, sondern eher aus der familiären und gemütlichen Atmosphäre. „Das Schwimmbad ist ein Treffpunkt für alle“, so der Vorsitzende. Der Zulauf sei groß, auch abends.

Selbst diejenigen, die nicht zum Schwimmen kommen, seien an den Abenden dort anzutreffen. „Es ist das Zusammenkommen und das Zugehörigkeitsgefühl, was die Duttweilerer suchen und schätzen.“ Er selbst sei mit seiner Frau in der Sommersaison nahezu jeden Abend im Freibad. Alles, was man für einen schönen Sommertag benötige, könne man dort finden.

Bedeutung für Familien nimmt zu

An der Anzahl der gebuchten Schwimmkurse könne man ablesen, dass Schwimmen als grundlegende Fähigkeit erachtet werde. Die Bedeutung von Bädern habe zugenommen, so Hartung. Insbesondere die Möglichkeit, sich eine kostengünstige Auszeit leisten zu können, gewinne in Zeiten hinzu, in der das Geld vielerorts knapp werde. „Nicht alle Familien sind in der Lage, in den Urlaub zu fahren. Den Kindern trotzdem ein Sommervergnügen bieten zu können, hat einen großen und sogar noch steigenden Wert“, glaubt Hartung.

Mit Aqua-Gymnastik, Wasser-Yoga und weiteren niedrigschwelligen Angeboten sei das Bad lebhaft besucht. Steffen Hartung ist gebürtiger Frankfurter. „In der Stadt kennt man seine Nachbarn kaum“, erzählt er. Als er nach Duttweiler zog, wo jeder jeden kennt und grüßt, fühlte er sich sofort wohl. Der Wunsch, sich im Weindorf zu engagieren, führte ihn in den Förderverein. „Es sind die Duttweilerer, die so viel Wert auf Gemeinschaft legen, die letztlich das Freibad seit 90 Jahren am Leben erhalten.“

Während des großen Sommerfests am 4. Juli wird das Jubiläum mit einer Schwimmbad-Olympiade gefeiert. Der ökumenische Gottesdienst findet am 12. Juli mit anschließendem Weißwurstfrühstück statt.

Öffnungszeiten

Start der Sommersaison wird voraussichtlich der 6. Juni sein. Wochentags ist das Bad von 13 bis 19 Uhr geöffnet, in den Ferienzeiten und am Wochenende von 10 bis 19 Uhr.

x