Neustadt Ein Neustadter aus Ostpreußen
Die Neustadter haben sich schwer getan mit dem gebürtigen Ostpreußen Dieter Ohnesorge, der im Januar 1982 aus Buchholz in der Nordheide nach Neustadt kam und hier Oberbürgermeister wurde. Der damals 44-Jährige, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, war von der Stadt dagegen gleich angetan und ist nach wie vor begeisterter Neustadter.
Der Jurist, der in Buchholz als Stadtdirektor tätig war, hatte sich als Nachfolger von Wolfgang Brix beworben. Damals wurde der Oberbürgermeister vom Stadtrat gewählt, dort hatte die CDU mit 23 Sitzen die Mehrheit. Sie entschied sich für den Parteifreund Dieter Ohnesorge, der mit Brix wenig gemeinsam hatte. Korrektheit, persönliche Lauterkeit, Sachlichkeit, Nüchternheit, das sind Eigenschaften, die in Gesprächen und Artikeln über Ohnesorge immer wieder genannt werden. Was nicht die schlechtesten Voraussetzungen für sein neues Amt waren, denn Neustadt war eine der am höchsten verschuldeten Städte Deutschlands. „Sparen war angesagt“, erinnert sich Ohnesorge. Dazu kam, dass sich die Wirtschaftskrise in Deutschland natürlich auch auf Neustadt auswirkte. Mehrere große Neustadter Firmen waren pleite, Arbeitsplätze gingen verloren. Doch gelang es Ohnesorge auch, etwa 30 Betriebe in Neustadt anzusiedeln. Zur Sanierung des Haushalts der Stadt „wurden einige wichtige grundlegende Sparmaßnahmen getroffen“, sagt Ohnesorge. So wurden das Walter-Engelmann-Hallenbad und der Schlachthof verkauft, das Diedesfelder Schwimmbad geschlossen. Am Ende seiner zehnjährigen Amtszeit im Februar 1993 hatte Ohnesorge das Defizit des Haushalts der Stadt um fast 21 Millionen Mark reduziert. Zur Amtszeit von Ohnesorge gehörten auch der Wiederaufbau des 1981 abgebrannten Saalbaus sowie Entscheidungen für wichtige Infrastrukturmaßnahmen und über Bebauungspläne. „Es gab auch Glanzvolles“, sagt Ohnesorge. Das größte Erlebnis sei der Besuch des damaligen amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan auf dem Hambacher Schloss gewesen. Gerne erinnert er sich auch daran, dass der ehemalige Bundespräsident Karl Carstens auf seiner Wandertour durch Deutschland in Neustadt Station machte. Zwar gehörte Kultur nie zum Dezernat von Ohnesorge, doch hat er hier Akzente gesetzt. Er hat die Entwicklung des Herrenhofs unterstützt, einen Kulturpreis der Stadt Neustadt initiiert (den sein Nachfolger Jürgen Weiler wieder abschaffte), den Verein Freunde der Stadtbücherei gegründet und wesentlich zum Entstehen von Meistersinger- und Meistergeigerkursen beigetragen. Als die zehnjährige Amtszeit Dieter Ohnesorges zu Ende ging, hatten sich die Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat geändert. Ein Fraktionsbündnis aus SPD, FWG und FDP stellte nun die Mehrheit und wählte den SPD-Mann Weiler. So wie Ohnesorge etwas Neues begonnen hatte, als er nach Neustadt kam, so begann er jetzt wieder etwas Neues. Er arbeitete drei Jahre als Geschäftsführer einer Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft in Sachsen-Anhalt, legte die Prüfungen als Fachanwalt für Verwaltungsrecht ab und war bis vor kurzem in diesem Beruf tätig. „Mir geht es gut“, sagt Ohnesorge. Der Vater von drei erwachsenen Kindern hat fünf Enkel, für die hat er damit begonnen, seine Erinnerungen aufzuschreiben. Außerdem wandert er mit Ehefrau und Freunden, kümmert sich um den großen Garten, macht Sport und liest viel. „Es war eine schöne, bewegte, anstrengende Zeit“, sagt Ohnesorge rückblickend über seine zehn Jahre als Oberbürgermeister.