Haßloch
Ärztehaus mit Grenzen: Wieso Rollstuhlfahrer an der Tür scheitern
Wer mit dem Rollstuhl oder Rollator das Ärztehaus in Haßloch besuchen möchte, stößt buchstäblich an Grenzen – und an eine verschlossene Tür. Die Eingangstür des Gebäudes am Rathausplatz lässt sich nur mit Kraftaufwand öffnen. Kraft, die vielen Menschen fehlt, die mit Mobilitätshilfen wie Rollstühlen, Rollatoren oder auch Krücken ihren Alltag bewältigen.
„Theoretisch müsste man mit Anlauf gegen die Tür fahren, um überhaupt hineinzukommen“, sagt Robert Fath, stellvertretender Vorsitzender des Haßlocher Behindertenbeirats. Noch schwieriger sei der Weg hinaus: Selbst wenn man die Türklinke erreichen würde, blockiere man sich spätestens beim Öffnen selbst, ergänzt Jürgen Hess, Vorsitzender des Gremiums.
Tür nur mit Unterstützung zu bewältigen
Wer zu einer der Arztpraxen möchte, ist also auf Hilfe angewiesen – entweder von zufällig vorbeikommenden Personen oder von jemandem aus dem Haus, der nach dem Klingeln zur Tür kommt. Für den Haßlocher Behindertenbeirat ist die Situation so nicht hinzunehmen. „Dabei wäre eine Lösung ganz einfach: ein elektronischer Türöffner, zum Beispiel mit Bewegungsmelder“, sagt Fath, der das Gefühl, an der Tür zu scheitern, aus eigener Erfahrung kennt.
Dabei gehe es um mehr als die reine Technik. „Wir wollen Menschen mit Behinderung Selbstständigkeit ermöglichen “, betont Hess. Barrierefreiheit bedeute nicht, dass hilfsbereite Mitmenschen vorübergehend Barrieren aus dem Weg räumen, sondern dass bauliche Strukturen geschaffen werden, die niemanden ausschließen. Auch Menschen mit temporären Einschränkungen – etwa nach einer Operation – oder Eltern mit Kinderwagen würden vom Umbau der Tür profitieren. Gerade in einem Gebäude, in dem neben Hausarzt-, Kinderarzt- und Frauenarztpraxen auch eine Physiotherapie untergebracht ist, sei ein barrierefreier Zugang unerlässlich, sagt Fath.
Eigentumsverhältnisse erschweren Lösung
Dem Behindertenbeirat sei die Situation schon seit Längerem ein Dorn im Auge. Über das Bauamt habe man erfahren, dass das Gebäude nicht der Gemeinde, sondern einer Eigentümergemeinschaft gehöre. Die Verwaltung erfolge über eine Immobiliengesellschaft in Landau.
Bereits im Mai habe sich der Beirat schriftlich an die Hausverwaltung gewandt und keine Rückmeldung erhalten. Auch eine zweite E-Mail im Juni blieb zunächst unbeantwortet, telefonisch war wochenlang niemand erreichbar. Erst zwei Monate nach der ersten Kontaktaufnahme habe man eine Antwort erhalten: Man werde das Anliegen in die nächste Eigentümerversammlung einbringen, heißt es von der Hausverwaltung.
Hürden beim Nachrüsten im Bestand
Würde das Ärztehaus heute neu gebaut, sähe die Lage anders aus: Nach der seit 2011 geltenden Norm DIN 18040-2 müssen öffentlich zugängliche Gebäude barrierefrei gestaltet sein. Dazu gehören unter anderem stufenlose Eingänge, ausreichend breite Türen und automatisierte Türsysteme. In Rheinland-Pfalz ist die DIN 18040-2 seit dem 1. Januar 2015 verbindlicher Bestandteil der Landesbauordnung für öffentlich zugängliche Neubauten. Die Norm ist damit – wie in vielen anderen Bundesländern – in Verbindung mit der jeweiligen Landesbauordnung rechtsverbindlich vorgeschrieben.
Für ältere Gebäude gilt jedoch Bestandsschutz. Das bedeutet: Eine verpflichtende Nachrüstung ist rechtlich nur dann erforderlich, wenn umfangreiche Umbauten oder Nutzungsänderungen vorgenommen werden. In der Praxis hängt die Umsetzung also oft vom Engagement der Eigentümer ab – nicht vom Gesetz.
Tourist-Information als Positivbeispiel
Dass Barrierefreiheit auch im Bestand möglich ist, zeigt ein Positivbeispiel nur wenige Meter entfernt: die Tourist-Information am Rathausplatz. Das in die Jahre gekommene Gebäude wurde im Jahr 2023 mit Fördermitteln des Landes Rheinland-Pfalz umfassend saniert und barrierefrei gestaltet.
Im Zuge der Umbaumaßnahmen wurden Treppen entfernt, eine automatische Tür eingebaut und alle Zugänge ebenerdig gestaltet. Der Vorraum bietet eine moderne Infosäule, die auch im Sitzen problemlos bedient werden kann. Ergänzt wird das Angebot durch barrierefrei erreichbare Prospektständer und Tresen in verschiedenen Höhen. „Das ist super umgesetzt worden“, lobt Hess und ergänzt: „Wir hoffen, dass wir das auch bald über das Ärztehaus sagen können.“