Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Was beim Mannheimer Nachtwandel 2025 geboten ist

Auf den Nachtwandel (von links): Kurator Erik Carstensen, Stefanie Rihm vom Kulturamt, Oberbürgermeister Christian Specht, Lisa
Auf den Nachtwandel (von links): Kurator Erik Carstensen, Stefanie Rihm vom Kulturamt, Oberbürgermeister Christian Specht, Lisa Buttler, Lea Toifl und Oliver Althausen von VTM sowie der neue Quartiersmanager Johannes Kieffer freuen sich auf die Veranstaltung am Wochenende.

70 Stationen, mehr als 100 Veranstaltungen: Beim 19. Mannheimer Nachtwandel können Besucher am Freitag und Samstag in den Kunst- und Kulturkosmos eintauchen.

Peruanische Folklore, finnische Kunst, sizilianische Salsiccia oder brasilianische Samba-Rhythmen. Verwunschene Hinterhöfe, die mit Kreativität, Kulinarik oder auch einer Wahrsagerin überraschen. Klassiker, wie der Markt der Vielfalt mit Gerichten aus aller Welt bis hin zu Newcomern und Rückkehrern wie der kultigen Punkrockbar Contra’N: Das Nachtwandel-Abende gelten als die „höchsten Feiertage“ des Mannheimer Jungbuschs. Kulturschaffende, Gastronomen, aber auch viele Bewohner packen im ehemaligen Hafenviertel gemeinsam mit an.

Für Eric Carstensen ist es immer wieder ein Fest vor dem Fest, wenn im Sommer lose Ideen an ihn herangetragen werden, er nach Synergien sucht, Leute verbindet, und es ein paar Monate später tatsächlich zur Anmeldung kommt. „Dann wird der Hinterhof gemeinsam herausgeputzt, mit Bar und Beleuchtung, für mich sind diese Verbindungen die Highlights“, sagt der Künstlerische Leiter. Beim Co-Workingspace Raben-Engel-Odenwälder in der Werftstraße etwa wird die Siebdruck-Kunst zur Gesamtinstallation, mit Licht, DJ und kühlen Getränken. „Man spürt dann die Liebe zum eigenen Ort“, sagt Carstensen, der noch keinen Nachtwandel verpasste.

Weg von der Straße

Ewige Klassiker sind Führungen durch die Moscheen oder illuminierte Kirchen. Neu sind diesmal Walking-Acts mit Brass Band und einer Samba-Truppe. Sinar, deutsch-türkischer Musiker und waschechtes Kind des Jungbuschs, wird am Sackträgerplatz für Furore und tanzende Fans sorgen. Vor allem in der Jungbusch- und Beilstraße ballen sich die mit roten Sternen versehenen Stationen.

Insgesamt führt das Konzept aber immer weiter weg von der Straße. Elektronisch verstärkte Musik soll es nur auf den festen Bühnen geben. Auch die Kultur-Container am Verbindungskanal haben sich daher etabliert. Zwölf mit Kunst befüllte Boxen laden an der Promenade zum entspannten Schlendern ein. „Es gibt also nicht nur etwas fürs Partyvolk, sondern auch Ruhefelder“, sagt Carstensen.

„Nachtwandel wirkt nach innen und außen“

Doch der Nachtwandel stand trotz seiner Strahlkraft mit jährlich bis zu 25.000 Besuchern zuletzt wieder unter einem ungewissen Stern. Für das Kulturprogramm musste ein Crowdfunding gestartet werden, neben dem Zuschuss von 16.000 Euro durch das Kulturamt wurde fast noch mal die gleiche Summe über Spenden zusammengetrommelt. Auch die VTM (Veranstaltungen, Tourismus & Marketing) ging als Hauptveranstalter auf Sponsorensuche. „Es braucht 130.000 Euro für Sicherheitskonzept, Organisation und Infrastruktur“, erzählt Geschäftsführer Oliver Althausen.

Überlegungen, den Nachtwandel an nur einem Abend durchzuführen, konnten dank der Bereitschaft von im Jungbusch und am Hafen verankerten Unternehmen verworfen werden. So gilt der Leitspruch des langjährigen Quartiersmanagers Michael Scheuermann: „Der Nachtwandel wirkt nach innen und außen.“

Auch sein Nachfolger Johannes Kieffer ist mit dem Kult-Event als Gründer der Orientalischen Musikakademie sowie als langjähriger Dozent an der Popakademie bestens vertraut. „Aber nun habe ich in neuer Rolle eine ganz andere Innensicht. Durch den Kontakt mit den Bewohnern spürt man die Identifikation mit dem Nachtwandel und somit auch mit dem Jungbusch“, sagt er.

„Eine Marke für Mannheim“

Das Szeneviertel war zu Christian Spechts (CDU) jugendlicher Sturm- und Drangphase noch nicht das hippe Ausgehviertel. „Der Nachtwandel ist das beste Beispiel, was Stadtentwicklung bedeuten kann. Er ist weit mehr als nur ein Straßen- oder Stadtteilfest, er ist eine Marke für Mannheim. Ganz viele kommen extra dafür in die Stadt. Es hat eine ungebrochene Anziehungskraft und Faszination“, betont der Oberbürgermeister.

Ohne Sponsoren und Spendenaktionen aber sei das Event auch in naher Zukunft kaum durchführbar. „In Haushaltsgesprächen haben wir über einen Eintritt nachgedacht, aber das würde dem Nachtwandel den Charakter nehmen. Solange wir es so hinkriegen, würde ich es gerne offenlassen“, sagt Specht. Eine wichtige Finanzierungsquelle sind die 5-Euro-Becher: 5000 Soli-Gefäße wurden im vergangenen Jahr verkauft. Bei rund 12.500 Besuchern pro Abend ist da noch etwas Potenzial nach oben.

Termin

19. Nachtwandel im Jungbusch Mannheim am Freitag und Samstag, 24. und 25. Oktober, jeweils 19 bis 24 Uhr. Das ganze Programm findet sich unter www.nachtwandel-im-jungbusch.de.

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