Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Jungbusch: Quartiersmanager übergibt an Nachfolger

Michael Scheuermann geht in Ruhestand.
Michael Scheuermann geht in Ruhestand.

Der Kapitän geht von Bord. Über 30 Jahre lang war Michael Scheuermann ein prägendes Gesicht im Jungbusch. Im Sommer geht er in Ruhestand.

Sein künftiger Nachfolger steht ihm jetzt schon zur Seite. Bis zur Übergabe wird Johannes Kieffer als Co-Leiter in die Aufgaben im Kiez eingearbeitet. Der Neue kennt sich im Szeneviertel jetzt schon aus. Seit fast zwei Jahrzehnten ist Johannes Kieffer in unterschiedlichen Rollen im Jungbusch tätig. Zuerst als Gründer und geschäftsführender Vorstand der Orientalischen Musikakademie Mannheim (2007), später auch als Projektmanager im Studiengang Global Music an der Popakademie. Als studierter Kulturmanager bringt Kieffer viel Erfahrung in Führung, Managementaufgaben und Moderation sowie in der interkulturellen Jugendarbeit im Viertel mit. „Ich habe dem Jungbusch viel zu verdanken“, sagt er selbst. „Jetzt freue ich mich darauf, dem Stadtteil in meiner neuen Aufgabe einiges zurückgeben zu können.“

Seit seinem Amtsantritt hat sein Vorgänger Michael Scheuermann dort viel auf den Weg gebracht. Das alljährliche Kultur- und Kultevent, der Nachtwandel mit Konzerten, Kunst, kulinarischen Leckerbissen und viel Leben auf der Straße, ist da nur das Vorzeigebeispiel. Auch bei Tag hat sich der „Busch“ gewandelt, ist vom Problemviertel mit schmuddeligen Hafenkneipen zum hippen Ausgehviertel mit trendigen Bars geworden. Doch der Jungbusch-Hype brachte auch neue Probleme: Gentrifizierung und Anwohnerbeschwerden aufgrund der gestörten Nachtruhe. Auch dafür fanden Scheuermann und sein Team Konzepte. Mit ruhiger Hand hat er sein Viertel im Griff, da er eng mit den Bewohnern zusammenarbeitet, zuhört und zwischen unterschiedlichen Interessengruppen moderiert.

Ansprechpartner im Stadtteil

„Das ist auch die Hauptaufgabe als Quartiersmanager: Ansprechpartner in einem im Vielfaltsstadtteil zu sein und intermediär zwischen Bewohnern und Akteuren von der Kreativwirtschaft und Gastronomie über Kirchen, Moscheen, Stadtverwaltung bis zur Immobilienbranche zu vermitteln, Lösungen bei Konflikten zu suchen und den sozialen Zusammenhalt zu stärken“, betont er. Im Januar feierte Scheuermann, der ab 1992 als Leiter und Geschäftsführer des Gemeinschaftszentrums Jungbusch fungierte und seit 2002 in Personalunion auch die Funktion des Quartiermanagers ausübt, seinen 64. Geburtstag. „Das ist der richtige Zeitpunkt, um meine Aufgaben in neue Hände zu legen und die Monate bis zu meinem Ausscheiden Ende Juli zur schrittweisen Übergabe zu nutzen“, sagt er.

Durch das mehrmonatige Jobsharing mit Johannes Kieffer sollen die Verantwortlichkeiten und Aufgaben schrittweise an den Nachfolger übertragen werden, ehe der Neue ab dem 1. August alleiniger Quartiersmanager wird. „Zunächst lerne ich vor allem die Kollegen im Gemeinschaftszentrum kennen, es ist ein Einarbeiten von innen nach außen“, sagt Kieffer nach den ersten Tagen. Im Doppel treten sie nun im Jungbusch auf. „Es ist ein Mix aus Neugierde und Freude, dass der Neue doch schon so bekannt ist“, erklärt Scheuermann.

Blutjung ist Kieffer zwar auch nicht mehr. „Aber ich habe die Perspektive, in nun sechs oder sieben Jahren einiges zu bewegen“, erklärt der 62-Jährige. Und man spürt: er kennt den Jungbusch, und die Leute hier kennen ihn. Und darauf kommt es bei der Arbeit als Quartiermanager schließlich an. Dass man gesehen, wahr- und ernstgenommen wird, und auch der neue Steuermann (nicht Scheuermann) ein offenes Ohr für die Bewohner im einstigen Hafenviertel hat.

Der Neue: Johannes Kieffer.
Der Neue: Johannes Kieffer.
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