Mannheim
„Kappenmann“ bestreitet Messerstiche
„Wer ist der Kappenmann?“, lautete bei der Verhandlung im Mai 2016 die entscheidende Frage. Dieser Mann soll eine entscheidende Rolle bei der Tat gespielt haben, bei der ein damals 29-Jähriger und ein weiterer Mann durch Messerstiche verletzt worden waren. Einer der Angreifer, die zum rockerähnlichen Club Osmanen aus dem Raum Frankfurt zuzurechnen waren, war durch Schüsse verletzt worden, die der 29-Jährige abgegeben hatte.
„Ja, der Kappenmann bin ich“, räumte der Beschuldigte am Donnerstag nach Ansicht der Videobilder mehrerer Überwachungskameras ein. Er habe im Verlauf der Auseinandersetzung auch einige Schläge ausgeteilt. Sein „Hauptbeitrag“ habe jedoch darin bestanden, dass er in einem „Gerangel wie in einem Film“ dem 29-Jährigen die Schusswaffe abgenommen habe. „Ich war total euphorisiert und habe immer wieder geschrien: Ich hab’ die Waffe“, sagte der gelernte Autoverkäufer, der in seinem Redefluss kaum zu stoppen war. Viel mehr könne er zum Tathergang nicht sagen. „Ich wusste ja auch damals nicht, worum es eigentlich ging.“ Die Schusswaffe habe er während der Rückfahrt aus dem Autofenster geworfen.
Belastende Videos
Nach einem Rundruf habe man sich damals in Offenbach getroffen. „Dort hieß es, dass wir jetzt nach Mannheim fahren.“ Einer der hessischen Gruppe habe „Stress mit einem Stabilen aus Mannheim“ gehabt. Und weil man davon ausgegangen sei, dass es sich bei dem Mann, ein 29-jähriger Ludwigshafener, der ein Lokal in den Mannheimer H-Quadraten führte, tatsächlich um eine große Nummer handelte, habe man mit vielen Leuten hinfahren wollen. Letztlich standen etwa 15 Osmanen aus Offenbach aber gerade einmal zwei Leuten gegenüber. „Das habe ich bei der Auseinandersetzung aber gar nicht mitbekommen. Da standen so viele Leute herum. Da wusste man gar nicht, wer zu wem gehört.“
Noch mehr ärgerte ihn die Ursache des Streits. „Das war eigentlich wegen nichts!“ Im Rahmen der Verhandlung vor sechs Jahren kam heraus, dass sich der 29-Jährige gegenüber den Osmanen „abfällig geäußert habe“. Dies habe einen 25-jährigen aus dem Rhein-Pfalz-Kreis derart erzürnt, dass er seine Freunde aus Offenbach alarmiert hatte. „Das hätte man auch verbal klären können“, meinte der 34-jährige Angeklagte.
Wegen schwerer Körperverletzung angeklagt
Er muss sich nun wegen schwerem Raub und schwerer Körperverletzung verantworten. Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge wirft ihm Messerstiche gegen die beiden Männer vor sowie auch schweren Raub. Denn der Angeklagte soll dem 29-Jährigen die Schusswaffe entwendet haben.
Die erste Verhandlung gegen vier tatbeteiligte Osmanen aus Hessen gestaltete sich vor sechs Jahren schwierig. So war die Kammer davon ausgegangen, dass viele der Beteiligten bei ihren Aussagen gelogen hatten. Trotzdem wurden vier der Männer zu Haftstrafen zwischen zwölf und 21 Monaten verurteilt. Ein 25-Jähriger aus dem Rhein-Pfalz-Kreis erhielt als Hauptverantwortlicher für die Tat eine Haftstrafe von drei Jahren. Auf dem Messer, mit dem die beiden Männer verletzt wurden, waren seine DNA-Spuren gefunden worden. Die Stiche selbst seien allerdings keinem der fünf Männer zuzuordnen gewesen, so die Richter vor sechs Jahren.
Einschlägig vorbestraft
Die Messerstiche gingen nach Ansicht der Ermittler wohl auf Kosten des „Kappenmannes“, wie der damals noch nicht Identifizierte auf den Überwachungsvideos genannt worden war. Der einschlägig vorbestrafte 34-Jährige wies diesen Vorwurf allerdings zurück. Für den Prozess sind noch vier weitere Verhandlungstage vorgesehen.
Die Auseinandersetzung auf dem Mannheimer Marktplatz könnte Motiv für einen Mord im Januar 2018 vor dem Ostparkbad Frankenthal sein, bei dem ein 51-jähriger Türke aus Ludwigshafen mit einem Messer getötet wurde.