Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Bahnhof Käfertal vorbereitet auf Buga-Besucher

Bahnsteige erneuert und verlängert, Aufzüge eingebaut: der modernisierte Bahnhof in Käfertal.
Bahnsteige erneuert und verlängert, Aufzüge eingebaut: der modernisierte Bahnhof in Käfertal.

Mitte April startet die Bundesgartenschau in Mannheim, über zwei Millionen Besucher werden erwartet. Ihnen wollen die Deutsche Bahn und die Stadt von einem modernisierten Bahnhof Käfertal den Weg frei machen. Am Freitag ist das Resultat vorgestellt worden. Mit sichtbaren Fortschritten.

So ist ein barrierefreies Aus- und Einsteigen möglich. Besucher aus dem Norden können nach kurzem Fußweg direkt zum Buga-Gelände Spinelli gelangen. „Die Aufzüge funktionieren, ich habe sie eben selbst ausprobiert“, scherzte Michael Groh, Leiter der Region Südwest der DB Station und Service AG bei der Einweihungsfeier am Freitag. Was er wohl meinte, aber nicht explizit ausdrückte: Dass vorhandene Aufzüge per Knopfdruck gerufen werden können, ist bei der Bahn keine Selbstverständlichkeit, siehe das Beispiel Hauptbahnhof Ludwigshafen.

Gekostet habe der Umbau rund fünf Millionen Euro, berichtete Groh. 2,2 Millionen Euro hat der Bund beigetragen, 800.000 Euro das Land, weitere zwei Millionen die Stadt. „Als Land finanzieren wir die Modernisierung mit, damit wirklich alle Menschen den Öffentlichen Verkehr nutzen können. Das ist wichtig, damit möglichst viele auf klimafreundliche Mobilität umsteigen. Es geht darum, klimaneutral zu werden. Im Land haben wir uns dafür das Jahr 2040, in Mannheim 2030 zum Ziel gesetzt“, sagte Elke Zimmer, Staatssekretärin im Stuttgarter Landesverkehrsministerium. Für die Grünen ist sie auch Mitglied im Mannheimer Gemeinderat. Auf die Aufzüge seien nicht nur Rollstuhlfahrer angewiesen, sondern ebenso Kinderwagen und alle in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen, betonte sie.

Kurzer Fußweg zur Buga

„Der Ausbau des Bahnhofs Käfertal wird den Menschen dienen, die aus dem Norden hoffentlich in großer Zahl zur Buga kommen“, spielte Zimmer auf die zugedachte Funktion im Verkehrskonzept der Gartenschau an. Vom Bahnhof aus kann der nördliche Eingang des Spinelli-Geländes direkt mit kurzem Fußweg erreicht werden. „Der Anteil von zwei Millionen Euro für die Stadt ist viel Geld“, betonte ÖPNV-Dezernent und Stadtkämmerer Christian Specht (CDU) den Beitrag der Kommune.

„Während der Buga wird es einen stündlichen Pendelzug vom Bahnhof Waldhof mit Anschluss nach Frankfurt geben“, kündigte er eine besondere Verbindung Richtung Norden an. Eine Schätzung, welche Zahl von Buga-Besuchern diesen Weg wählen wird, sei im Voraus kaum möglich, räumte er ein. Angesichts des mit viel Geld erneuerten Bahnhofs sei es schade, dass das direkt angrenzende Bunkergebäude nicht auch etwas frische Farbe bekommen habe, bedauerte er. Ein intaktes Umfeld trage zum Sicherheitsgefühl der Bürger bei.

Bunker unter Denkmalschutz

Tatsächlich bröckelt unübersehbar an dem direkt an den Bahnsteig angrenzenden Weltkriegsbunker der uralte braune Verputz ab, die Außenwände sind mit Graffiti verunstaltet. Doch der Bunker stehe unter Denkmalschutz, wie grundsätzlich alle Weltkriegsbunker in Mannheim, erläuterte DB-Manager Groh. Der Bahnhofsbunker in Käfertal sei schon vor Jahren an Private verkauft worden. Er hätte gern einen Eimer Farbe spendiert. Doch wegen des Denkmalschutzes durfte nichts verändert, nicht einmal die Graffiti überstrichen werden, bedauerte er.

Schandfleck: der verunstaltete Bunker neben dem Bahnhof.
Schandfleck: der verunstaltete Bunker neben dem Bahnhof.

Im Bahnhof Käfertal sind im Rahmen der zweiten Ausbaustufe der S-Bahn Rhein-Neckar die beiden vorhandenen Bahnsteige erneuert und auf die zu den S-Bahn Zügen passende Höhe von 76 Zentimetern gebracht worden. Damit können Fahrgäste ohne Stufe aus- und einsteigen. Dazu sind die Bahnsteige entsprechend den Zügen verlängert worden, Bahnsteig 1 auf 210 Meter und Bahnsteig 2/3 auf 240 Meter. Über zwei Aufzüge sind die Bahnsteige nun barrierefrei zu erreichen. Für Menschen mit Sehbehinderung ist der Bahnhof mit taktilen Leitsystemen ausgestattet worden. Im Wartebereich sind neue Sitzgelegenheiten geschaffen und das Bahnsteigdach angepasst worden.

Kommentar: Schlechter Witz

Nur Betonköpfe können Denkmalschutz für einen verschmierten Bunker geltend machen.

Ja, Denkmalschutz hat seine Berechtigung. Und ja, Zeitzeugnisse aus dem Zweiten Weltkrieg sind gerade in diesen Zeiten stille Mahner. Aber dass noch nicht mal illegales Graffiti überstrichen werden darf, das verstehe, wer will. An der hässlichen Wand flanieren bald Tausende Bundesgartenschau-Besucher vorbei. Ein aufgepeppter Bahnhof soll einen freundlichen ersten Eindruck vermitteln – der nach wenigen Metern schon wieder verpufft. Wie schade.

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