Ludwigshafen Zur Sache: Ludwigshafen-Gaziantep – eine schwierige Städtepartnerschaft
Die Städtepartnerschaft zwischen Ludwigshafen und Gaziantep, die 2012 besiegelt wurde, ist aus der Brandkatastrophe entstanden. Sie wird auch durch den Verein Freundeskreis Ludwigshafen Gaziantep gepflegt. Dem Verein sitzt seit 2012 Hans-Uwe Daumann vor. Für sein Engagement im Verein habe auch die angespannte Atmosphäre in der Stadt nach dem Unglück eine Rolle gespielt. „Ich habe damals diese Spaltung erlebt. Ich wollte, dass wir nicht mehr in diese Lage kommen, dass Menschen nicht mehr miteinander sprechen können“, sagt er. Doch mittlerweile überkommt den 59-Jährigen ein pessimistisches Gefühl, ob die Partnerschaft weiterhin mit Leben gefüllt werden kann. „Zum ersten Mal habe ich Zweifel, ob es möglich sein wird, diese Partnerschaft zu pflegen“, sagt er. Die Oberbürgermeisterin von Gaziantep, Fatma Sahin von der Erdogan-Partei AKP, reagiere nicht mehr auf Anfragen aus Ludwigshafen. Auch kann der Grüne, der im Ludwigshafener Stadtrat sitzt, nicht akzeptieren, dass Sahin Verständnis für einen Krieg äußert, der in nur 50 Kilometern Entfernung von Gaziantep geführt wird. Gemeint ist der Kurdenfeldzug der Türken im Bürgerkriegsland Syrien. Die Auswirkungen der türkischen Politik spürt Daumann auch in seinem Verein in Ludwigshafen. Der Verein hat etwa 50 Mitglieder, die Mehrheit davon Deutsche. Doch die starke Polarisierung in der Türkei habe sich auch auf den Kreis ausgewirkt, alle AKP-Sympathisanten hätten sich aus der Vereinsarbeit zurückgezogen. Im Vergleich zur Zeit nach dem Brand hat sich laut Daumann die Stimmung in der Stadt nicht viel verbessert. „Es gibt viele Türken, die sich gefühlsmäßig hier abgemeldet haben“, sagt er. Aber trotzdem gebe es auf beiden Seiten Menschen, die sich unermüdlich um eine bessere Verständigung bemühen. Daumann hofft, dass in diesem Jahr wieder Schüler aus Ganziantep nach Ludwigshafen kommen können. Reisen in die andere Richtung gebe es nicht, weil es zu riskant sei. Die Zahl der Ludwigshafener mit Wurzeln aus Gaziantep schätzt Dauman auf etwa 1000. Viermal war Daumann schon in der Partnerstadt. Immer habe die Delegation dabei die Gräber der Brandopfer aus Ludwigshafen besucht.
